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Seit Anfang November testet die AOK ihre erste digitale Gesundheitsakte in Mecklenburg-Vorpommern. Was kann die Akte, und was sagen die Bürger dazu?

In der letzten Veranstaltung der ceres Ringvorlesung „Die programmierte Gesundheit. Digitalisierung in der Medizin“, die derzeit in Köln stattfindet, ging es um allgemeine Vor- und Nachteile der elektronischen Patientenakte. In der Folgeveranstaltung am 22. November mit dem Thema „Digitalisierte Medizin. Meine Daten, meine Gesundheit?“ stellte der studierte Mediziner Dr. Kai Kolpatzik von der AOK deren Patientenakte vor. Dr. Axel Wehmeier, Sprecher der Geschäftsführung der Telekom Healthcare Solutions und Leiter des BITKOM-Arbeitskreises E-Health, ging in seinem Vortrag der Frage nach, was die Bürger zur elektronischen Patientenakte und zur digitalisierten Medizin sagen.

Die elektronische Patientenakte der AOK

Digitalisierte Medizin: Dr. Kolpatzik berichtet von der elektronischen Patientenakte der AOK

Dr. Kai Kolpatzik stellte die elektronische Patientenakte der AOK vor.

Auch wenn noch viele Fragen offen sind: Die digitale Patientenakte kommt. Die TK entwickelt zusammen mit IBM Deutschland und verschiedenen Krankenhausträgern derzeit eine elektronische Gesundheitskarte (eGA). Die AOK ist schon einen Schritt weiter und testet bereits. Seit Anfang November gibt es die digitale Akte der AOK in Vorpommern-Greifswald in einer ersten Pilotphase für 8.000 AOK-Versicherte. Ab Januar 2018 wird dann auch in Berlin in einem großen Maßstab getestet – hier können dann 114.000 AOK-Versicherte das digitale Gesundheitsnetzwerk der AOK nutzen.

 

Den Versicherten in Mecklenburg-Vorpommern stehen vier Anwendungen zur Verfügung:

  • Das Aufnahme- und Entlassungsmanagement in den beteiligten Kliniken
  • Der Austausch von Dokumenten zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten
  • Die Möglichkeit zum Hochladen eigener medizinischer Dokumente wie Organspendeausweis oder Mutterpass
  • Die Option, selbst erhobene Vitaldaten und Messwerte (z.B. von Wearables) in die Akte einfließen zu lassen.

Kolpatzik betonte, dass der Patient in Vorpommern-Greifswald entscheide, ob er von dem Angebot der digitalen Akte Gebrauch machen wolle und wem er den Zugriff erlaube. „Wir als Krankenkasse sehen keine Daten davon“, versicherte er.

Digitalisierte Medizin: Die AOK ist an dem Selbsthilfeprogramm moodgym beteiligt, das Informationen und Anregungen enthält, wie Betroffene besser mit depressiven und ängstlichen Beschwerden umgehen können. 

Am Ende seines Vortrags wagte Kolpatzik einen Blick in die Zukunft. Vergangene Woche hätte die US-Gesundheitsbehörde FDA die digitale Pille endgültig bewilligt. „Digitale Prozesse mit physiologischen Prozessen zusammenzubringen, das sind Dinge, die etwas verändern werden“, sagte er. Und: „Die Disruption kommt erst noch!“

„Ich glaube nicht an die Disruption“

Digitalisierte Medizin: Dr. Wehmeier berichtet von Entwicklungen im Gesundheitsmarkt

„In der Zukunft wird das mobile Internet der eigentlich verändernde Faktor sein“, glaubt Dr. Axel Wehmeier

„Eine Disruption ist ein Prozess, bei dem eine bestehende Dienstleistungsstruktur durch eine stark wachsende Innovation vollständig verdrängt wird.“ Quelle: WikipediaLässig konfrontativ gab sich Dr. Axel Wehmeier zu Beginn seines Vortrages über die Meinung der Bürger zur digitalisierten Medizin. Er glaube nicht an die Disruption der Medizin. Dafür sei das Budget für Gesundheitsausgaben in Deutschland zu sehr reguliert. Anders als z.B. bei der Telekommunikation, wo der Kunde selbst entscheiden kann, welches Medium er wählt und bestimmten Formaten damit Auftrieb gibt, würden in der Medizin Gremien, wie z.B. der Gemeinsame Bundesauschuss (GBA) über einen Großteil der Geldflüsse entscheiden. Dadurch seien Innovationen in der Medizin nicht von unten, also vom Arzt oder Patienten, sondern von oben gesteuert.

Wehmeier ging in seinem Vortrag auf die Ergebnisse aus zwei Bitkom-Studien ein. In der ersten wurde die Sicht der Patienten auf die Digitalisierung untersucht, in der zweiten die Sicht der Ärzte. Die Befragungen ergaben, dass sowohl eine Mehrheit der Bürger als auch eine Mehrheit der Ärzte die digitale Patientenakte als Chance wahrnehmen.

„In der Zukunft wird das mobile Internet der eigentlich verändernde Faktor sein“Wenn es um digitalisierte Medizin geht, sind Gesundheits-Apps derzeit bei den Deutschen am beliebtesten. An zweiter Stelle stehen CDs, die Untersuchungsergebnisse speichern. Online-Sprechstunden haben nur 1 Prozent der Befragten genutzt. Eine Mehrheit der Deutschen besitzt bereits Mobile-Health-relevante Endgeräte. „In der Zukunft wird das mobile Internet der eigentlich verändernde Faktor sein“, glaubt Wehmeier.

Außerdem würde das Internet den Patienten mündiger machen, so Wehmeier, was einen Einfluss auf das Arzt-Patienten-Verhältnis hat. 64 Prozent der befragten Ärzte empfand den „informierten“ Patient, der meinte, durch das Internet alles besser zu wissen, als anstrengend. Immerhin 51 Prozent der befragten Ärzte gaben dagegen an, durch den Austausch mit informierten Patienten dazugelernt zu haben.

Digitalisierte Medizin: Arztberuf wird anspruchsvoller

Zum Schluss seines Vortrages zum Thema „Digitalisierte Medizin“ räumte Wehmeier mit einer bei immerhin einem Fünftel der Ärzte verbreiteten Angst auf. Die Digitalisierung ersetze nicht den Arzt – sie mache den Arztberuf anspruchsvoller. „Das Paradoxon an der Digitalisierung ist die Tatsache, dass Ärzte mehr Verantwortung tragen. Sie haben mehr Daten zur Verfügung, die bei einer Entscheidung berücksichtigt werden müssen.“ Daher sei die Entwicklung einer digitalen Kompetenz zentral für zukünftige Ärzte.

Die ceres Ringvorlesung „Die programmierte Gesundheit. Digitalisierung in der Medizin“ hält viele weitere spannende Themen und Diskussionen mit aktuellen Einblicken aus Forschung und Industrie bereit. Wir bleiben für Sie am Ball!

Bild von Dr. Kopatzik: © AOK-Bundesverband
Bild von Dr. Wehmeier: © Deutsche Telekom AG
Titelbild: © iStock.com/a-image

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Veröffentlicht von Lukas Hoffmann

schreibt für Health Relations über Trends der Pharma- und Klinikbranche.

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