Andrea Passalacqua, VP Alexion: „Ich glaube fest an Kooperation“

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Andrea Passalacqua, Alexion
Andrea Passalacqua ist neuer Vice President von Alexion Deutschland. © Alexion, Hintergrund: bearbeitet mit KI (Canva)
Seit Anfang 2024 ist Andrea Passalacqua Vice President und General Manager bei Alexion Pharma in Deutschland. Seine Vision: Das Leben von Menschen mit seltenen Erkrankungen durch die Entwicklung und Bereitstellung von Medikamenten und unterstützende Technologien zu verbessern.

Andrea Passalacqua ist Läufer. Er hat Ausdauer und das nicht nur in sportlicher Hinsicht: Auch während seiner beruflichen Karriere hat ihm sein Durchhaltevermögen immer wieder geholfen. Um eine bessere Gesundheitsversorgung für alle voranzutreiben, will er Betroffene und ihre Angehörigen einladen, sich mit Menschen aus seinem Unternehmen an einen Tisch zu setzen, um voneinander zu lernen. „Wir lernen auch von ihnen, denn sie sind Experten ihrer Erkrankung“, sagt er. Darüber hinaus will er weiter dafür sorgen, den Zugang zu Arzneimitteln sicherzustellen, sowie das Unternehmen auf Nachhaltigkeit und ethische Grundwerte ausrichten. Damit zeigen sich auch bei Alexion die Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen im Gesundheitssystem, das immer mehr die Patient:innen in den Fokus rückt und gleichzeitig Pharmafirmen in die Verantwortung nimmt.

Große Aufgaben zu übernehmen, hat der gebürtige Italiener in seiner Karriere, die durch zahlreiche Führungsrollen in global agierenden Unternehmen geprägt ist, nie gescheut. Seine Ausbildung beginnt er mit einem Studium der Telekommunikationsingenieurwissenschaften an der Universität Rom La Sapienza, flankiert durch MBA-Programme an der IESE Business School in Barcelona und der CEIBS Business School in Shanghai.

Ein Römer mit internationaler Erfahrung

Nach seiner akademischen Ausbildung begann er seine berufliche Laufbahn 2002 bei McKinsey & Company als Business Analyst. 2004 wechselte er in die Biotechnologiebranche zu Amgen, wo er sich auf Pricing und Market Access spezialisierte. Vier Jahre später startete er bei Celgene und übernahm verschiedene leitende Positionen in Europa, unter anderem in den Bereichen Market Access, Marketing und als Business Unit Direktor. Dabei verantwortete er die erfolgreiche Einführung neuer Produkte sowie die Entwicklung von verschiedenen Marktstrategien.

Unsere 6 Entscheidungsfragen
  • Unterwegs: Zug oder Auto? Ich fahre lieber mit dem Zug.
  • Urlaub: Berge oder Meer? Als Römer liebe ich das Meer.
  • Apotheke: Vor Ort oder online? Vor Ort – da kann ich mit den Menschen ins Gespräch kommen.
  • Getränk: Kaffee oder Tee? Unbedingt Kaffee – eigentlich Espresso.
  • Sport: Ausdauer oder Krafttraining? Ich liebe Ausdauersport.
  • Essen: Rosinen oder Trauben? Trauben, am liebsten gleich das Produkt daraus: Vino.

Nach weiteren Stationen bei Bluebird Bio in Italien und Oncopeptides folgte das Angebot, zu Alexion Pharmaceuticals zu wechseln. In seiner aktuellen Position als VP und General Manager bei Alexion Pharma Germany verantwortet er die Markteinführung von Medikamenten zur Behandlung von Menschen mit seltenen Krankheiten. Er sieht in dem Anschluss von Alexion an AstraZeneca eine große Chance, die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit seltenen Erkrankungen global auszuweiten und dabei die Synergieeffekte zu nutzen.

Es braucht bessere Datenqualität

Besonders im Bereich der Erforschung und Behandlung von seltenen Erkrankungen ist eine enge Zusammenarbeit entscheidend, so sein Standpunkt. Ein weiterer wichtiger Schlüssel liegt im Einsatz von KI. „In der Forschung und Entwicklung hilft uns KI, die Biologie von Erkrankungen besser zu verstehen und beeinflusst die Art, wie wir Diagnosen stellen und neue Arzneimittel entwickeln.“ Um die Arzneimittelentwicklung weiter voranzutreiben, kooperiert Alexion beispielsweise mit der amerikanischen Firma Verge Genomics. Das Unternehmen betreibt eine All-in-Human-KI-gestützte Arzneimittelforschungsplattform.

Um KI wirklich effektiv nutzen zu können, muss seiner Meinung nach jedoch zunächst die Qualität der Daten verbessert werden. „Ich habe in vielen Ländern gearbeitet und es gibt nur sehr wenige, in denen das möglich ist.“ Als positives Beispiel nennt er die USA, wo die Daten in strukturierter Form in den Electronic Health Records vorliegen. In Deutschland sind die verfügbaren Gesundheitsinformationen noch zu stark fragmentiert. Seine Hoffnung liegt auf der elektronischen Patientenakte. Einmal eingeführt, könnte sie dafür sorgen, dass endlich strukturierte Daten vorliegen, mit denen auch die Pharmaforschung arbeiten kann.

Kooperation als Erfolgsfaktor

Einen weiteren Trend, den der Manager beobachtet und mit Interesse verfolgt, ist die verstärkte Kooperation zwischen den Stakeholdern im Gesundheitswesen allgemein, aber auch zwischen Pharmafirmen. „Ich glaube nicht an diese ‚Jeder-gegen-jeden‘-Mentalität. Wir müssen alle zusammenarbeiten, um ein funktionierendes und nachhaltiges System zu schaffen.“ Das gilt insbesondere bei der Bekämpfung von seltenen Erkrankungen. Alexion hat deshalb die Initiative change4RARE (change4RARE.com) gestartet. Darüber hinaus ist Alexion Mitglied der ATSE (Arbeitsgemeinschaft Therapie Seltene Erkrankungen).

Nachhaltigkeit als fester Bestandteil des Gesundheitssystems

In einer immer komplexer werdenden Welt werden auch die Anforderungen an die Pharmafirmen komplexer. „Wir sind ein Teil des Gesundheitssystems. Dazu gehört auch, nachhaltig zu arbeiten und soziale Verantwortung zu übernehmen. Das ist Teil unserer Agenda, die auch unsere Mitarbeitenden mitgeprägt haben.“ Bei seiner Arbeit beschäftigt er sich nahezu täglich mit solchen Themen. Doch er hat auch sein eigenes Verhalten geändert: Zur Arbeit fährt er mit dem Zug und verzichtet auf Flüge.

Das allein wird jedoch nicht ausreichen. Darum plant die Firma ein Innovation-Hub, das nach neuen Wegen sucht, Diagnose und Therapie langfristig nachhaltiger, schneller und gerechter zu machen. Ein langer und beschwerlicher Weg, meint er.

Andrea Passalacqua arbeitet aus Überzeugung in der Pharmaindustrie. Denn er möchte etwas bewirken und das Leben von Menschen mit seltenen Erkrankungen verbessern. Das habe ihn immer motiviert, auch wenn es mal schwierig wurde, dann galt es durchzuhalten. Mit Rückschlägen kennt er sich aus: „Wenn man ein neues Medikament entwickelt, gibt es keine Garantie auf Erfolg – im Gegenteil, die Chance zu scheitern ist um ein Vielfaches höher. Ich habe das im Laufe meiner Karriere mehrmals erlebt.“  Er musste Kolleginnen und Kollegen entlassen und selbst wieder ganz von vorne anfangen. Dazu braucht man Ausdauer – und der Läufer weiß das: Um ans Ziel zu kommen, muss man durchhalten, auch wenn alles weh tut und man eigentlich nur noch aufgeben will.


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