Tinnitracks: 7 Tipps für eine erfolgreiche eHealth-App

400

„Tinnitracks“ ist eine App, mit der die Lieblingsmusik eines Tinnitus-Patienten um die individuell störenden Frequenzen bereinigt werden kann. Gleichzeitig ist sie ein gutes Beispiel für das erfolgreiche Bekanntmachen einer eHealth-Anwendung.

Wer einen Tinnitus hat, hört ständig einen bestimmten Ton, der bei jedem Betroffenen anders ist – „Tinnitus aurium“ ist lateinisch für „das Klingeln der Ohren“. Neben konventionellen Behandlungsmethoden hat sich in den letzten Jahren das sogenannte Tailor-made notched music training (TMNMT) etabliert. Bei dieser Musiktherapie wird die jeweilige Tinnitus-­Frequenz bestimmt, um diese aus der Lieblingsmusik des Patienten herauszufiltern; der Patient muss die so veränderte Musik mehrere Stunden am Tag hören. Schon 2009 hatten Forscher der Universität Münster dieses Konzept zur Behandlung des Tinnitus vorgestellt: Durch diese frequenzgefilterte Musik kann die empfundene Lautstärke des Tinnitus, die Tinnitusaktivität der Nervenzellen sowie die psychologische Belastung bei Tinnitus-Patienten reduziert werden. Genau dieses Filtern erledigt zum Beispiel die Smartphone-App „Tinnitracks“.

So funktioniert „Tinnitracks“

Eine App gegen Tinnitus: TinnitracksNeben der individuellen Filterung der persönlichen Musik analysiert Tinnitracks jeden Musiktitel, ob dieser zur Behandlung geeignet ist. Das Ergebnis der Analyse wird dem Nutzer in farblicher Form mitgeteilt: Eine rote Ampel symbolisiert ein wenig oder kaum geeignetes Musikstück, eine grüne Ampel ein gut geeignetes Musikstück. So kann sich der Tinnitus-Patient selbst eine geeignete Playlist zusammenstellen. In der kostenlosen „Lite“-Lizenz kann der Nutzer fünf Musiktitel filtern lassen, für 539€ gibt es die Jahreslizenz mit beliebig vielen Titeln.

Anbieter ist die Hamburger Sonormed GmbH, ein junges Medizintechnik-Unternehmen mit Schwerpunkt digitale Audiologie.

Erfolgsfaktoren einer Healthcare-App

So eine Anwendung wird allerdings nie ihre Nutzer finden, wenn zwei Faktoren fehlen: Aufmerksamkeit und das Zusammenarbeiten der an der Behandlung beteiligten Stellen. Am Beispiel von Tinnitracks lässt sich das gut verdeutlichen – diese Punkte sollten Sie beherzigen, wenn Sie eine erfolgreiche Healthcare-App planen:

  1. Auszeichnungen einheimsen
    Sonormed hat von Anfang an mit Tinnitracks an diversen Wettbewerben teilgenommen und zum Beispiel den Großen Preis des berühmten Startup-Wettbewerbs „South by Southwest (SXSW) Accelerator“ in der Kategorie „Digital Health & Life Sciences Technologies“ gewonnen. Nehmen Sie an relevanten nationalen und internationalen Wettbewerben teil – das schafft Aufmerksamkeit.
  2. Verbunde schaffen
    2015 trat Sonormed dem Bundesverband Internetmedizin (BiM) bei. Der Verband versteht sich selbst als „zentrale Plattform für den fachlichen Austausch zwischen Leistungserbringern und Ärzten, Kostenträgern und Anbietern von internetmedizinischen Leistungen“ und ist somit der beste Marktplatz, um Kontakte zu knüpfen.
  3. Namhafte Partner finden – in der Industrie…
    Für einen begrenzten Zeitraum war die Tinnitracks-Lizenz und der passende Sennheiser-Kopfhörer im Bundle erhältlich; unter www.sennheiser.de/tinnitracks gab es sogar einen gemeinsamen Webshop.
  4. … und in der Influencer-Welt
    2015 konnte Sonormed den aus Internet und Fernsehen bekannten Online-Mediziner „Dr. Johannes“ Wimmer für Tinnitracks gewinnen, um die Nutzer virtuell zu begleiten – seine Aufmunterungsvideos bekommt der Nutzer zugeschickt. „Dr. Johannes ist der ideale Partner“, erklärte Geschäftsführer Jörg Land in der passenden Pressemitteilung. „Er verknüpft auf professionelle und vertrauensvolle Weise medizinisches Wissen mit digitaler Kompetenz – und bleibt dabei unkompliziert und sympathisch.“ Dass Dr. Wimmer außerdem Tausende Follower auf Facebook, Twitter und Youtube hat, ist der gemeinsamen Medienpräsenz nur zuträglich.
  5. Healthcare-Partner finden
    Speziell in der eHealth-Welt kommt eine erfolgreiche Anwendung nicht ohne Branchenpartner aus, die den Behandlungsablauf unterstützen: Als erste private Krankenversicherung übernahm die AXA die Kosten für Tinnitracks, viele weitere private und gesetzliche Versicherungen folgten. Auf tinnitracks.com kann man außerdem nach teilnehmenden Fachärzten suchen, für die die „Tinnimatch“-App zur Frequenzbestimmung angeboten wird. Des Weiteren kooperiert Sonormed mit dem Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT, um die App noch stärker an die individuellen Bedürfnisse Tinnitus-Betroffener anzupassen.
  6. Produkt zum Patent anmelden
    Wenn ihr eHealth-Produkt neuartig und schützenswert ist, sollten sie es zum Patent anmelden, bei internationaler Konkurrenz auch in den USA. Die Sonormed-Gründer Jörg Land, Adrian Nötzel und Matthias Lanz haben das Tinnitracks-Verfahren schon angemeldet, bevor sie damit an den Markt gegangen sind. Ein Patent oder eine -Anmeldung sorgt für zusätzliches Vertrauen beim Kunden.
  7. Klappern gehört zum Handwerk
    All diese Bemühungen nutzen natürlich nicht viel, wenn niemand davon erfährt. Für Sonormed rührt die Hamburger Kommunikationsagentur Hoschke & Consorten die Werbetrommel. Außerdem ist Tinnitracks auf Google+, Facebook und Twitter zu finden, und Jörg Land gibt gerne Interviews oder steht für Diskussionen bei Branchenveranstaltungen wie der Digital Health Conference zur Verfügung.

Wenn Sie diese sieben Punkte berücksichtigen, sollte dem Erfolg Ihres eHealth-Produkts eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Mehr Inspiration finden Sie natürlich hier auf Health Relations – zum Beispiel zum Thema Digitale Technologien.

Screenshot: © Sonormed GmbH
Beitragsbild: © istock.com/littlehenrabi

1 KOMMENTAR

  1. Nach 485 TagenTinnitracks keinerlei Besserung erzielt. Bin sehr enttäuscht.Ausser den hohenn Kosten nichts gebraucht.
    Ich kann und werde es nicht weiter Entpfehlen!

SCHREIBE EINEN KOMMENTAR

Please enter your comment!
Please enter your name here