Teilzeit für Ärzte: Wie Jobsharing im Krankenhaus Buchholz gelingt

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Neue Arbeitsmodelle sind in der Medizin auf dem Vormarsch. Älter werdende Mitarbeiter und der Facharztmangel machen Krankenhäusern in ganz Deutschland zu schaffen. Wollen sie neue Mitarbeiter gewinnen, müssen sie sich etwas einfallen lassen, um sich als guten Arbeitgeber darzustellen.

Ein vielversprechender Ansatz ist das Angebot von Jobsharing. Dabei teilen sich zwei Ärzte einen Arbeitsplatz. Am Krankenhaus Buchholz wird eine Vakanz in der chirurgischen Notaufnahme als mögliche Vollzeit- oder als jeweils eine halbe Stelle ausgeschrieben. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass derzeit in bestimmten Fachrichtungen der Markt geradezu leergefegt ist, und da muss man e infach schauen, wie man als Arbeitgeber attraktiv für Bewerber bleibt“, sagt Dr. Ellen Douglas, Geschäftsführerin der Krankenhaus Buchholz und Winsen Dienstleistungs-GmbH. Einer der Chefärzte im Haus hatte bemerkt, dass sich einfach nicht genug Ärzte auf Vollzeitstellen bewerben und daraufhin vorgeschlagen, Arbeitsangebote in Teilzeit auszuschreiben.

Jobsharing-Modell stößt auf Interesse bei Bewerbern

Dr. Ellen Douglas ist Geschäftsführerin der Krankenhaus Buchholz und Winsen Dienstleistungs-GmbH.

Die Resonanz ist positiv. „Dadurch haben wir wieder Bewerber, die überhaupt Interesse zeigen und anfragen“, berichtet Douglas. Dabei sind es keineswegs nur weibliche Ärzte, die sich für eine Teilzeitstelle interessieren. „Gerade bei den Ärzten gehen extrem viele männliche Kollegen auch lange in die Elternzeit“, gibt die Geschäftsführerin zu bedenken. Daher seien solche Arbeitsmodelle auch für männliche Mitarbeiter eine Option.

Für das Krankenhaus bedeutet das Jobsharing zunächst einmal Mehraufwand: So müssen gleich zwei neue Mitarbeiter eingearbeitet werden, und für mehr Mitarbeiter fallen auch mehr Verwaltungskosten an, aber „das ist immer noch besser, als wenn wir gar keinen für den Job hätten“, bringt es Douglas auf den Punkt. Sie muss schließlich auch an das übrige Personal im Krankenhaus denken, das andernfalls weiterhin überlastet ist und schlicht die Arbeit der unbesetzten Stelle übernehmen muss. „Da nimmt man die Mehrarbeit gerne in Kauf“. Positiv wiederum sei, dass ein Teilzeitmitarbeiter, der krank werde, eben auch nur mit einer halben Arbeitszeit ausfalle und womöglich durch den Kollegen, mit dem er sich die Stelle teilt, bestmöglich vertreten werden könne.

Nach Wunsch nur drei Tage die Woche oder nur Nachtdienste

Grundsätzlich ist das Krankenhaus Buchholz bei der Arbeitszeitgestaltung der Teilzeitstelle flexibel: Wer halbe Tage arbeiten will, kann das ebenso tun wie jemand, der lieber mehrere volle Tage kommt und dafür den Rest der Woche zu Hause bleiben kann. „Oder man macht nur Nachtdienste. Gerade im ärztlichen Dienst bieten sich viele unterschiedliche Modelle an“, findet Douglas. In einer Vorreiterrolle sieht sich die Geschäftsführerin allerdings nicht: „Wir machen das schlichtweg, weil das der Markt anders nicht mehr hergibt.“ Krankenhäuser müssten einfach offen für neue Lösungen sein und pragmatisch denken, wenn sie noch genug Personal finden wollen.

Im Krankenhaus Buchholz setzt man für die Fachkräftegewinnung aber nicht nur auf eine Strategie, sondern vielmehr auf ein Maßnahmenpaket. So werden neue Mitarbeiter unter anderem bei der Wohnungssuche unterstützt, und es gibt Zuschüsse zu den Abonnements der öffentlichen Verkehrsmittel. Außerdem betreibt die Klinik einen Kindergarten, der zwar auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Aber es gibt eine Anzahl an Plätzen, die für die Kinder der Klinikmitarbeiter reserviert sind. Die Öffnungszeiten orientieren sich stark an den Arbeitszeiten im Krankenhaus, und so können Kinder beispielsweise bereits um sechs Uhr morgens gebracht werden, damit die Eltern am Schichtdienst teilnehmen können. Douglas‘ Fazit: „Wir müssen uns etwas einfallen lassen, um an Personal zu kommen und Wege in Betracht ziehen, die wir früher vielleicht nicht gegangen wären.“ Aber die Maßnahmen scheinen zu wirken: Immerhin gibt es nun mehr Bewerber, die sich für eine Anstellung am Buchholzer Krankenhaus interessieren.

Titelbild: © Krankenhaus Buchholz

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