Ärzte entlasten – durch Physician Assistants

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Ärzte müssen von Tätigkeiten entlastet werden, die nicht zu ihren Kernaufgaben gehören. Physician Assistants können im Delegationsverfahren in der Patientenversorgung eingesetzt werden – wie am Ortenau Klinikum in Achern.

Deutsche Krankenhäuser sind unterfinanziert und personell unterbesetzt. Gleichzeitig erfährt das Gesundheitswesen durch Faktoren wie die Digitalisierung, eine älter werdende Bevölkerung und unserer immer mobiler werdenden Lebenswelt eine starke Wandlung. Das schafft Raum für neue Berufe und Tätigkeitsfelder. Ein Beruf, der in den letzten Jahren neu entstanden ist, ist der der Physician Assistants (PA). Das Ortenau Klinikum in Achern hat PAs im Einsatz. Dr. med. Rüdiger Feik, Chefarzt der Medizinischen Klinik, erzählt im Interview, welche Vorteile die Anstellung von PAs der Klinik gebracht hat.

Health Relations: Sie haben Physician Assistants im Einsatz, wie kam es zu der Entscheidung, Personal mit diesem Beruf anzustellen?

Dr. med. Rüdiger Feik: Das Berufsbild ist mir aus den angelsächsischen Ländern bekannt. In Europa werden Physician Assistants vor allen Dingen in Holland und Großbritannien eingesetzt. Die Erfahrungen sind dort allesamt sehr gut. Vor der Frage, ob PAs in der Abteilung eingestellt werden können, hatten wir in Achern das Glück, gemeinsam mit der dualen Hochschule in Karlsruhe die ersten beiden Bachelor-Studentinnen im dualen System auszubilden. Wir konnten also während des dreijährigen Studiums genügend Erfahrung mit dem neuen Berufsbild erwerben. Die Entscheidung, PAs einzustellen, fiel danach leicht.

Health Relations: Welche Aufgaben übernimmt der PA?

Dr. med. Rüdiger Feik: Der PA arbeitet im Delegationsverfahren. Dies bedeutet, dass ihm bestimmte Aufgaben von einem im gleichen Arbeitsbereich tätigen, approbierten Arzt zugewiesen werden. Dem Physician Assistant werden bestimmte Aufgaben von einem im gleichen Arbeitsbereich tätigen, approbierten Arzt zugewiesen.Es ist leichter darzustellen, welche Aufgaben ein PA nicht übernehmen kann, als umgekehrt. Zu den nicht delegierbaren Aufgaben gehören z. B. Verfahren, die dem Strahlenschutz unterstehen, also auch die Anordnung von Röntgenaufnahmen, das Anhängen von Blut und Blutprodukten oder Leichenschauen. Die meisten invasiven Untersuchungsverfahren gehören ebenfalls zur Kernkompetenz des approbierten Arztes.

Health Relations: Wie sieht es mit der rechtlichen Verantwortung aus? Was kann der PA an dieser Stelle übernehmen, was nicht?

Dr. med. Rüdiger Feik: Die PAs sind Akademiker mit dem Abschluss „Bachelor of Science“, die allesamt vor dem Studium in einem medizinischen Beruf  ausgebildet wurden. PAs sind Akademiker mit dem Abschluss „Bachelor of Science“, die allesamt vor dem Studium in einem medizinischen Beruf  ausgebildet wurden.Ihre medizinische Kompetenz ist daher sehr hoch. Sämtliche delegierten Leistungen sind abgedeckt. Bei bestimmten diagnostischen Verfahren ist eine unmittelbare Supervision zu gewährleisten. Die auf dem Ärztetag 2017 von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Bundesärztekammer verabschiedeten Richtlinien tragen im Übrigen zur Rechtssicherheit bei und haben das Berufsbild der PAs gestärkt.

Health Relations: Welche Vorteile hat der Einsatz von PAs für Sie als Arbeitgeber und welche für die Mitarbeiter?

Dr. med. Rüdiger Feik: Die Arbeit in den Krankenhäusern hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter differenziert und verdichtet. Dabei ist die Zeit, die die Kollegen direkt am Patienten verbringen können, immer kürzer geworden. Durch die Einführung einer zusätzlichen Hierarchieebene, die dem medizinischen Bereich unmittelbar zugeordnet ist, kann es gelingen, diese sehr unterschiedlichen Arbeiten besser zu verteilen. Die verbesserten Arbeitsstrukturen führen zu einer höheren Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit, was letztlich ein großer Vorteil auch für den Arbeitgeber ist.

Health Relations: Wie reagieren die Mitarbeiter auf die neuen Kollegen?

Dr. med. Rüdiger Feik: Die Akzeptanz für die PAs ist durch alle Berufsgruppen hinweg in der Medizinischen Klinik des Ortenau Klinikums Achern sehr groß.

Health Relations: Welche Hindernisse galt es zu überwinden, um den neuen Beruf zu etablieren?

Dr. med. Rüdiger Feik: Ursprünglich waren die Sorgen und Ängste sowohl bei den ärztlichen Kollegen als auch in der Pflege hoch. Von Anfang an haben wir die Einführung des neuen Berufsbildes durch intensive Gespräche mit allen unmittelbar betroffenen Berufsgruppen – begleitet durch den Personalrat – unterstützt. Von Vorteil war es, dass die Einführung des Berufsbildes nicht in Form der Anstellung eines fertig ausgebildeten PAs erfolgte, sondern wir zwei junge Kolleginnen gemeinsam mit der Hochschule ausgebildet haben.

Health Relations: Ist die Integration gelungen?

Dr. med. Rüdiger Feik: Während des dreijährigen Studiums konnten alle Beteiligten in die neuen Arbeitsstrukturen hineinwachsen. So konnte es ausgesprochen gut gelingen, das neue Berufsbild in die Medizinische Klinik zu integrieren. Die PAs will heute niemand mehr missen.

Health Relations: Gibt es schon Nachahmer an anderen Kliniken?

Dr. med. Rüdiger Feik: Deutschlandweit werden etwa 300 PAs in unterschiedlichen Kliniken beschäftigt. Die Nachfrage nach Physician Assistants ist sehr hoch. Ausgeschriebene Stellen sind kaum zu besetzen.

Dr. Rüdiger Feik beschäftigt Physician AssistantsDr. Rüdiger Feik ist seit 2004 Chefarzt am Ortenau Klinikum in Achern. Als Facharzt für Innere Medizin betreut er die Gastroenterologie und Angiologie, ist Spezialist für internistische Intensivmedizin
und Arzt für Qualitätsmanagement.

Alle Bilder: © ORTENAU KLINIKUM

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