„Unsere Pfleger können auch mit Designern mithalten“

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Der Pflegeberuf konkurriert mit Jobs wie Mechatroniker oder Designer. Die Barmherzigen Brüder reagieren mit einer einzigartigen Employer Branding Kampagne.

Sicherheit, Abwechslung, Anerkennung, Flexibilität und Kollegialität – welcher Beruf kann in diesen wichtigen Bereichen punkten? Die Krankenhäuser und Berufsfachschulen der Barmherzigen Brüder in Bayern sind davon überzeugt: der Pflegeberuf. Er ist genau so cool wie der des Designers. Mit ihrer neuen Kampagne für Pflegeschüler sind die Barmherzigen Brüder in die Offensive gegangen, um den Wettbewerb um die Berufseinsteiger der Zukunft zu beleben. Wir sprachen mit Dr. Jörg Kunz, Leiter Marketing und Öffentlichkeitsarbeit am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, über die Hintergründe von www.gute-pflege-macht-schule.de.

Health Relations: Der Fachkräftemangel in der Gesundheits- und Krankenpflege stellt Krankenhäuser vor Herausforderungen. Mit Ihrer crossmedialen Employer Branding Kampagne sprechen Sie die neue Generation der Pflegeschüler an. Was ist das Besondere an der Kampagne?

Dr. Jörg Kunz, Leiter Marketing und Öffentlichkeitsarbeit am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, launchte die Pflegeschul-Kampagne www.gute-pflege-macht-schule.de

Jörg Kunz: Allein der Blick auf die Bevölkerungspyramide zeigt, dass sich der Wettstreit um das Interesse von Berufseinsteigern verschärfen wird. Krankenhäuser dabei mit anderen Arbeitgebern, die Ausbildungen für Mechatroniker oder Grafikdesigner anbieten. Die Intention unserer Kommunikationskampagne bei den Barmherzigen Brüdern war es deshalb, den Krankenpflegeberuf in Look und Tonalität direkt aus der Perspektive der 15 bis 17 Jährigen darzustellen. Was bewegt und motiviert Teenager, wenn sie darüber nachdenken, einen Beruf zu wählen? Man sagt der Generation Z nach, dass sie nach außen etwas darstellen will, Karriere machen möchte. Gleichzeitig sind sie die Nachfolger der Generation Y, wo es noch sehr viel mehr um Sinnhaftigkeit im Leben ging. Wir meinen es ist eine Mischung aus beidem. Dazu gibt es zahlreiche Erhebungen, die wir unseren Botschaften zugrunde gelegt haben.

Der Job muss Freude machen. Das Gesamtpaket eines Berufs ist wichtig: Arbeitsalltag, Arbeitszeit, Verdienst. Für Helmut Mayer, Gesundheits- und Krankenpfleger auf der konservativen Wachstation im Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, geht die Rechnung auf.

Health Relations: Wie ließen sich die Botschaften zusammenfassen?

Jörg Kunz: Am Ende haben sich für die Kommunikation unserer Pflegeausbildung fünf zielgruppenrelevante Kernthemen herauskristallisiert: „Zukunftssicherer Job“, „Stolz auf den Arbeitgeber und die eigene Ausbildung“, „Action“, „Flexibilität in allen Lebenslagen“ sowie „Teamgeist und Ersatzfamilie“. Bei all diesen Aspekten hat die Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung im Allgemeinen aber eben auch speziell bei den Barmherzigen Brüdern sehr viel zu bieten.

Health Relations: Haben Sie auch Ihre Auszubildenden selbst an der Kampagnenentwicklung beteiligt?

Jörg Kunz: Alle Motive wurden authentisch mit Schülern aus den eigenen Reihen aufgebaut. Insbesondere der Messestand im neuen Look & Feel wurde bei unseren Auszubildenden mit großer Begeisterung aufgenommen, da er in seiner Professionalität den Wettbewerbern aus Gewerbe und Industrie in nichts nachsteht. Es ist einfach ein Stück mehr an Stolz, mit dem die Schüler uns nun bei den Jobbörsen mit vertreten. Beim Webportal, das ja ein dynamisches Format darstellt, ist uns wichtig, nicht nur formale, direkt auf den Pflegeberuf und uns selbst bezogene Informationen zu bieten, sondern zum Beispiel auch allgemeine Tipps und Hinweise in Sachen Bewerbung. Und Spaß soll es natürlich machen, sich auf der Webseite zu bewegen.

 

Health Relations: Welche Kanäle nutzt die Kampagne?

 Jörg Kunz: Unsere Kampagne mit den fünf Themenmotiven haben wir cross-medial über die verschiedensten Kanäle und auch über einen größeren Zeitraum gespielt. Sei es analog mit Anzeigen, Gebäude- und Straßenplakaten, Postkarten, Give-Aways, Flyern und Jobmessen oder eben digital mit einem eigenen Webportal (www.gute-pflege-macht-schule.de). Perspektivisch wird außerdem über einen eigenen Facebook-Account nachgedacht, denn der bietet zusätzlich die Möglichkeit, Auszubildende verantwortlich aktiv in die Kommunikation einzubauen. Außerdem entstehen dort natürlich virale Effekte mit breiter Sichtbarkeit, über die wir wiederum Interesse und letztendlich kritische Auseinandersetzung mit dem Thema generieren wollen.

Health Relations: Wie lautete das Feedback?

Ein Renner auf Azubimessen: Die Pillendose "PFLEGEtonsin" mit Traubenzucker und eine "Medikamenten"-Schachtel "BarnHERZikum" mit Kaubonbons.
Ein Renner auf Azubimessen: Die Pillendose „PFLEGEtonsin“ mit Traubenzucker und eine „Medikamenten“-Schachtel „BarmHERZikum“ mit Kaubonbons.

Jörg Kunz: Unsere Kampagne hat die allgemeine Aufmerksamkeit bezüglich des Themas erhöht. Das war uns wichtig. Und der Effekt eines gehobenen Selbstwertgefühls seitens unserer Schüler im Umgang mit Ihrer Ausbildung und ihrem Beruf – der eben viel mehr ist, als nur ein Job. Auch wenn Ausbildung und Alltag im Krankenhaus fordernd sind, schätzen unsere Schüler die Arbeit mit den Patienten und das, was sie jeden Tag dazulernen können. Man erfährt sehr viel Wertschätzung seitens der Patienten und die Unmittelbarkeit von menschlicher Hilfe und Fürsorge sind für viele unsere Mitarbeiter und Schüler zutiefst befriedigend. Man erfährt sehr viel Wertschätzung seitens der Patienten und die Unmittelbarkeit von menschlicher Hilfe und Fürsorge sind für viele unsere Mitarbeiter und Schüler zutiefst befriedigend. Das ist das große Plus eines sozialen Berufes. Generell gehört die Krankenschwester bzw. der Krankenpfleger stets zu den Top-3, wenn es in Umfragen um gesellschaftliche Anerkennung geht. Außerdem konnten wir bisher immer einen Großteil unserer Absolventen übernehmen. Diese Sicherheit trägt natürlich zusätzlich zur Motivation und Zufriedenheit unserer Auszubildenden bei.

Health Relations: Was ist der USP an Ihrer Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger?

Jörg Kunz: Der Orden der Barmherzigen Brüder ist ein klassischer Pflegeorden. Deshalb wird der Pflege, der zugehörigen Ausbildung und auch der Fortbildung ein entsprechend hoher Stellenwert eingeräumt. Für uns ist es von großer Bedeutung, die Entwicklungen der Pflegewissenschaft und die Fortschritte der Technik in die tägliche Arbeit zu integrieren. Bei all unserem Streben bleibt jedoch unsere wichtigste Aufgabe den Menschen selbst zu sehen und unser Handeln in diesem Bewusstsein zu reflektieren. Das gilt natürlich von Anfang an, beginnt also schon mit der Ausbildung.

Health Relations:  Vielen Dank für das Gespräch.

Über die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger bei den Barmherzigen Brüdern in Bayern:
Die Barmherzigen Brüder in Bayern betreiben in Bayern einen Krankenhausverbund mit sechs Krankenhäusern (www.bb-krankenhausverbund.de) Hier werden die Ausbildungen in der Gesundheits- und Krankenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, der Pflegehilfe sowie zum Operationstechnische Assistenten (OTA) angeboten. Außerdem in es möglich, bei entsprechenden Voraussetzungen ausbildungsintegriert ein akademisches Pflegestudium zu absolvieren. In der Pflege wird darüber hinaus seit Jahren eine so genannte generalistische Pflegeausbildung angeboten, welche die Erwachsenen-, Kinder-, und Altenpflege integriert vermittelt. Die Ausbildungen in der Gesundheits- und Krankenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie der Generalistischen Ausbildung dauern drei Jahre und werden mit einem staatlichen Examen abgeschlossen. Selbstverständlich bestimmt ein großer praktischer Anteil die Ausbildung, der in den Verbundkrankenhäusern der Barmherzigen Brüder, aber auch bei externen Partnern stattfindet.

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