doc.felix: Nach welchen Kriterien wählen Medfluencer Kooperationspartner?

© doc.felix, Foto: Johannes Krahforst / © TheDigitalArtist/pixabay / Canva
In Zeiten von allgegenwärtigem Informationsüberfluss vertrauen Menschen anderen Menschen. In Bezug auf Gesundheit gewinnen Medfleuncer immer mehr Einfluss, stehen aber auch unter besonderer Beobachtung. Im Interview spricht Felix M. Berndt (doc.felix) darüber, nach welchen Kriterien er Zusammenarbeiten auswählt, welche Rolle wissenschaftliche Evidenz spielt und warum ärztliche Sichtbarkeit im digitalen Raum strukturell erschwert wird.
Medizinische Creator
Medizinische Creator sind längst ein relevanter Faktor im Gesundheitsmarketing. Sie erreichen Zielgruppen, die klassische Kommunikationskanäle nur schwer ansprechen, und genießen häufig ein hohes Maß an Vertrauen. Felix M. Berndt (doc.felix) erstellt als approbierter Arzt Inhalte für soziale Medien, um medizinische Aufklärung zu leisten und gesundheitliche Prävention verständlich zu machen. Der Mediziner ist einer der sichtbarsten Medical Influencer im deutschsprachigen Raum. Seinem Profil @doc.felix auf Instagram folgen mehr als 1,8 Millionen Menschen. Auch auf TikTok und YouTube erreicht er mittlere bis hohe sechsstellige Follower-Zahlen. Im Interview spricht er darüber, wie er Kooperationen auswählt und warum ihm wichtig ist, dass Disease-Awareness-Kampagnen von medizinisch geschultem Personal durchgeführt werden.
Health Relations: Sie sind eine prominente Figur in den sozialen Medien und erhalten viele Kooperationsanfragen. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob eine Kooperation grundsätzlich infrage kommt?
Felix M. Berndt: Ein Kooperationspartner muss dieselben Werte teilen wie ich. Meine Idee ist es, den Leuten zu zeigen, wie attraktiv ein gesunder Lifestyle ist. Wenn ich glaube, dass ein Unternehmen mich darin unterstützt, freue ich mich und eine Kooperation kann stattfinden. Ein weiteres Geling-Kriterium ist allerdings auch, dass mir Freiheiten in der Zusammenarbeit gelassen werden. Viele Unternehmen machen ihren Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern enge Vorgaben. Das ist nichts für mich.
Health Relations: Welche Bedeutung hat wissenschaftliche Evidenz bei der Bewertung von Kooperationsanfragen?
Felix M. Berndt: Wissenschaftliche Evidenz hat grundsätzlich einen hohen Einfluss auf die Bewertung von Kooperationen. Es gibt natürlich auch Content, der sich nicht aus Studien, sondern aus eigenen Erfahrungen und Erlebnissen speist. Dies würde aber eher nicht in einer bezahlten Partnerschaft ausschlaggebend sein.
Health Relations: Welche Anforderungen müssen Unternehmen erfüllen, bevor Sie eine Zusammenarbeit in Erwägung ziehen?
Felix M. Berndt: Die Unternehmen müssen grundsätzlich eine ähnliche Zielrichtung verfolgen wie meine eigene Marke. Die Vermittlung von Gesundheitsthemen und die Unterstützung von Menschen in der Führung eines gesunden Alltags stehen dabei im Vordergrund.
Health Relations: Neben objektiven Qualitätsstandards wird es sicher auch eigene geben, die Sie persönlich bei Kooperationen im Gesundheitsbereich haben. Welche sind das?
Felix M. Berndt: Die geleistete Arbeit muss wissenschaftlich korrekt und gesellschaftlich relevant sein.
„Ich bin tatsächlich nicht grundsätzlich gegen Kooperationen mit Pharmaunternehmen, auch wenn ich diese seit einiger Zeit nicht mehr mache. Dies liegt hauptsächlich an der gesellschaftlichen Kritik solchen Kooperationen gegenüber, nicht an moralischen Gründen.“
Health Relations: Wie bewerten Sie Briefings und Materialien, die Ihnen die Unternehmen zur Verfügung stellen?
Felix M. Berndt: Es gibt Unternehmen, die viel mitdenken und mitliefern. Es gibt aber auch welche, die die inhaltliche Basis nicht im Detail verstanden haben und dann auf Marketing-Hypes aufspringen und damit unseriös werden. So ist zum Beispiel nicht jedes High-Protein-Produkt auch wirklich das, was es verspricht. In unserer Arbeit haben wir immer eine fundierte inhaltliche Basis, auf der wir agieren, und stehen in einem engen Austausch mit Kundinnen und Kunden sowie Followerinnen und Followern.
Health Relations: Woran erkennen Sie unseriöse oder unpassende Anfragen?
Felix M. Berndt:Wenn sie nicht mit meinen Zielen und Werten übereinstimmen.
Health Relations: Was zeichnet aus Ihrer Sicht eine gelungene Kooperation mit einem Pharmaunternehmen aus?
Felix M. Berndt: Ich bin tatsächlich nicht grundsätzlich gegen Kooperationen mit Pharmaunternehmen, auch wenn ich diese seit einiger Zeit nicht mehr mache. Dies liegt hauptsächlich an der gesellschaftlichen Kritik solchen Kooperationen gegenüber, nicht an moralischen Gründen. Aus meiner Sicht erzeugen sie Aufmerksamkeit für bestimmte Krankheiten. Wenn man damit Menschen helfen kann, halte ich die Kooperation für gelungen. Ich finde es auch wichtig, dass solche Awareness-Kampagnen von medizinisch geschulten Personen durchgeführt werden. Eine Ausnahme mache ich allerdings, wenn es um dezidierte Werbung für Medikamente geht. Hier hatte ich bereits eine negative Erfahrung, bei der ich die Kooperation letztlich abgelehnt habe.
Health Relations: Wie stellen Sie sicher, dass Ihre ärztliche Neutralität gewahrt bleibt?
Felix M. Berndt: Ich möchte nicht neutral, sondern pro Gesundheit sein. Es gibt zwei Rollen, wie man als Arzt oder Ärztin in der Öffentlichkeit auftreten kann: Als Coach, wenn man Empfehlungen ausspricht und Rezipientinnen und Rezipienten unterstützt. Oder als Journalist, wenn man auf neutraler Basis Aspekte beurteilt und einordnet. Wenn ich beispielsweise mit einer Lebensmittelkette wegen ihres Obst- und Gemüseangebots kooperiere, ist das eine Zusammenarbeit, die meinen Werten und meiner Arbeit entspricht, weil sie Menschen gesünder macht. Wenn Neutralität wissenschaftliche Richtigkeit bedeutet, dann ist das eine Grundlage meiner Arbeit. Ich werde in sozialen Medien sehr intensiv auf inhaltliche Richtigkeit kontrolliert. Tatsächlich stärker, als es in einer Praxis der Fall wäre. Ich kann also gar nicht anders, als meine Inhalte kontinuierlich evidenzbasiert zu überprüfen.
„Für mich zählen natürlich Kommentare auf den Plattformen, Reichweite und Likes. So kann ich meine Inhalte breiter in die Gesellschaft tragen. Persönlich ist es außerdem wichtig, eigene Erfahrungen mit Produkten sammeln zu können.“
Health Relations: Sie sagten vorhin, dass Ihnen wichtig ist, sich selbst einbringen zu können. Welche Freiheitsgrade benötigen Sie, damit Inhalte authentisch und wirksam bleiben?
Felix M. Berndt:So viele, wie eben möglich sind. Bei meinen bisherigen Kooperationspartnern war das auch bisher so. Die Vertrauensbasis war so groß, dass man sich nicht in wiederholenden Feedbackschleifen verloren hat, sondern effizient und zielgerichtet für ein gutes Endprodukt gearbeitet hat.
Health Relations: Welche Kennzahlen eignen sich aus Ihrer Sicht zur Bewertung des Erfolgs einer Kooperation?
Felix M. Berndt:Für mich zählen natürlich Kommentare auf den Plattformen, Reichweite und Likes. So kann ich meine Inhalte breiter in die Gesellschaft tragen. Persönlich ist es außerdem wichtig, eigene Erfahrungen mit Produkten sammeln zu können.
Health Relations: Wie verändert sich die Rolle medizinischer Creator im Gesundheitsmarketing?
Felix M. Berndt:Medfluencerinnen und Medfluencer stehen bei Kooperationen grundsätzlich unter Kritik. Oft wird weniger betrachtet, welche Kooperationen stattfinden, sondern dass überhaupt welche stattfinden. Ein großes Problem ist, dass Ärztinnen und Ärzte im Internet deutlich stärker reglementiert sind als andere Akteurinnen und Akteure. Der Hintergrund ist zwar nachvollziehbar, führt aber dazu, dass Inhalte von Laien häufig besser funktionieren als ärztliche Inhalte, weil es Ärztinnen und Ärzten erheblich schwerer gemacht wird, ihre Arbeit zu monetarisieren. Dabei wollen wir doch eigentlich, dass Gesundheitsaufklärung von medizinischem Fachpersonal kommt und nicht von Laien. Ich fühle mich manchmal, als würde ich etwas Unrechtes tun, weil ich Arzt bin und im Internet Geld verdiene. Das kann aus meiner Sicht nicht der richtige Weg sein
Das Wichtigste aus dem Interview auf einen Blick
Der approbierte Arzt und medizinische Creator Felix M. Berndt beschreibt seine Arbeit in sozialen Medien als Form ärztlicher Gesundheitsaufklärung mit hoher Reichweite und besonderer Verantwortung. Kooperationen kommen für ihn nur infrage, wenn sie mit seinen gesundheitlichen Zielsetzungen vereinbar sind, ihm inhaltliche Freiheit lassen und auf einer fundierten wissenschaftlichen Grundlage beruhen. Persönliche Erfahrungen können Inhalte ergänzen, sind jedoch insbesondere in bezahlten Partnerschaften kein ausreichender Maßstab. Disease-Awareness-Kampagnen bewertet er grundsätzlich positiv, sofern sie Aufmerksamkeit für Erkrankungen schaffen und von medizinisch geschultem Personal umgesetzt werden.
Gleichzeitig verweist Berndt auf strukturelle Einschränkungen für Ärztinnen und Ärzte im digitalen Raum. Ärztliche Inhalte unterliegen strengeren regulatorischen Vorgaben als Beiträge anderer Akteurinnen und Akteure, was Sichtbarkeit und Monetarisierung erschwert. Medizinische Creator stünden zudem unter intensiver öffentlicher Kontrolle, insbesondere in Bezug auf fachliche Richtigkeit. Aus seiner Sicht führt diese Konstellation dazu, dass medizinisch qualifizierte Inhalte im digitalen Raum häufig benachteiligt sind, obwohl der gesellschaftliche Bedarf an evidenzbasierter Gesundheitskommunikation hoch ist.
Hinweis: Die Inhalte dieses Kastens wurden durch ein KI-Sprachmodell zusammengefasst.

