Attraktiver Arbeitgeber: Familienfreundlichkeit zur Chefsache gemacht

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Dr. Mareike Schüler-Springorum ist Ärztliche Direktorin des LWL-Therapiezentrums für Forensische Psychiatrie Marsberg.
Dr. Mareike Schüler-Springorum ist Ärztliche Direktorin des LWL-Therapiezentrums für Forensische Psychiatrie Marsberg. © privat

Was kann eine Klinik tun, um besonders attraktiv für Arbeitnehmer mit Kindern zu sein? Das Therapiezentrum für Forensische Psychiatrie Marsberg des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) setzt einige interessante Ideen für mehr Familienfreundlichkeit um. Die Ärztliche Direktorin Dr. Mareike Schüler-Springorum hat das Thema zur Chefsache gemacht.

Dr. Mareike Schüler-Springorum ist Mutter von drei Kindern im Teenager-Alter – und sie ist Ärztin in einer Führungsposition. Noch vor Kurzem hat sie das LWL-Therapiezentrum für Forensische Psychiatrie Marsberg mit einer Arbeitszeit von 32 Wochenstunden geleitet, inzwischen hat sie auf 36 Stunden aufgestockt.

Aus ihrem persönlichen Erleben weiß die Ärztliche Direktorin, was Eltern brauchen, um Familie und Beruf möglichst gut unter einen Hut zu bringen – zum Beispiel auch eine zuverlässige Kinderbetreuung während der Arbeitszeiten. Damit auch Kollegen im Schichtdienst davon profitieren, soll es in Marsberg künftig einen Betriebskindergarten mit sehr flexiblen Öffnungszeiten geben. Die Planungen dafür sind schon recht weit fortgeschritten, verrät Schüler-Springorum: „Schön ist, dass wir dabei sehr stark vom zuständigen Jugendamt unterstützt werden und es viel weniger bürokratische Hürden gibt, als wir erwartet hatten.“

„Der Wandel hin zu mehr Familienfreundlichkeit muss von der Führungsebene ausgehen.“

Die Ärztliche Direktorin weiß, dass vieles auch vom Arbeitgeber abhängt: „Der Wandel hin zu mehr Familienfreundlichkeit muss von der Führungsebene ausgehen – vom Chefarzt oder von der Trägergesellschaft.“ Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Träger des Therapiezentrums ist hier schon gut aufgestellt: Seit 2010 tragen die LWL-Einrichtungen Marsberg das Zertifikat des Audits „berufundfamilie“, mit dem besonders familienfreundliche Arbeitgeber ausgezeichnet werden können.

Ferienspiele auf Klinikgelände

Das fängt bei ganz konkreten Maßnahmen wie einer klaren Urlaubsregelung an: Wenn es um Urlaub in den Schulferien geht, wird auf Mitarbeitern mit Kindern besonders Rücksicht genommen. Um den Rest der Ferienzeit abzudecken, gibt es in Marsberg sogenannte „Ferienspiele“ in den Sommerferien: Das Programm richtet sich an Kinder im Alter von fünf bis 13 Jahren, die während der Arbeitszeit ihrer Eltern von Pädagogen und Erziehern betreut werden. „Unsere Personalabteilung hat ein ziemlich vielseitiges Programm gestaltet“, erklärt Schüler-Springorum. Die Kinder machen jede Woche einen größeren Ausflug – zum Beispiel in einen Freizeitpark. Außerdem gibt es auf dem Gelände der LWL-Klinik Marsberg ein Zelt und eine Hüpfburg, dazu mehrere Räume, in denen je nach Alter und Interesse verschiedene Aktivitäten angeboten werden: Von basteln über Karaoke bis hin zum Einstudieren eines Theaterstücks, das am Ende aufgeführt wird.

„Wir vermitteln den Kindern unserer Mitarbeiter, dass Mamas oder Papas Arbeitgeber richtig cool ist. Das heißt, sie werden auch später als Erwachsene ein gutes Bild von der Klinik und unserem Klinikträger als Arbeitgeber haben.“

Das Wichtige für Eltern: Die Kinder werden nicht nur für einen gewissen Zeitraum betreut, sondern ganz flexibel so lange, bis die Eltern sie wieder abholen können. Wer also noch einen späten Termin am Nachmittag hat, kann sich darauf verlassen, dass der Nachwuchs in guten Händen ist. Das gilt auch für Pflegekräfte, die im Schichtdienst arbeiten und schon um 6:30 Uhr ihren Dienst beginnen – die Kinderbetreuung wird nach Bedarf angeboten. Bisher gibt es die Ferienspiele nur für vier Wochen in den Sommerferien. Es ist aber geplant, das Angebot auch auf die Oster- und Herbstferien auszuweiten, verrät die Ärztliche Direktorin. Mit Blick auf die nächste Generation ist das Angebot aber auch ein spannendes Image-Tool: „Wir vermitteln den Kindern unserer Mitarbeiter, dass Mamas oder Papas Arbeitgeber richtig cool ist. Das heißt, sie werden auch später als Erwachsene ein gutes Bild von der Klinik und unserem Klinikträger als Arbeitgeber haben“.

Kostenübernahme für Kinderbetreuung während Fortbildung

Eine andere Maßnahme ist die Entlastung von Eltern, die auf mehrtägige Fortbildungen fahren wollen: Sie haben die Möglichkeit, ihre Kinder mitzunehmen – und eine Betreuungsperson, die sich um den Nachwuchs kümmern kann. Der LWL als Trägergesellschaft übernimmt hier die Kosten für die Reise und Unterbringung von Kindern und Betreuungsperson, zum Beispiel Oma oder Opa.

Aber auch kleine Maßnahmen können helfen, die Familien zu entlasten: So ist es in Marsberg zum Beispiel möglich, kostengünstiges Essen aus der von Patienten des Therapiezentrums geführten Cafeteria mitzunehmen – so sparen sich berufstätige Eltern nach der Arbeit den Stress in der Küche. Es gibt sogar einen Kuchenback-Service, den Schüler-Springorum selbst sehr gern nutzt: „Da kann ich beispielsweise für Schulveranstaltungen Kuchen bestellen. Als Mutter ist es ja oft schwierig, sich da zu drücken – aber die Kuchen aus unserer Cafeteria kommen auch bei meinen Kindern und ihren Mitschülern gut an“.

Andere Maßnahmen, wie etwa ein spezielles Eltern-Kind-Büro, sind noch in Planung. Dieses Büro soll Eltern die Möglichkeit geben, beispielsweise ein krankes Kind mit zur Arbeit zu bringen – und es soll nicht nur Ärzten, sondern auch Mitarbeitern in der Pflege offenstehen. „So können die Kollegen beispielsweise Aufgaben wie Pflegeplanung oder Dokumentation erledigen und gleichzeitig auf das kranke Kind aufpassen. Dann muss der Elternteil in so einem Fall nicht gleich den ganzen Tag zu Hause bleiben, sondern kann zumindest ein paar Stunden zur Arbeit kommen“, erklärt Schüler-Springorum die Vorteile.

Familienfreundlichkeit ist Führungsaufgabe

Doch neben allen konkreten Maßnahmen des Klinikbetreibers – Schüler-Springorum kann auch ganz konkret als Vorbild für mehr Familienfreundlichkeit sorgen: „Das sehe ich absolut als Führungsaufgabe an. Es fängt damit an, dass ich als Führungskraft auch zu Hause bleibe, wenn ein Kind ernsthaft krank ist und so auch meinen Mitarbeitern signalisiere, dass das in Ordnung ist. So kann es nach und nach zu einem Wandel in den Köpfen kommen. Zum Glück habe ich beim LWL auch einen Vorgesetzten, der mir signalisiert, dass ich nur eine gute Klinikleiterin sein kann, wenn ich in Gedanken ganz bei der Arbeit bin – und nicht bei meinem kranken Kind zu Hause“.

Das Feedback der Mitarbeiter gibt dieser Strategie recht: „Die Möglichkeit der sehr flexiblen Arbeitszeitgestaltung erleichtert mir und meiner Frau die Organisation des täglichen ‚Wahnsinns‘. Die Kinder für die KITA fertigmachen und dort hinbringen, Arztbesuche, den Kindern zu ermöglichen, sich mit anderen Kindern zu treffen – das alles wäre ohne dieses Arbeitszeitmodell nur schwer leistbar“, bringt es der Psychologe und Familienvater Waldemar Harder auf den Punkt. Und die Diplom-Psychologin und Mutter Lenuta Niggemann lobt: „Die flexiblen Arbeitszeiten, das Homeoffice, die tolle Kommunikation mit den Kollegen haben sich positiv auf meine Arbeit und Familie ausgewirkt.“

So haben nicht nur die Familien selbst etwas von dem Einsatz für eine bessere Work-Life-Balance – der LWL als Klinikträger kann etwas für die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter tun und sich als besonders attraktives und familienfreundliches Unternehmen positionieren.


Erstveröffentlichung dieses Artikels auf Ärztestellen.de – dem Stellenmarkt des Deutschen Ärzteblatts. Der Beitrag entstand vor der Coronakrise.

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