Schön Klinik ist ein ausgezeichneter Arbeitgeber

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© Schön Klinik

Die Schön Klinik wurde als bester Arbeitgeber ausgezeichnet. Was macht die Klinik anders als andere Krankenhäuser und kann man von ihr lernen?

Gute Arbeitgeber finden schneller neue Fachkräfte und haben weniger Personalfluktuation. Das wissen auch Philipp Hämmerle, Klinikleiter und Ferry Uhlig, Personalleiter der Schön Klinik Berchtesgadener Land. Sie legen großen Wert auf die Mitarbeiterzufriedenheit, offene Kommunikation und Transparenz. So halten sie nicht nur Personal, sondern gewinnen auch neues hinzu.

Health Relations: Sie haben beim Wettbewerb „Beste Arbeitgeber Gesundheit & Soziales“ den 1. Platz erreicht. Was macht Sie zu einem ausgezeichneten Arbeitgeber?

Philipp Hämmerle: Eine ernst gemeinte Mitarbeiter-Orientierung ist sicherlich das A und O, um ein guter Arbeitgeber zu sein. Ich möchte nicht behaupten, dass bei uns alles eitel Sonnenschein ist, aber ich glaube, dass wir uns über die Jahre dahin entwickelt haben, dass wir es geschafft, haben eine Kultur des gegenseitigen Vertrauens aufzubauen. Und Vertrauen schaffen wir durch Transparenz, also durch eine offene Kommunikation. Und indem wir versuchen, die Mitarbeiter in Entscheidungen miteinzubeziehen. Wenn die Mitarbeiter zufrieden sind und Spaß an ihrer Arbeit haben, steigt die Leistungsbereitschaft, und das spüren wiederum die Patienten. Am Ende macht das eine Klinik erfolgreich.

Ferry Uhlig: Die Mitarbeiterzufriedenheit sollte in einem Unternehmen einen ebenso hohen Stellenwert haben wie die Zufriedenheit der Kunden, also in unserem Fall die der Patienten, die Qualität der medizinischen Versorgung und die Wirtschaftlichkeit. Ich denke, dass wir genau dies in unserer Klinik tun und wir uns somit immer wieder auf einer Gratwanderung befinden, auf welcher wir zwischen diesen Unternehmenszielen abwägen und Entscheidungen treffen müssen. Unser Erfolg zeigt, dass wir hierfür das richtige Maß ansetzen, indem wir Mitarbeiter in Entscheidungen einbeziehen, transparent und offen kommunizieren.

Health Relations: Was tun Sie, um Ihre Mitarbeiter zufriedenzustellen und zu halten?

Die Schön Klinik wurde als bester Arbeitgeber ausgezeichnet.
Philipp Hämmerle ist Klinikleiter der Schön Klinik Berchtesgadener Land. © Schön Klinik

Philipp Hämmerle: Wir haben festgestellt, dass sich die Bedürfnisse der Mitarbeiter in den letzten Jahren verändert haben. Eine gute Vereinbarkeit von Freizeit und Berufsleben haben deutlich an Stellenwert gewonnen, genauso wie das Bedürfnis, einen sinnvollen und wichtigen Beitrag innerhalb der Organisation leisten zu können. Das versuchen wir zu fördern, aber auch zu fordern. Wir haben Möglichkeiten geschaffen, bei denen sich die Mitarbeiter aktiv einbringen können. Und wir versuchen, je nach Interesse der Mitarbeiter, diesen Dialog zu nutzen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Ferry Uhlig: Ein konkretes Beispiel sind die fachbereichs- und hierarchieübergreifenden Workshops mit unseren Führungskräften, in denen wir einerseits einen Austausch untereinander anregen, aber auch konkretes Handwerkszeug für eine gute Führung mit an die Hand geben. Die qualitativ gute Durchführung von regelmäßigen Mitarbeitergesprächen unterstützt dabei das Wissen, wo mein Mitarbeiter steht, was er vor hat und wie ich ihn dabei unterstützen kann. Aus solchen Gesprächen leiten wir Maßnahmen wie Fortbildungen, Projektarbeit, veränderte Arbeitszeitmodelle, Vergütungsanpassungen u.v.m. ab.

„Unser Erfolg zeigt, dass wir hierfür das richtige Maß ansetzen, indem wir Mitarbeiter in Entscheidungen einbeziehen, transparent und offen kommunizieren.“

Health Relations: Sie haben gute Strategien, um Mitarbeiter zu halten, aber was tun Sie, um neue zu werben?

Philipp Hämmerle: Ich denke, dass wir mit dem, was wir nach außen kommunizieren, auch innerhalb unserer Klinik überzeugen müssen. Das ist Grundvoraussetzung dafür, dass unsere Mitarbeiter von unserer Klinik als sehr guter Arbeitgeber überzeugt sind und uns in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis weiterempfehlen. Wir als Arbeitgeber unterstützen dies, indem wir ihnen eine Software zur Verfügung stellen, die es leicht macht, Informationen und Stellenangebote zu verteilen. Natürlich wird eine erfolgreiche Empfehlung auch mit einer Prämie honoriert.

Die Schön Klinik wurde als Bester Arbeitgeber ausgezeichnet.
Ferry Uhlig ist Personalleiter der Schön Klinik Berchtesgadener Land. © Schön Klinik

Ferry Uhlig: Ein zweiter und entscheidender Aspekt ist, dass wir Bewerbern gegenüber serviceorientiert und transparent auftreten. Hierzu zählt u.a., dass man den Arbeitsplatz, die Tätigkeit und die Kollegen im Rahmen einer Hospitation kennenlernt. Nichts anderes würde man ja auch tun, wenn man sich ein Auto kauft und man vorher eine Probefahrt macht.

Health Relations: Was können andere Kliniken von Ihnen lernen?

Ferry Uhlig: Vielleicht von unseren Erfahrungen im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Wir haben seit vielen Jahren ein hoch engagiertes und speziell ausgebildetes Team an Gesundheitskoordinatoren und -lotsen, welche im Jahr verschiedene Gesundheitsangebote/-maßnahmen organisieren und umsetzen. Dieses Jahr haben wir zudem neu eine Bonuskarte eingeführt, mit der sich die Mitarbeiter die Teilnahme an Maßnahmen bestätigen lassen können. Am Jahresende erhalten sie dann daraufhin eine Zeit-Gutschrift, also freie Stunden. Hat ein Mitarbeiter beispielsweise an acht Maßnahmen teilgenommen, erhält er eine Gutschrift von vier Stunden. So schaffen wir einerseits einen Anreiz und lassen die Mitarbeiter dennoch nicht komplett aus der Verantwortung.

Health Relations: Was ist Ihre Erfahrung – was ist Ihren Mitarbeitern besonders wichtig, damit sie sich an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen?

Ferry Uhlig: Wie Herr Hämmerle bereits eingangs erwähnt hat, ist unseren Mitarbeitern nicht nur wichtig, ihre Freizeit mit ihrer Arbeit in ein optimales Verhältnis zu bringen – das ist mitunter sogar eine Grundvoraussetzung für einen Arbeitsplatz, an dem sich Mitarbeiter wohlfühlen. Tatsächlich gibt es in unserer Klinik einen sehr hohen Anteil an Teilzeitbeschäftigten und einen noch höheren Anteil an individuellen Arbeitszeitmodellen. Zudem spüren unsere Mitarbeiter und auch Bewerber und Patienten die gelebte „Familienkultur“. Ob man gemeinsam ungezwungen einen Kaffee trinkt, mal über die Bergtour am Wochenende „ratscht“ oder einander hilft- gerade dort, wo Mitarbeiter neu im Unternehmen sind, und vor allem über die Abteilungsgrenzen hinaus.

Health Relations: Welche Rolle spielt Ihre Führungskultur?

Die Schön Klinik Berchdesgardener Land ist ein ausgezeichneter Arbeitgeber.
Die Schön Klinik Berchdesgardener Land ist ein ausgezeichneter Arbeitgeber. © Schön Klinik

Philipp Hämmerle: Ich würde sagen: Natürlich spielt die Führungskultur eine große Rolle, aber viel spannender ist ja eigentlich die Frage: Was verbirgt sich dahinter? Was macht eine gute Führungskultur aus? Und mit den Führungskräften diese Fragen zu diskutieren, ist nach meinem Verständnis schon der erste Schritt zu einer guten Kultur. Wir haben diesen Dialog vor einigen Jahren angefangen, sind aber auch sicher noch nicht am Ende bzw. glaube ich, dass die Antworten auf diese Fragen ständig neu diskutiert werden müssen und sich im Zeitverlauf auch sicher ändern werden.

Health Relations: Wie würden Sie Ihre Führungskultur beschreiben?

Ferry Uhlig: Wir haben über die Jahre hinweg – auch durch personelle Kontinuität – eine gewisse Stabilität erzeugt, die den Mitarbeitern dahingehend hilft, dass sie sich gegenseitig aufeinander verlassen können und wissen „wie der andere tickt“. Auch das schafft Vertrauen und damit schließt sich der Kreis zum Eingangsstatement von Herrn Hämmerle. Gegenseitiges Vertrauen muss erarbeitet sein und schafft die Grundlage einer guten Zusammenarbeit. Das versuchen wir jeden Tag umzusetzen.


Die Schön Klinik ist die größte familiengeführte Klinikgruppe Deutschlands und behandelt gesetzlich und privat versicherte Patienten. Seit der Gründung durch die Familie Schön im Jahr 1985 hat sich die Klinik auf die medizinischen Schwerpunkte Psychosomatik, Orthopädie, Neurologie, Chirurgie und Innere Medizin spezialisiert. Inzwischen arbeiten 10.600 Mitarbeiter an 26 Standorten in Deutschland und Großbritannien für die Klinikgruppe.

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