VSOU-Kongress 2016: Politisch wie nie – mit einem Hauch Champions League

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(c) Haumann-Frietsch

Der Ton auf dem Kongress der VSOU in Baden-Baden war rauer als sonst. Der Grund: die Sorge um das schmilzende Honorar besonders im GKV-Bereich.

Selten war ein Kongress von Orthopäden und Unfallchirurgen so politisch wie die traditionell heimelig-familiäre Frühjahrstagung der Vereinigung Süddeutscher Orthopäden und Unfallchirurgen (VSOU) Ende April. Zwar ringt das verhältnismäßig frisch zusammengefügte Doppelfach noch immer um eine einigende Identität, doch im gemeinsamen Gegner findet es sich immer leichter zum Schulterschluss.

Darüber diskutierten die Ärzte in Baden-Baden

Ist die Herausnahme der Arthroskopie bei Gonarthrose aus dem GKV-Katalog noch korrigierbar oder bereits irreversibel? Ist die vorerst „abgesagte“ GOÄ-Reform nun das Ende der Hoffnung oder irgendwie doch eine Chance? Fragen, über die man im Badischen trefflich diskutierte.

  • Gestrichen: Arthroskopie bei Gonarthrose: Frischester Weckruf für die Knochen-, Muskel- und Gelenkexperten war die Streichung arthroskopischer Gelenkeingriffe bei Gonarthrose-Diagnose. Der Eingriff helfe nicht wirklich, sondern bewirke im positivsten Fall höchstens einen OP-Aufschub, so die Argumente der Kostenträger, denen der Gemeinsame Bundes-Ausschuss folgte. „Eine einsame Entscheidung“, wetterte der für die orthopädischen Themen zuständige VSOU-Kongresspräsidenten Prof. Joachim Grifka. Das Protestschreiben des Fachs an den G-BA blieb fruchtlos. Für Grifka ist dies nicht nur eine „unglaubliche Negativentwicklung“, sondern auch der unaufhaltsame Weg zu flächendeckend frühzeitigen Knie-Prothesen.
  • GOÄ-Reform Zweifel an der „Chefsache“: „Unter Wert“ verkauften sich nicht nur die Orthopäden und Unfallchirurgen, sondern alle Ärzte im Kampf um eine bessere GOÄ, arbeitete eine Diskussionsrunde auf diesem Kongress heraus. Kurz zuvor war die aktuelle GOÄ-Reform (vorerst) gescheitert und anschließend durch den Bundesärztekammer-Präsidenten zur „Chefsache“ erklärt worden. „Ob das jemand kann, der nie auch nur eine Leistung abgerechnet hat?“, lautete einer der zahlreichen skeptischen ärztlichen Zwischenrufe in der Kongress-Diskussion um künftige Honorarsätze. Dr. Theodor Windhorst, als Verhandlungsführer und Chef des GOÄ-Ausschusses gerade erst und überraschend zurückgetreten, nannte als einen Grund für das schwierige Verhandlungsmandat die mangelnde Solidarität der Ärzte und der Fächer untereinander – er nannte das allerdings freundlich „eine instabile Persönlichkeitsstruktur der Ärzte“. Honorare in angemessener Höhe seien, so das einhellig Fazit der lebhaften Diskussion, auf Dauer ohne Zusatzversicherungen für die Patienten kaum zu realisieren.

Müller-Wohlfahrt vor Rückkehr an die Säbener Straße?

Ein wenig „Champions League-Atmosphäre“ hauchte Deutschlands wohl populärster Sport-Orthopäde dem beschaulichen Baden-Badener Fachärzte-Kongress ein. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und zwei seiner Münchener Praxiskollegen referierten über die Klassifikation von Muskelverletzungen im Spitzensport und deren Therapie. „MW“ stellte die Ergebnisse einer von ihm initiierten Münchener Konsensuskonferenz vor, in der im Wesentlichen in funktionelle und strukturelle Muskelverletzungen unterteilt wird. Dass „leichtere“ funktionelle Verletzungen bei frühzeitigem Einschreiten der medizinischen Abteilung langfristige und damit für den Verein sehr teure Ausfälle der Spitzenathleten verhindern können, ist ein Credo der Philosophie Müller-Wohlfahrts. Mit leichtem Schmunzeln konstatierte „Mull“, dass der scheidende Coach des FC Bayern, Pep Guardiola,  diesem Credo bekanntermaßen nicht folgen wollte. Der aufmunternde Applaus der Kollegen für den meinungsstabilen ehemaligen Teamarzt des FC Bayern verstärkte das Lächeln im Gesicht Müller-Wohlfahrts. Gerade so, als ob er schon wüsste, welche Rolle er ab Sommer wieder einnehmen wird.

Chefredakteur beim Deutschen Ärzteverlag

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