Inflation, Energiekrise und Co.: Das Einkommen von Ärztinnen und Ärzten 2023

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Gehaltsreport: Wer verdient am meisten udn wer verliert? Sparschwein mit Hand und Pillen
© New Africa / Adobe Stock
Wie hat sich das Einkommen von Ärztinnen und Ärzten in den vergangenen zwei Jahren entwickelt? Welchen Einfluss hat die Inflation und was bedeutet das für die Zufriedenheit im Beruf? Aktuelle Antworten darauf liefert der Medscape Gehaltsreport 2023.
Die COVID 19-Pandemie ist vorerst überstanden – doch auch die Energiekrise, die hohe Inflation und der Krieg in der Ukraine sind eine Belastung für die gesamte Gesellschaft. Welchen Einfluss diese Faktoren auf das Einkommen und die Zufriedenheit von Ärztinnen und Ärzten haben, hat das Portal Medscape im aktuellen Gehaltsreport 2023 untersucht. Dafür wurden von Ende Dezember 2022 bis Mitte März 2023 mehr als 1.100 Ärztinnen und Ärzte online befragt. Die Mehrzahl war älter als 45 Jahre, 30 Prozent der Befragten waren Frauen. Der letzte Medscape Gehaltsreport erschien 2021 und setzte sich vor allem mit den Auswirkungen der Pandemie auseinander.

Einkommen von Ärztinnen und Ärzten: Keine großen Veränderungen

Blickt man auf das Einkommen, zeigt sich: Viel hat sich nicht getan. Durch die Behandlung von Patientinnen und Patienten haben die Befragten im Schnitt 150.000 Euro im Jahr verdient. Vor zwei Jahren waren es 149.000 Euro – also nur unwesentlich weniger. Dieser Wert setzt sich aus einem Grundgehalt von durchschnittlich 133.000 Euro sowie Bonuszahlungen von 17.000 Euro zusammen. Insgesamt 33 Prozent der Befragten erhielten entsprechende Boni. Nicht erfasst wurden in der Befragung zusätzliche Einkünfte, etwa durch Honorare für Vorträge oder Gutachten: Im Schnitt kamen hier noch einmal 8.000 Euro zusammen. Zufrieden sind die Ärztinnen und Ärzte damit aber nicht: Rund zwei Drittel (65 Prozent) gaben an, für ihre Tätigkeit nicht angemessen entlohnt zu werden.

Das Ende der Corona-Maßnahmen hat dabei für viele keine großen Einkommensveränderungen mit sich gebracht. Vergleicht man die Jahre 2021 und 2022, ist die finanzielle Situation für 52 Prozent der Befragten gleich geblieben. Ein Viertel (25 Prozent) konnte sich finanziell verbessern, ähnlich viele (23 Prozent) mussten dagegen finanzielle Einbußen hinnehmen.

Als Gründe für die Einbußen nannte mehr als die Hälfte (51 Prozent) die COVID 19-Pandemie (z.B. Jobverlust, weniger Patienten, Arbeitszeitreduzierung). Etwas mehr machen die Inflation und die weltweite Wirtschaftskrise verantwortlich (55 Prozent). Und ein Drittel der Befragten (33 Prozent) sieht die Ursachen bei anderen Gründen, die nicht mit der Pandemie zusammenhängen. Machte ein Großteil der Ärztinnen und Ärzte 2021 noch die Pandemie für mögliche Einkommenseinbußen verantwortlich (89 Prozent), spielt die allgemeine wirtschaftliche Lage inzwischen eine deutlich größere Rolle. Generell stehen Ärztinnen und Ärzte aber gut da – auch, was finanzielle Rücklagen betrifft. Laut Befragung haben sie im Schnitt ein Nettovermögen von 376.000 Euro auf der hohen Kante. Perspektivisch erwarten 18 Prozent, dass ihre Investments in den kommenden Jahren wachsen. 47 Prozent rechnen mit Verlusten in ihren Portfolios, 36 Prozent erwarten stabile Werte.

Auswirkungen der Inflation: Sparen oder Geld ausgeben?

Durch die hohe Inflation sind die Lebenshaltungskosten in den vergangenen Monaten deutlich angestiegen. Was bedeutet das für Ärztinnen und Ärzte? Knapp die Hälfte der Befragten (43 Prozent) gibt an, Geld zu sparen. 42 Prozent mussten ihr Verhalten nicht verändern und 12 Prozent geben sogar mehr Geld aus als früher. Damit stehen Ärztinnen und Ärzte im Vergleich zur Gesamtbevölkerung gut da: Nach einer Umfrage der Verbraucherzentrale mussten Ende 2022 fast zwei Drittel der Deutschen sparen: 61 Prozent kauften günstigere Lebensmittel, gut ein Drittel fuhr weniger mit dem Auto und 56 Prozent konsumierten insgesamt weniger. Wenn Ärztinnen und Ärzte sparen wollen, tun sie das laut Medscape Gehaltsreport 2023 vor allem bei der Energie: Für 76 Prozent der Befragten ist das eine Option. 52 Prozent geben weniger Geld beim Shoppen aus, 30 Prozent nehmen sich vor, weniger zu reisen. Das Auto bleibt bei 29 Prozent häufiger stehen und 8 Prozent wollen ihren Wohnraum verkleinern.

Verwaltung und Überstunden: Die größten beruflichen Herausforderungen

Bürokratie, Bürokratie, Bürokratie: Das bleibt für viele Ärztinnen und Ärzte die größte Herausforderung im beruflichen Alltag. 38 Prozent der Befragten empfinden vor allem die vielen Vorschriften und Regelungen bei Verwaltung und Abrechnung als Problem. 15 Prozent klagen über zu viele Überstunden, für 7 Prozent sind schwierige Patientinnen und Patienten eine Herausforderung. Die Sorge, verklagt zu werden, treibt immerhin 5 Prozent der Befragten um. 11 Prozent kämpfen mit der Technik. Hier sind vor allem die EDV-Anlagen und die elektronischen Patientenakten ein Problem.

Und welche Auswirkungen haben diese Bedingungen auf die Motivation? Immerhin gut ein Drittel (38 Prozent) der Ärztinnen und Ärzte ist nach wie vor mit der gleichen Begeisterung bei der Sache wie zu Beginn der Karriere. Selbstverständlich ist das aber nicht: 34 Prozent geben an, dass ihre Motivation etwas nachgelassen hat, bei 27 Prozent hat sie sogar stark abgenommen. 2 Prozent geben an, ohnehin nie besonders motiviert gewesen zu sein.

Generell ist ein Großteil der Befragten aber glücklich im Job. 29 Prozent der Ärztinnen und Ärzte bezeichnen sich selbst als „sehr zufrieden“ mit der eigenen Leistung, 59 Prozent sind „zufrieden“. Weder zufrieden noch unzufrieden sind 7 Prozent. Nur eine Minderheit ist nicht so glücklich: 4 Prozent bezeichnen sich als „unzufrieden“, nur 1 Prozent ist „sehr unzufrieden“.

Quelle: Medscape Gehaltsreport 2023

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