Recruiting mit Lizenz: Das kann die DIN 33430

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Die DIN 33430 hilft bei der Personalauswahl

Die DIN 33430 beschreibt „Anforderungen an berufsbezogene Eignungsdiagnostik“ und hilft Ihnen bei der Beurteilung der Eignung eines Mitarbeiters. Wir sprachen mit den Initiatoren, dem Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, über Hintergrund und Vorteile der DIN-Norm.

Die Anforderungen an qualifizierte Mitarbeiter sind in den letzten Jahren gestiegen. Da reicht es oft nicht mehr aus, ein einfaches Vorstellungsgespräch zu führen, um mehr über die Kompetenzen und Potenziale Ihrer potenziellen Mitarbeiter herauszufinden. Hier kommt die DIN 33430 zum Einsatz, die eine Personalentscheidung strukturieren hilft.

Die DIN 33430 beschreibt Anforderungen an berufsbezogene Eignungsdiagnostik. Fredi Lang, Diplom-Psychologe, MPH und Referatsleiter Fach- und Bildungspolitik von der Bundesgeschäftsstelle des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V., erklärt im Interview, wie die DIN dabei hilft, eine qualitätsgesicherte Eignungsdiagnostik aufzubauen und warum es sich für Sie lohnt, Mitarbeiter mit einer Lizenz für die DIN 33430 anzustellen.

Die DIN 33430 hilft bei der Beurteilung geeigneter Jobkandidaten

Health Relations: Was verbirgt sich hinter der DIN 33430?

Fredi Lang: Auf dem Weltmarkt bestehen kann nur, wer die richtigen Mitarbeiter findet und einstellt – solche, die den heutigen Anforderungen genügen und das Potential haben, sich auf komplexe Aufgaben von morgen und übermorgen einzustellen. Die deutsche Industrienorm 33430 zur berufsbezogenen Eignungsdiagnostik ist ein praxisorientierter Prozessstandard, in dem die Qualitätskriterien für die Auswahl, Planung, Durchführung und Auswertung von berufsbezogenen Eignungsbeurteilungen formuliert sind.

Health Relations: Wozu dient sie?

Fredi Lang: Die Norm 33430 dient dazu, durch einen anforderungsgerechten und hochwertigen Auswahlprozess eine hohe Passung zwischen den Kompetenzen und den Anforderungen zu erreichen. Sie dient zugleich der Effektivität und Performance im Unternehmen und der Vermeidung von Überforderung oder Unterforderung und damit einhergehenden Konsequenzen wie Fluktuation, Burn-out etc.

Health Relations: Warum haben Sie sich als Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen für die Einführung der Norm eingesetzt? Und welchen Beitrag haben Sie als Verband dazu geleistet?

Fredi Lang: Der BDP hat die Norm Mitte der 90er Jahre initiiert und ihre Einführung nach der Verabschiedung mit Öffentlichkeitsmaßnahmen unterstützt. Wir wollen als Verband einen Beitrag zur Qualität der berufsbezogenen Eignungsdiagnostik leisten und damit Unternehmen und Beschäftigten das Know-how der Psychologie zur Verfügung stellen.

Gute berufliche Eignungsdiagnostik verringert Fluktuation und Krankenstand und erhöht die Effektivität des Unternehmens

Health Relations: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Anforderungen an die berufliche Eignungsdiagnostik?

Fredi Lang: Gute berufliche Eignungsdiagnostik ist anforderungsbezogen und arbeitet mit wissenschaftlich fundierten Vorgehensweisen. Sie zielt auf eine hohe Passung zwischen den Anforderungen der Arbeit von heute und morgen und den Kompetenzen und Potenzialen des Bewerbers ab. Sie beschränkt sich auf die Erfassung der relevanten Anforderungen und ist somit sowohl ökonomisch als auch fair bei der Unterscheidung zwischen den Potenzialen verschiedener Bewerber. Sie verringert Fluktuation und Krankenstand und erhöht die Effektivität des Unternehmens.

Health Relations: Welche Voraussetzungen gibt es für den Erwerb der Lizenz?

Fredi Lang: Für das Erhalten einer Lizenz nach DIN 33430 für die berufsbezogene Eignungsbeurteilung ist das Bestehen einer schriftlichen Prüfung erforderlich, die von der Föderation der Deutschen Psychologenvereinigungen verantwortet wird. Die Voraussetzung zur Anmeldung für diese Prüfung ist der Nachweis von Berufspraxis in der berufsbezogenen Eignungsbeurteilung.

Health Relations: Welche Vorteile haben Unternehmen, wenn sie Mitarbeiter mit einer Lizenz für die Norm anstellen?

Die Anwendung der DIN gewährleistet einen fairen Auswahlprozess und bietet damit auch RechtssicherheitFredi Lang: Unternehmen, bei denen Mitarbeiter mit einer DIN-Lizenz die Eignungsbeurteilung durchführen, haben eine hohe Sicherheit im Hinblick auf die gute Qualität der Personalauswahl und damit auch der Mitarbeiter. Hinzu kommt, dass die Anwendung der DIN einen fairen Auswahlprozess gewährleistet und somit eine hohe Rechtssicherheit im Falle von Konkurrentenklagen und anderen Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Antidiskriminierungsgesetz besteht.

Health Relations: Welche Vorteile haben Personen, die eine solche Lizenz haben, wenn sie sich in einem Unternehmen bewerben?

Fredi Lang: Inhaber einer Lizenz nach DIN 33430 haben mit dem damit verbundenen Nachweis entsprechender Kompetenzen einen Vorteil gegenüber anderen Bewerbern und werden insbesondere im öffentlichen Dienst und in großen Unternehmen, die auf Rechtssicherheit und Effektivität größeren Wert legen, potenziell bevorzugt eingestellt. Sie haben darüber hinaus erweiterte Möglichkeiten, im Rahmen größerer Auswahlprozesse als Honorarkraft engagiert zu werden.

Health Relations: Wird die Lizenz inzwischen auch von Unternehmen gefordert?

Fredi Lang: Bei Ausschreibungen für Personaldienstleister ist die Anwendung der DIN immer häufiger im Ausschreibungstext enthalten. Bei der Besetzung von Stellen in der Personalabteilung wird zwar zunehmend häufiger auf die DIN Bezug genommen, als feste Anforderung in Ausschreibungstexten hat sie sich noch nicht etabliert.

Bild im Beitrag: © iStock.com/vgajic
Titelbild: © iStock.com/Rawpixel

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