Das Who’s Who der Healthcare-Branche: Dr. Birthe Friess

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Birthe Friess von Medizin & Markt für das Who's Who der Healthcare-Branche

Die Macher und ihre Ideen: In unserer Serie „Das Who’s Who der Healthcare-Branche“ stellen wir Ihnen die Menschen vor, die das System bewegen.

Lernen Sie die relevanten und spannenden Köpfe in der Healthcare-Branche kennen – in unserer „Who’s Who“-Serie. In dieser Folge: Dr. Birthe Friess, geschäftsführende Gesellschafterin Medizin & Markt GmbH.


Name: Dr. Birthe Friess
Alter: 45 Jahre alt
Position: Geschäftsführende Gesellschafterin Medizin & Markt GmbH

Health Relations: Was sind die wesentlichen Stationen in Ihrer Karriere?

Dr. Birthe Friess: Nach meinem Pharmaziestudium und der Tätigkeit als Klinikapothekerin in England war ich in der Grundlagenforschung an der LMU München auf dem Gebiet Immunologie / Genetik tätig. Bereits in dieser Zeit während meiner Promotion bin ich als Freelancer in das Agenturleben eingestiegen. Es folgte eine Kommunikationsausbildung; die Agenturtätigkeit habe ich später in Festanstellung von der Pike auf gelernt und alle Stationen durchlaufen – bis hin zur Ernennung als Geschäftsführerin von Medizin & Markt.

Health Relations: Was war Ihre größte berufliche Herausforderung?

Dr. Birthe Friess: Die Steuerung und Gestaltung des enormen Firmenwachstums, die Diversifizierung in unterschiedliche Schwerpunktbereiche und die Zusammenführung als medictum-Gruppe an einem Standort in München.
Die letzte große Herausforderung war in diesem Zusammenhang der Aufbau der Digitalsparte, der sehr erfolgreich verlaufen ist.

Als größte Herausforderung ist sicherlich Social Media zu betrachten, ein rasant wichtiger werdendes Phänomen, auf das sich die Healthcare-Branche noch nicht ausreichend eingestellt hat.

Health Relations: Was haben Sie aus dieser Erfahrung gelernt?

Dr. Birthe Friess: Wir bewegen uns in einem Umfeld, das durch Persönlichkeiten mit Innovationsdenken auf der einen Seite und Beratungserfahrung auf der anderen Seite getrieben wird. Ich habe erfahren, dass das Finden und die Selektion der passenden Menschen für den entsprechenden Job sowie das Gestalten der Arbeitsbereiche im Einklang mit den verfügbaren Persönlichkeiten die größte Herausforderung ist.

Health Relations: Die Healthcare-Branche in Deutschland im internationalen Wettbewerb: Was ist Top, was Flop?

Dr. Birthe Friess: Die eigentliche Steuerung der großen Unternehmen, für die wir tätig sind, erfolgt – auch für nationale Belange – im Regelfall im Ausland, meist in den USA. Top ist hier sicherlich oft die innovative Herangehensweise bei globalen Kampagnen. Allerdings wird dabei den nationalen Gegebenheiten und Spezifika häufig zu wenig Rechnung getragen. So gesehen wird Top schnell zum Flop, wenn der Abgleich mit der Realität stattfindet.

Bei internationalen Präsentationen ist immer wieder rasch erkennbar, dass sich die deutsche Healthcare-Branche nicht zu verstecken braucht. Man macht zwar oft nicht so viel Wind, aber meist sind die vorgeschlagenen Strategien gut durchdacht und mit den nationalen Gegebenheiten auch gut in Einklang zu bringen.
Pharmazeutische Unternehmen müssen sich viel mehr als bisher als Dienstleister verstehen – über die Bereitstellung von Medikamenten hinaus. Das gilt insbesondere für die Kommunikation mit den Fachgruppen als auch für die mit Patienten bzw. Endverbrauchern.

Health Relations: Was ist in Ihren Augen die größte Herausforderung für Ihre Branche im Zuge des digitalen Wandels?

Dr. Birthe Friess: Als größte Herausforderung ist sicherlich Social Media zu betrachten, ein rasant wichtiger werdendes Phänomen, auf das sich die Healthcare-Branche noch nicht ausreichend eingestellt hat. Die Erwartungshaltung der Zielgruppen an die Kommunikation hat sich verändert, der Dialog steht im Vordergrund, jeder Mitarbeiter kann zum Kommunikator werden. Die Branche hat aus der Vergangenheit eine große Sehnsucht nach Kontrolle und vollständiger Steuerung, aber das ist in den sozialen Medien in klassischer Weise nicht realisierbar. Das hat – vor allem wegen der Verpflichtung zur Pharmakovigilanz – teilweise eine Schockstarre ausgelöst, die es unbedingt aufzulösen gilt. Sonst übernehmen andere die Kommunikation, was nicht im Sinne der beteiligten Unternehmen sein kann. Hier sind ganz eindeutig angepasste Rahmenbedingungen, neue Konzepte und wesentlich mehr Mut gefragt, denn die Kommunikation erfolgt auf einem so wichtigen Sektor wie Gesundheit in jedem Fall; die Frage ist nur, wer sie in Zukunft steuert.

Health Relations: Ihre Empfehlung: Mit welchen Maßnahmen kann sich der Markt für die Zukunft rüsten?

Dr. Birthe Friess: Pharmazeutische Unternehmen müssen sich viel mehr als bisher als Dienstleister verstehen – über die Bereitstellung von Medikamenten hinaus. Das gilt insbesondere für die Kommunikation mit den Fachgruppen, aber auch für die mit Patienten bzw. Endverbrauchern. Nur wer sich an wirklich innovative Konzepte heranwagt, wird für die Zukunft gut vorbereitet sein. Das trifft vor allem für die eng aufeinander abgestimmte Nutzung der verschiedenen Kanäle zu, aber auch für den sicheren und selbstbewussten Auftritt in der Welt der sozialen Medien. Hier findet die pharmazeutische Industrie heute nur sehr wenig statt. Das Ganze muss sich natürlich auch in den dafür notwendigen personellen Ressourcen intern und/oder extern abbilden.

Health Relations: Was steht ganz oben auf Ihrem beruflichen Wunschzettel?

Dr. Birthe Friess: Mein größter Wunsch ist: Mehr Zeit zu haben, oder mir mehr Zeit zu nehmen, um aus dem Tagesgeschäft heraus zu schauen und neue Ideen entwickeln zu können. Dafür ist auch der Austausch mit Menschen aus anderen Branchen wertvoll, die nicht so stark reglementiert sind wie derzeitig der deutsche Gesundheitsmarkt.

Health Relations: Was hält Sie persönlich gesund?

Dr. Birthe Friess: Das lässt sich leicht beantworten. Neben Zeit mit Freunden und Familie: Sport, Sport, Sport. In der Kletterwand oder bei einem Lauf an der Isar kann ich mich gesund halten, ohne auch nur eine Minute an den Gesundheitsmarkt zu denken.

Bild: © hfr

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