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Eine Vision für die Notfallhilfe: Per Datenbrille können Telenotärzte die Helfer vor Ort anleiten. Dr. med. Andreas Follmann von der Uniklinik RWTH Aachen erklärt das Forschungsprojekt.

Überraschung: Deutsche Krankenhäuser leiden unter Personalmangel. Das hat auf viele Bereiche der medizinischen Versorgung negative Auswirkungen – so auch in der Erstversorgung bei Großschadenslagen. Oft sind Helfer bis über ihre Grenzen hinaus belastet. Um ihnen Hilfestellung zu geben, haben Forscher der RWTH Aachen im Rahmen des Projektes „AUDIME – AUDIovisuelle Medizinische Informationstechnik bei komplexen Einsatzlagen“ eine medizinische Datenbrille entwickelt, die Ersthelfer in Katastrophenlagen Entscheidungshilfen liefern soll.

Die Technik dahinter nennt man Augmented Reality. Darunter versteht man die IT-gestützte Erweiterung der Wahrnehmung von Realität. Und dabei spielt die Datenbrille eine tragende Rolle. Der Nutzer bekommt nämlich über einen kleinen Monitor auf dem Brillenglas für die jeweilige Situation wichtige Informationen eingeblendet. So kann er schneller entscheiden, z.B. wer zuerst Hilfe braucht oder was zuerst zu tun ist. Darüber hinaus können über die Datenbrille live Telenotärzte zum Einsatzort hinzugeschaltet und für eine Konsultation zu Rate gezogen werden. Welche Vorteile solche Entwicklungen für Krankenhäuser haben, erklärt Dr. med. Andreas Follmann, Assistenzarzt und Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Sektion Medizintechnik, Klinik für Anästhesiologie, Uniklinik RWTH Aachen.

Ein Szenario für den Einsatz der Datenbrille der RWTH Aachen

Ein Szenario für den Einsatz der Datenbrille: Bei einem Zugunglück mit Schwerverletzten werden Telenotärzte dazugeschaltet. Über die Darstellung eines Sichtungsalgorithmus zeigt die Datenbrille den Rettungsassistenten fortlaufend die nächsten Diagnoseschritte an. Per Audio- und Videoübertragung unterstützen die Telenotärzte die Rettungskräfte bei der Sichtung und geben Hilfestellung bei schwierigen Entscheidungen.

Health Relations: Wieso wollen Sie gerade das Potenzial von Datenbrillen untersuchen?

Andreas Follmann: Wir sehen in der Nutzung von Datenbrillen viele Vorteile in der Medizin. Sie bieten eine Augmented Reality, die eine Arbeit mit den Händen nicht behindert. Dies ist beispielsweise in der Katastrophenmedizin wichtig, wo lebensrettende Maßnahmen zügig durchgeführt werden, kann aber auch in der innerklinischen Behandlung von Bedeutung sein, gerade wenn z.B. ein Chirurg mit den Händen sterile Tätigkeiten ausübt. Mit der Technik „an Bord“ einer Datenbrille (Menü, Bildschirm und Kamera) eignet sie sich perfekt für Anwendungen der Telemedizin.

Health Relations: Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich von dem Projekt?

Andreas Follmann: In diesem Projekt wurde erstmals in großem Rahmen eine Datenbrille zur Anwendung in der Medizin untersucht. Zwar haben wir auch schon in vorangegangenen Projekten Datenbrillen integriert. Aber in AUDIME wurden erstmals Verfahrensanweisung und sogenannte „Standard operating procedures“ integriert, die in der modernen Medizin immer mehr an Bedeutung gewinnen. Hier spielt die Usability im klinischen Kontext eine wichtige Rolle.

Health Relations: Wie können solche Datenbrillen auch Klinikpersonal entlasten?

Andreas Follmann: Durch die Möglichkeit der telemedizinischen Anbindung könnte man eine Unterstützung „von außen“ gewährleisten, um gerade bei kritischen Entscheidungen eine zweite Meinung oder Supervision zu ermöglichen. Außerdem kann die Anzeige der eben genannten Verfahrensanweisungen das Sicherheitsgefühl der Einsatzkräfte und ggf. auch im innerklinischen Kontext des Personals erhöhen.

Health Relations: Wäre es denkbar, dass in der Zukunft der Notarzt per Datenbrille sieht, was der Rettungsassistent sieht und diesen in Echtzeit beraten kann, so dass er quasi an mehreren Orten gleichzeitig sein kann? Könnte das helfen, mangelndes Fachpersonal zu ersetzen?

Andreas Follmann: Genau das findet bereits im Projekt AUDIME Anwendung. Ein telemedizinisch zugeschalteter Leitender Notarzt (Tele-LNA) kann die Einsatzkräfte vor Ort unterstützen, medizinische Entscheidungen treffen und so die Diagnostik und Therapie vor Ort unterstützen. Die Erfahrungen aus dem „Telenotarzt Aachen„, der ja schon seit 2014 kein Forschungsprojekt mehr ist, sondern im Regelrettungsdienst der Stadt Aachen fest integriert ist, haben gezeigt, dass ein Fachkräftemangel zumindest teilweise kompensiert werden kann, vor allem aber die Qualität der medizinischen Behandlungen auf einem hohen Niveau gesichert werden können.

Health Relations: Welche Rolle wird die IT generell künftig in Krankenhäusern spielen, wenn es darum geht, Personal zu entlasten?

Technik in der Medizin kann oft nur den Menschen unterstützen, ihn jedoch kaum ersetzen.Andreas Follmann: Genau das erforscht unsere interdisziplinäre Sektion Medizintechnik seit vielen Jahren sehr erfolgreich. Aber viele Projekte haben uns bereits gezeigt, dass die Technik in der Medizin oft nur den Menschen unterstützen kann, ihn jedoch kaum ersetzt. Durch den Einsatz moderner Technik kann aber beispielsweise die Versorgungsqualität gesichert und die Patientensicherheit gesteigert werden.

Health Relations: Wo sehen Sie die Grenzen der Technik?

Andreas Follmann: Bezogen auf das Projekt AUDIME liegen die Grenzen der Technik zum einen in der Stromversorgung (die Datenbrillen verfügen aktuell nur über kurze Akkulaufzeiten, so dass bei längeren Einsätzen eine externe Stromversorgung erforderlich ist), zum anderen aber in einer unzureichenden Netzabdeckung. Hierzu gibt es jedoch viele interessante Forschungsansätze, die den Einsatz der Technik nicht nur in der Notfall- und Katastrophenmedizin in den kommenden Jahren weiter vereinfachen werden.

Bild im Beitrag: © RWTH Aachen University
Titelbild: © iStock.com/eternalcreative

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Veröffentlicht von Miriam Mirza

Freie Journalistin im Gesundheit- und Medizinbereich. Für Health Relations berichtet sie über die Themen Pharma, Dental, Klinik und Recruiting.

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