Darum kann Metaverse für die Pharmabranche interessant werden

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VR Metaverse
Im Metaverse sind Schulungen durch die VR-Brille denkbar. © Konstantin Yuganov / Adobe Stock

Die Pharmabranche steht dem Metaverse abwartend gegenüber – aus gutem Grund. Es könnte sich jedoch lohnen, die Sache wohlwollend zu beobachten. Denn das Metaverse könnte ein Ort sein, an dem Wissen greifbar wird.

Jedes dritte Unternehmen will in das Metaverse investieren, so eine Umfrage des Bundesverbands für Digitalwirtschaft. Fokussiert auf die Pharma- und Medizinbranche, glauben immerhin noch 17 Prozent der Befragten, dass das Metaverse eine Investition wert sei. Die Branche beobachtet die Entwicklung, ist hinsichtlich ihrer Aktivitäten aber noch zurückhaltend. Zu viele Punkte sind mit Blick auf den Datenschutz und die strengen Regularien, denen Gesundheitsdienstleister unterliegen, noch ungeklärt (Health Relations berichtete). Es braucht einen geschützten Bereich, so postuliert beispielsweise Indegene, ein Anbieter für technikbasierte Healthcare-Lösungen. Durch die Schaffung eines „privaten Metaversums“, das völlig außerhalb des öffentlichen Raums und des Zeitgeists des Metaversums liege, würde die Möglichkeit bestehen, im Wesentlichen eine verborgene Blase für Interaktionen zu schaffen. „Damit entfällt der Gedanke, den allgemeinen Zugang zu ermöglichen oder die App an einem zentralen, öffentlichen Ort zu platzieren.“ Auf diese Weise sei es im Wesentlichen dasselbe, als würde man eine App zu einem Telefon hinzufügen, ohne dass man sie im Apple Store oder Play Store herunterladen müsse. „Die App wird für die Nutzer nur dann zugänglich, wenn sie als Teil der ‚Blase‘ vordefiniert sind und die App für sie geöffnet wird“, heißt es auf der Unternehmenswebsite.

Wie auch immer die Zukunft aussehen mag, die Pharmabranche ist gut beraten, sich schon jetzt mit dem Thema vertraut zu machen und ggf. das Metaverse aktiv mitzugestalten. Schon jetzt gibt es einige User Cases und Gedankenspiele, die einen Ausblick auf das geben könnten, was vielleicht möglich sein wird im Metaverse. Eines der konkreteren ist das virtuelle Krankenhaus Aimedis.

Aimedis Avalon: das virtuelle Krankenhaus

Das niederländische Unternehmen Aimedis plant ein virtuelles Krankenhaus. „Aimedis Avalon wird es den Nutzern ermöglichen, sich über Zeit und Raum hinweg zu vernetzen, zu interagieren, zu rehabilitieren und zu behandeln, und zwar auf eine Weise, die bisher unvorstellbar war“, heißt es auf der Unternehmenswebsite. Verschiedene Institutionen, Organisationen und Fachkräfte sollen ihre Dienstleistungen hier anbieten und bewerben können. Weiterhin sind im Rahmen der Aimedis Virtual Health University virtuelle Fortbildungsmöglichkeiten geplant. Das virtuelle Krankenhaus will dafür eine Reihe von immersiven Lernwerkzeugen und -prozessen einführen. Für Nachfragen war das Unternehmen leider nicht erreichbar.

Aimedis im Metaverse
Das virtuelle Krankenhaus von Aimedis. © Screenshot Aimedis

Metaverse und Pharma: virtuelles Lernen

Indegene hat in einem Whitepaper weitere Cases erarbeitet, in denen das Metaverse eine signifikante Rolle spielen könnte. Technologie, heißt es, sei ein Gamechanger im Bereich Bildung und Ausbildung. Das könne sich auch im Metaverse fortsetzen. Zudem hat die Pandemie die Gesellschaft ein Stück digitaler werden lassen.  Virtuelle Meetings sind neuer Standard geworden. Das könnte dem Lernen im Metaverse in die Hände spielen, auch, weil es neben dem Vorteil der Dezentralität einen geschützten Raum bieten und dank der Nutzung von Avataren auch den persönlichen Kontakt simulieren könnte. Aber für welche Fortbildungen eignet sich das Metaverse?

Rollenspiele für den Außendienst

Effizient und erfolgversprechend: Sales Reps könnten innerhalb eines Onboarding-Verfahrens ihre Fähigkeiten in einer virtuellen Arztpraxis testen und in Rollenspielen ihre Kommunikation mit Ärztinnen und Ärzten schulen. Auch weitere Fortbildungen könnten in dieser Form, quasi durch die (VR-) Brille stattfinden.

Gamification für den Außendienst und Produktmanager

Wie funktioniert ein Herz-Kreislaufsystem, wie wirkt sich beispielsweise eine atherosklerotische Erkrankung aus? Das Metaverse könnte eine gute Basis sein für immersive Schulungsprogramme, die medizinische Vorgänge anschaulich erklären. Pharmaunternehmen könnten diese spielerisch umsetzen, in Form von Escape Rooms oder Ratespielen. So lernt es sich leichter und ggf. nachhaltiger.

Fortbildung und Detailing für HCPs

Produktmanager:innen und der Außendienst könnten Ärztinnen und Ärzten ihre Produkte im Metaverse näherbringen, ihre Wirkungsweise anschaulich erklären. Praxisgemeinschaften und KOLs  könnten im virtuellen Raum zusammenkommen, sich austauschen, bewährte Verfahren diskutieren, neue vorstellen und vielleicht sogar ausprobieren. Neue Interaktionsmöglichkeiten untermauern eine verbindliche Arztkommunikation, weil sie einen echten Mehrwert darstellen könnte für den HCP.

Fortbildung und Therapiebegleitung für Patient:innen

Wie wirkt sich meine Krankheit auf meinen Körper aus? Was bedeutet das für meinen Lebensstil? Was muss ich ändern? Das Metaverse könnte dazu beitragen, dass Patient:innen ihre Indikation auf Mikroebene verstehen. Das wiederum könnte die Therapietreue erhöhen. Wenn ich weiß, was genau ich habe, dann halte ich mich vielleicht auch eher an die Empfehlungen meines Arztes oder meiner Ärztin. Pharmaunternehmen könnten Ärzt:innen diese geschützten Räume im Metaverse zur Verfügung stellen und ihnen so ein besseres Patientengespräch ermöglichen.

Das Metaverse kann Pharmaunternehmen vielfältige Möglichkeiten bieten, die Interaktion mit Ärzt:innen und Patient:innen zu verbessern. Der Bereich Lernen und Lehren könnte einer der ersten Bereiche sein, der für die Pharmabranche interessant werden dürfte. Das alles aber braucht einen geschützten und sicheren Raum und die Akzeptanz aller Anwendenden. Das wird die große Hürde sein, die die Branche nehmen muss.


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Journalistin und Online-Redakteurin. Schreibt über Marken und Markenmacher in Healthcare, über Pharma- und Social-Media-Kommunikation.

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