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Auch in diesem Jahr sind wieder Experten auf der REHAB zusammengekommen, um sich über aktuelle Trends der Reha-Technik zu informieren. Die Messe setzt auch immer wieder inhaltliche Schwerpunkte, zu denen Fachleute in Vorträgen und Workshops informieren. Wir trafen Dagmar Greskamp von der Aktion Mensch.

In diesem Jahr ging es auf der REHAB auch um das Thema „Beruf und Bildung“. Ein spannender Bereich, der auch aus Arbeitgebersicht besondere Aufmerksamkeit verdient – die Mehrheit der Menschen mit Behinderung erwerben diese erst im Laufe ihres Arbeitslebens. Das hat natürlich unmittelbare Folgen für den Arbeitnehmer, aber eben auch für den Arbeitgeber. Was ist zu tun, wenn ein Mitarbeiter einen inklusiven Arbeitsplatz benötigt? Warum sollten Sie bei der Stellenbesetzung auch Menschen mit einer Behinderung in Betracht ziehen? Diese und andere Fragen zum Thema Inklusion beantwortet Dagmar Greskamp, Team Kampagnen und Information bei Aktion Mensch e.V.

Health Relations: Frau Greskamp, wie inklusiv ist unsere Arbeitswelt? Welche typischen Probleme begegnen Arbeitnehmer mit einer Behinderung immer wieder?

Dagmar Greskamp: Man kann sagen: Es gibt leichte Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt – das zeigt auch das Inklusionsbarometer Arbeit, das die Aktion Mensch gemeinsam mit dem Handelsblatt Research Institute herausgibt. Die Arbeitslosigkeit sank in den letzten Jahren – wenn auch nur leicht –, und die Beschäftigungsquote steigt. Sie liegt allerdings immer noch unter der gesetzlich geforderten Quote von fünf Prozent. Die Langzeitarbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderung verfestigt sich weiter; es gelingt, einen Teil der Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt zu integrieren, aber lange noch nicht alle. Während das Inklusionsklima bei den Arbeitgebern steigt und zum Beispiel vermehrt Barrierefreiheit umgesetzt wird, sinkt das Inklusionsklima bei den Arbeitnehmern weiter ab. Die Arbeitnehmer sehen zwar, dass sich ihre objektive Situation verbessert, subjektiv hat sich ihre Lage jedoch nicht positiv verändert.

Arbeitnehmern mit Behinderung begegnet häufig das Vorurteil, sie seien nicht leistungsfähig und häufig krank. Außerdem denken Arbeitgeber häufig, dass Menschen mit Behinderung unkündbar sind. In unserer Umfrage bei Arbeitgebern, die Menschen mit Behinderung beschäftigen, ist jedoch klar geworden, dass der überwiegende Teil der Arbeitgeber keine Leistungsunterschiede zwischen Menschen mit und ohne Behinderung erkennt. Außerdem sind Menschen mit Behinderung nicht häufiger krank als andere Arbeitnehmer. Der besondere Kündigungsschutz sagt lediglich, dass das Integrationsamt bei einer Kündigung hinzugezogen werden muss, um auszuschließen, dass die Kündigung aus behinderungsbedingten Gründen erfolgt. Das Integrationsamt stimmt den meisten Kündigungen zu, da Menschen mit Behinderung aus personenbedingten Gründen genauso kündbar sind wie Menschen ohne Behinderung. Außerdem lehnen manche Arbeitgeber die Bewerbungen von Menschen mit Behinderung aus Unwissenheit und Unkenntnis grundsätzlich ab. Nicht zuletzt gibt es viele Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderung, weil keine persönlichen Kontakte bestehen.

Health Relations: Meist ist es so, dass eine Behinderung im Laufe eines Arbeitslebens entsteht. Viele Arbeitgeber wissen dann zunächst einmal nicht, was das für sie als Arbeitgeber bedeutet. Wohin können sie sich wenden, wenn sie dahingehend Beratung brauchen?

Dagmar Greskamp: Unter integrationsaemter.de finden Arbeitgeber die Kontaktdaten des örtlichen Integrationsfachdienstes. Auch die Agentur für Arbeit und die JobCenter haben spezielle Reha-Beratungsteams. Unter arbeitsagentur.de/unternehmen/finanzielle Hilfen und Unterstützung erhalten sie weitere Informationen. Und der Arbeitgeber-Service der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) berät Arbeitgeber bei der Einstellung von Akademikern mit Schwerbehinderung.

Health Relations: Warum sollten Arbeitgeber bei der Suche nach qualifiziertem Personal auch Menschen mit Behinderung im Blick haben?

Dagmar Greskamp: Menschen mit Behinderung sind oft gut ausgebildete FachkräfteMenschen mit Behinderung sind oft gut ausgebildete Fachkräfte; sie haben beispielsweise häufiger eine abgeschlossene Berufsausbildung als Menschen ohne Behinderung. Sie sind zuverlässige und loyale Mitarbeiter, mit denen Arbeitgeber dem Fachkräftemangel in ihrem Unternehmen begegnen können. Außerdem erhalten Arbeitgeber Beratung und Begleitung durch die örtlichen Integrationsfachdienste. Nicht zuletzt haben Arbeitgeber einen finanziellen Vorteil: Sie sparen die Ausgleichsabgabe und bekommen gleichzeitig finanzielle Förderung. Mit Rehadat-Elan können die Arbeitgeber ausrechnen, wie viel Ausgleichsabgabe sie sparen können.

Health Relations: Was bringt Inklusion für die Arbeitgeber? Wie können sie daraus Nutzen ziehen?

Dagmar Greskamp: Inklusion bringt Vielfalt in die Belegschaft. Und vielfältige Belegschaften arbeiten besser, das ist bereits wissenschaftlich erwiesen. Inklusion bringt Arbeitgebern motivierte Mitarbeiter mit Behinderung, aber auch die nichtbehinderten Mitarbeiter profitierenInklusion bringt Arbeitgebern motivierte Mitarbeiter mit Behinderung, aber auch die nichtbehinderten Mitarbeiter profitieren: Der Arbeitgeber zeigt mit der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung, dass Unterschiedlichkeit im Unternehmen gelebt wird. Der Unternehmer zeigt damit auch, dass Mitarbeiter, die erkranken oder eine Behinderung im Laufe ihres Arbeitslebens erwerben, damit rechnen können, für eine Weiterbeschäftigung unterstützt zu werden. Das erhöht die Motivation und Loyalität aller Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber und verbessert das Arbeitsklima.

Health Relations: Worauf sollten Arbeitgeber bei einer behindertengerechten Arbeitsgestaltung achten?

Dagmar Greskamp: Jeder Mensch mit Behinderung hat andere Bedürfnisse an die Anpassung seines Arbeitsplatzes. Manche brauchen keinerlei Veränderung, manche höhenverstellbare Tische oder spezielle Software. Auch hier helfen die technischen Berater der Integrationsämter. Generell ist bauliche Barrierefreiheit im Betrieb für alle Mitarbeiter von Vorteil, etwa beim Transport von Waren. Auch zur Gewinnung neuer Kundengruppen ist Barrierefreiheit von Vorteil. Ältere Menschen, Eltern mit Kindern, vorübergehend mobilitätseingeschränkte Menschen oder auch Reisende mit Gepäck profitieren von barrierefreien Zugängen. Barrierefreiheit ist für zehn Prozent der Bevölkerung zwingend notwendig, für 30 Prozent eine deutliche Erleichterung und für 100 Prozent bequem und komfortabel.

Spezialistin für Inklusion: Dagmar GreskampDagmar Greskamp arbeitet im Team Kampagnen und Information der Aktion Mensch und ist Ihre Ansprechpartnerin für Inklusion.

Titelbild: © Thile Schmülgen/Aktion Mensch
Infografik und Bild von Dagmar Greskamp: © Aktion Mensch

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Veröffentlicht von Miriam Mirza

Freie Journalistin im Gesundheit- und Medizinbereich. Für Health Relations berichtet sie über die Themen Pharma, Dental, Klinik und Recruiting.

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