Warum Ärzte bei Awareness-Kampagnen mitmachen

© Martini-Klinik am UKE
Kein Medfluencer, sondern Vertrauensgeber. Prof. Dr. med. Markus Graefen sieht Ambassador-Rolle für MSD darin, medizinische Inhalte öffentlich einzuordnen und fachlich abzusichern. Warum digitale Kurzformate nur der erste Impuls sind und worauf es in der Zusammenarbeit mit Pharma wirklich ankommt, verrät er im Interview.
Disease Awareness: Warum Vertrauen über den Erfolg von Kampagnen entscheidet. Take-aways aus dem Interview
Prof. Dr. med. Markus Graefen engagiert sich in der Disease-Awareness-Kampagne von MSD Deutschland „Nichts verpassen“, weil er in seiner täglichen Praxis erlebt, dass viele Männer die Möglichkeiten der Prostatakrebs-Früherkennung nicht kennen oder unterschätzen. Für ihn ist die Rolle als Ambassador eine Möglichkeit, medizinische Expertise über den klinischen Alltag hinaus öffentlich zugänglich zu machen. Glaubwürdige Gesundheitskommunikation entsteht seiner Einschätzung nach durch das Zusammenspiel von medizinischen Experten, Betroffenenstimmen und professionell aufbereiteten Inhalten. Digitale Kurzformate können Aufmerksamkeit erzeugen und als Einstieg in die Vorsorgekommunikation dienen, ersetzen jedoch keine individuelle ärztliche Beratung. Positiv bewertet er die Zusammenarbeit mit Pharmaunternehmen, wenn diese über Produktkommunikation hinaus in Disease Awareness investieren und ihre Reichweite für Aufklärung nutzen. Gleichzeitig sind klare Compliance- und Freigabeprozesse aus seiner Sicht entscheidend, um medizinische Qualität sicherzustellen.
Health Relations: Herr Prof. Graefen, warum haben Sie sich entschieden, an der Kampagne „Nichts verpassen“ mitzuwirken?
Prof. Dr. med. Markus Graefen: Mein berufliches Leben dreht sich darum, Männer mit Verdacht auf oder Diagnose eines Prostatakarzinoms zu behandeln und zu beraten. Dabei erlebe ich immer wieder, dass viele Männer die Möglichkeiten der Früherkennung nicht kennen oder falsche Vorstellungen von Diagnostik und Therapie haben. Deshalb kann man das Bewusstsein dafür gar nicht oft genug schärfen. Genau das ist auch meine Motivation, mich als Arzt in solchen Kampagnen zu engagieren.
INFO: Die Kampagne "Nichts verpassen"
Die Kampagne „Nichts verpassen“ von AstraZeneca und MSD Sharp & Dohme ermutigt Männer ab 45 Jahren zur jährlichen Prostatakrebs-Früherkennung. Ziel ist es, Hemmschwellen abzubauen, über Risiken aufzuklären und durch rechtzeitige Vorsorge die Heilungschancen zu erhöhen. Botschafter sind häufig bekannte Persönlichkeiten aus dem Sport sowie medizinische Experten. Kernbotschaft: So wie man kein Spiel oder Tor verpassen will, soll man auch die Chance der Früherkennung nicht „verpassen“. Die Kampagne wird im Rahmen einer globalen Initiative seit 2022/23 sukzessive ausgebaut.
Im Vorfeld der Kampage wurde vertraglich festgehalten, welche Aufgaben die Ambassadors übernehmen: Teilnahme am Content Day, Aufnahme einer bestimmten Anzahl von Videos, Mitwirken am Imagefilm, Veröffentlichung der eigenen Videos auf den individuellen Instagram-Kanälen während der Peaks. Mit dem Vertrag soll sichergestellt werden, dass alle Beteiligten wissen, was auf sie zu kommt. Was am Ende vertraglich festgehalten wird, wird vorher mündlich besprochen.
Health Relations: Sie engagieren sich bereits rund drei Jahre bei „Nichts verpassen“, oder?
Prof. Dr. med. Markus Graefen: Ja. Man denkt oft, diese Botschaften müssten inzwischen angekommen sein, aber das ist überhaupt nicht der Fall. Viele Männer beschäftigen sich mit dem Thema erst, wenn sie selbst betroffen sind. Als Arzt sehe ich täglich die Folgen, wenn Tumoren zu spät erkannt werden. Deshalb ist es mir wichtig, diese Informationen immer wieder öffentlich zu vermitteln.
„Man denkt oft, die Botschaften zur Früherkennung müssten inzwischen angekommen sein – aber das ist überhaupt nicht der Fall. Deshalb müssen wir sie immer wieder erzählen.“
Health Relations: Würden Sie sich selbst als Medfluencer bezeichnen?
Prof. Dr. med. Markus Graefen: Ich sehe mich weniger als jemanden, der permanent Inhalte über soziale Medien verbreitet, sondern eher als Ansprechpartner und Vertrauensgeber für die medizinische Einordnung. Als langjähriger Leiter und Mitgründer der Martini-Klinik werde ich häufig für solche externen Darstellungen angefragt. Wenn sich die Möglichkeit bietet, medizinische Inhalte öffentlich zu vermitteln, nutze ich diese Chance gerne.
Health Relations: In der Kampagne „Nichts Verpassen“ treten Ärzte gemeinsam mit prominenten Betroffenen, zum Beispiel den Brüdern Roth, auf. Wie bewerten Sie dieses Zusammenspiel?
Prof. Dr. med. Markus Graefen: Das halte ich für sehr wirkungsvoll. Die Gebrüder Roth sind ein Glücksgriff, weil sie authentisch auftreten und eine Sprache sprechen, die viele Männer erreicht. Sie nehmen Hemmschwellen, über Themen wie Krebs oder mögliche Folgen der Behandlung zu sprechen. In Kombination mit medizinischer Expertise entsteht so eine sehr glaubwürdige Kommunikation.
Health Relations: Welche Rolle spielen kurze digitale Formate in Awareness-Kampagnen?
Prof. Dr. med. Markus Graefen: Sie ersetzen keine ärztliche Beratung. Aber sie schaffen Aufmerksamkeit und machen Menschen neugierig. Viele Männer beschäftigen sich sonst gar nicht mit Vorsorge. Solche Formate können der erste Impuls sein, sich überhaupt mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Health Relations: Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit mit pharmazeutischen Unternehmen in solchen Projekten?
Prof. Dr. med. Markus Graefen: Ich finde es positiv, wenn pharmazeutische Unternehmen sich nicht nur auf die Vermarktung ihrer Produkte konzentrieren, sondern auch in Aufklärung investieren. In diesem Fall engagieren die Initiatoren sich sogar in einem Bereich, in dem sie selbst keine direkten Produkte haben – nämlich in der Früherkennung. Gleichzeitig verfügen sie über Reichweiten und Kommunikationsmöglichkeiten, die wir als Ärzte allein nicht haben.
„Man erfindet bei Awareness-Kampagnen oftmals das Rad nicht neu, wenn es um die Botschaften geht. Fehler können sich trotzdem einschleichen.“
Health Relations: Welche Bedeutung haben Freigaben und Compliance-Strukturen für Sie?
Prof. Dr. med. Markus Graefen: Sie sind sehr wichtig. Es ist entscheidend, Inhalte vor Veröffentlichung fachlich zu prüfen, weil beim Schnitt oder in der Aufbereitung unbeabsichtigt Fehler entstehen können. Deshalb ist es sinnvoll, als medizinischer Experte noch einmal final drüber zuschauen. Man erfindet bei Awareness-Kampagnen oftmals das Rad nicht neu, wenn es um die Botschaften geht. Fehler können sich trotzdem einschleichen. Deshalb lege ich auf genaue Absprachen und finale Freigaben wert.
Health Relations: Sie haben im Rahmen der Kampagne an einem ganztägigen Shooting teilgenommen. Das ist ein großer Zeitinvest. Wie haben Sie das erlebt?
Prof. Dr. med. Markus Graefen: Für mich hat sich das sehr gelohnt. Die Produktion war professionell, und der Austausch mit Kollegen war wertvoll. Das schafft auch Zeit für Gespräche und Vernetzung, die im klinischen Alltag sonst kaum möglich ist. Ein zusätzlicher Benefit.
Health Relations: Welche Ansätze könnten aus ihrer Sicht die Kampagnen künftig noch verbessern?
Prof. Dr. med. Markus Graefen: Es wäre sinnvoll, stärker Männer zu Wort kommen zu lassen, die sich bewusst gegen Vorsorge entscheiden oder noch unsicher sind. Ihre Ängste und Vorbehalte besser zu verstehen, könnte die Kommunikation noch zielgerichteter machen.
Health Relations: Wie nehmen Sie das Engagement Ihrer Kolleginnen und Kollegen in Sachen Awareness und Prävention wahr?
Prof. Dr. med. Markus Graefen: Sehr positiv. Es gibt zunehmend Ärzte, die sich aktiv für Aufklärung einsetzen. Das sehe ich mit Wohlwollen. Wir haben weiterhin einen blinden Fleck: Männer gehen häufig erst dann zum Urologen, wenn bereits Beschwerden bestehen. Deshalb freue ich mich über jede Initiative, die dazu beiträgt, dieses Bewusstsein zu stärken.
FAQ: Ärzte als Botschafter in Awarenesskampagnen
Was ist ein medizinischer Botschafter in Awarenesskampagnen?
Ein medizinischer Botschafter ist ein Arzt, Patient, Patientin oder Gesundheitsexperte, der Kampagnen fachlich unterstützt, Inhalte einordnet und als vertrauenswürdige Stimme in der Gesundheitskommunikation auftritt.
Warum arbeiten Ärzte in Disease-Awareness-Kampagnen mit?
Ärzte engagieren sich, um medizinisches Wissen öffentlich zugänglich zu machen, Aufklärung zu fördern und Fehlvorstellungen zu korrigieren. Gleichzeitig ermöglichen Kampagnen eine größere Reichweite als der klinische Alltag.
Welche Rolle spielen Ärzte für die Glaubwürdigkeit von Awarenesskampagnen?
Ärzte erhöhen die Glaubwürdigkeit, indem sie medizinische Inhalte prüfen, fachlich erklären und Vertrauen bei Zielgruppen schaffen. Sie fungieren als Qualitätssicherung und Vertrauensanker.
Wie arbeiten Pharmaunternehmen und medizinische Botschafter zusammen?
Unternehmen stellen Reichweite, Kommunikationsressourcen und Produktionsstrukturen bereit. Ärzte bringen medizinische Expertise ein und sichern die fachliche Richtigkeit der Inhalte.
(Disclaimer: Die FAQ wurden mithilfe KI generiert.)
