Kulzer: „Innovative Wege gehen, den Blick nach vorne richten“

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Kulzer schreitet in die Zukunft. Nach dem Brand Relaunch im Juli setzt das Dentalunternehmen seinen Kurs mit innovativen Serviceleistungen für Zahnärzte und Zahntechniker fort. Vertriebsleiter Prothetik Rolf Zucker im Interview.

Health Relations: Herr Zucker, das Traditionsunternehmen Heraeus Kulzer heißt seit dem 4. Juli Kulzer. Was sind die Gründe?

Rolf Zucker: Der neue Name und Auftritt sind der konsequente Schlusspunkt des Umfirmierungsprozesses, der 2013 mit der Übernahme durch das japanische Unternehmen Mitsui Chemicals begonnen hat. Wir haben den Namen Kulzer gewählt, da er seit über 80 Jahren für zuverlässige, innovative Dentalprodukte steht. Diesem Anspruch bleiben wir treu. Wir geben Zahntechnikern und Zahnärzten die besten Lösungen an die Hand, um ihre Arbeitsabläufe sicher, einfach und effizient zu gestalten.

Health Relations: Was hat sich Kulzer vorgenommen?

Rolf-Zucker
Rolf Zucker, seit 2016 Vertriebsleiter Prothetik des Hanauer Dentalherstellers Kulzer, sieht für sein Unternehmen Chancen in der Verbesserung von analogen und digitalen Prozessen in Labor und Praxis.

Rolf Zucker: Wir möchten unsere Spitzenposition ausbauen und gemeinsam mit unseren Partnern, den Zahntechnikern und Zahnärzten, im Dentalmarkt wachsen. Doch dieses Ziel erreichen wir nur, wenn wir Bestehendes hinterfragen. Wir brauchen noch bessere, intelligent ineinandergreifende Prozesse. Innovative Wege gehen, den Blick nach vorne richten – das haben wir uns für die Weiterentwicklung von Kulzer auf die Fahne geschrieben.

Health Relations: Können Sie hier konkreter werden? Wo setzen Sie an?

Rolf Zucker: Service spielt in unserer neuen Strategie eine zentrale Rolle. Wir werden unser internationales Vertriebs- und Serviceteam durch 100 zusätzliche Mitarbeiter verstärken, um einen schnellen, lösungsorientierten Service zu gewährleisten. Wir werden mehr Fachkräfte für digitale Technologien einstellen, unsere Schulungsangebote optimieren und uns so aufstellen, dass wir Zahntechniker und Zahnärzte noch schneller und effizienter unterstützen können. Daneben werden wir unsere Beratungs- und Serviceleistungen weiter ausbauen, um Labor und Praxis einen technischen und wirtschaftlichen Mehrwert zu bieten, beispielsweise durch die Optimierung ihrer Arbeitsabläufe.

Health Relations: Angesichts der Wettbewerbsintensität im Dentalmarkt – wo sehen Sie noch Chancen für Wachstum?

Rolf Zucker: Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Innovationen – nur mit ihnen können wir weiter wachsen. Das Fundament dafür ist die Materialexpertise von Kulzer. Denn nach wie vor steht die Chemie bei uns im Mittelpunkt. Wertvolle Impulse erhalten wir hier von unserer Muttergesellschaft Mitsui Chemicals, die über großes Know-how im Bereich Grundlagenchemie verfügt. Wir nutzen dieses Wissen und adaptieren es an die speziellen Anforderungen in Labor und Praxis. Denn wir sind mit Herzblut und Leidenschaft Dentalhersteller. Ein Beispiel dafür sind unsere Beschichtungen von Prothesen. Derzeit arbeiten wir daran, die exzellenten Eigenschaften spezieller Beschichtungen für den dentalen Bereich nutzbar zu machen.

Health Relations: Was brauchen Dentalprodukte der Zukunft Ihrer Meinung nach?

Rolf Zucker: Wir schießen bei Entwicklungen nicht aus der Hüfte, sondern bringen nur erprobte, nachhaltige Lösungen mit einem echten Mehrwert für unsere Kunden auf den Markt. Unsere Innovationen müssen dabei zwei Punkte erfüllen: neue Fertigungstechnologien aufgreifen und gleichzeitig die hohen Anforderungen in Labor und Praxis berücksichtigen. So haben wir beim 3D-Drucker sehr viel Zeit investiert, damit er in puncto Schnelligkeit und Präzision einen echten Mehrwert für Zahntechniker darstellt. Im Blick haben wir bei der Entwicklung neuer Produkte auch immer das Thema Wirtschaftlichkeit der Labore. Um angebrochene Druckmaterialen problemlos weiterverwenden zu können, haben wir beispielsweise eine Wanne mit einem lichtdichten Verschluss entwickelt. Weitere Beispiele aus der Innovationswerkstatt von Kulzer, die auf der diesjährigen IDS – neben dem 3D-Drucker cara Print 4.0 und den abgestimmten dima Print Druckmaterialien – sehr erfolgreich waren: der neue Modell-Scanner cara Scan 4.0, die neuen Fräsmaschinen cara Mill 3.5 und cara Mill 3.5L sowie der Prototyp des Abformscanners cara Scan 4.0i.

Kulzer-3-D
Highlights auf der diesjährigen IDS waren der 3D-Drucker cara Print 4.0, die passenden dima 3D-Druckmaterialien und das Lichtpolymerisationsgerät HiLite Power 3D von Kulzer.

Health Relations: Worauf liegt der Fokus für den Standort Deutschland?

Rolf Zucker: In Praxis und Labor werden manuelle Abläufe zunehmend durch digitale ergänzt. Umso wichtiger ist es, dass Anwender sich bei Schwierigkeiten – egal ob technische oder organisatorische – auf jemanden verlassen können, der sich damit auskennt und schnell und effizient Hilfe bietet. Wir können unsere Geschäftspartner künftig mit 180 analogen und digitalen Spezialisten bei der Implementierung neuer Produkte sowie neuer Arbeitsabläufe in den Praxis- und Laboralltag unterstützen. Zusätzliche Mitarbeiter bei der Bestell- und Service-Hotline verkürzen die Reaktionszeit bei Anfragen. Durch den Ausbau des Außendienstes  auf 70 Mitarbeiter verbessert sich gleichzeitig die Betreuung und Beratung vor Ort. Kulzer verfügt im Zahntechnikbereich mit zwölf Mitarbeitern über eines der größten Service-Teams direkt beim Kunden. Und: Die Mehrzahl der Außendienstmitarbeiter sind Zahntechniker, Zahntechnikermeister, Zahnmedizinische Fachangestellte, Pharmareferenten und langjährige Dentalfachkräfte bis hin zu Dental-Betriebswirten und Zahnärzten.

Health Relations: Wie profitieren Zahnärzte, Zahntechniker und der dentale Fachhandel weiter von den Investitionen?

Rolf Zucker: Unsere Kunden wollen ihre Produkte zunehmend im Internet kaufen – daher eröffnen wir im Spätsommer in Deutschland einen neuen Onlineshop. Wir vermitteln aber auch ergänzende Serviceleistungen. Nachhaltig ist die Zusammenarbeit mit der Firma Hain Lifescience, die weitere Behandlungsmöglichkeiten bei Parodontitis aufzeigt, sowie die neue Kooperation zu dentacar. Darüber können unsere Kunden einfach, unkompliziert und compliance-konform Automobile zu sehr günstigen Konditionen finanzieren – ein einmaliger Service für die Dentalindustrie. Das Angebot reicht vom klassischen Firmenwagen-Leasing bis hin zur kurzzeitigen All-In-Miete.

Health Relations: Was ändert sich noch für Ihre Kunden?

Rolf Zucker: Nach wie vor erhalten unsere Kunden das gesamte Portfolio der bewährten Dentalprodukte und erreichen ihre Ansprechpartner über die bekannten Kanäle. Eine kleine Veränderung gibt es seit der offiziellen Umfirmierung am 4. Juli: Auf den Produktverpackungen wird nach und nach das neue Kulzer Logo zu sehen sein. Und die Postanschrift hat sich geändert: Die Kulzer GmbH ist jetzt in der Leipziger Straße 2 in Hanau erreichbar.

Wichtig bleibt für Kulzer auch das Thema Wissenstransfer: Mehr als 200 Kurse, Trainings, Dental-Fortbildungen, vermehrt auch Webinare, geben Zahnärzten und Zahntechnikern angesichts der Produktvielfalt und ständig neuer Verfahren Orientierung. Studierende, Assistenzärzte und junge Zahnärzte können als „dentXperts“-Club-Mitglied zu Sonderkonditionen an Kursen teilnehmen, zahnmedizinische Produkte testen und sich bei ihrer Praxisgründung Unterstützung sichern.

Ab dem 4. Juli haben sich die Produktverpackungen geändert – das neue Kulzer Logo ist zu sehen.
Ab dem 4. Juli haben sich die Produktverpackungen geändert – das neue Kulzer Logo ist zu sehen.

Health Relations: Herr Zucker, insgesamt schauen Sie ja recht zuversichtlich in die Zukunft. Was macht Sie so optimistisch?

Rolf Zucker: Kulzer ist ein Pionier in der Entwicklung hochwertiger, effizienter Dentalmaterialien. Viele unserer Produkte sind heute aus dem Labor- und Praxisalltag nicht mehr wegzudenken. Ein Beispiel ist hier der erste heißpolymerisierende Prothesenkunststoff Paladon, der vor über 80 Jahren auf den Markt kam. Ein anderes Beispiel sind Carpule Spritzen, die erst kürzlich ihren 85. Geburtstag feierten. Diese haben bei der lokalen Betäubung erstmals Sterilität sowie eine einfache und schnelle Anwendung möglich gemacht. Ferner feiern wir in Kürze das 10-jährige Bestehen des cara Fertigungszentrums. Durch diese Innovationen steht für mich fest: Wir haben in der Vergangenheit immer wieder sehr viel bewegt. Und es bleibt weiter viel zu tun. Die Komplexität steigt – der Dentalmarkt ist stark umkämpft und Anwender sehen sich mit einer riesigen Auswahl an Produkten konfrontiert. Gleichzeitig sorgt die zunehmende Digitalisierung für Herausforderungen. Gemeinsam mit unseren Partnern in Labor und Praxis werden wir diese Herausforderungen meistern. Ich bin überzeugt: Mit unserer Strategie und dem beispiellosen Engagement unserer Mitarbeiter sind wir bestens gerüstet, um auch in Zukunft der attraktivste Partner im Dentalmarkt zu sein.

Das Interview ist erstmalig erschienen in der DZW 34/2017.
Beitragsbild: © istock.com/smartboy10
Politikwissenschaftlerin, Texterin, Journalistin. Berichtet bei Health Relations über Medizinthemen und betreut unsere Gastautoren.

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