Junge Ärzte – bei welcher Wochenarbeitszeit stimmt die Work-Life-Balance?

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© Photographee.eu / Adobe Stock

Ein familienfreundlicher Arbeitsplatz, eine gute Work-Life-Balance  mit flexiblen Arbeitszeiten – ja, aber junge Ärzte wollen  mehr. Diese sechs Punkte sind ihnen wirklich wichtig. Erfüllt Ihr Klinikum sie?

Junge Ärzte direkt nach dem Studium zu rekrutieren, ist für Kliniken sehr attraktiv.  Doch der Nachwuchs wird nicht lange bleiben, wenn er sich nicht wohl fühlt – denn aufgrund des Fachkräftemangels stehen ihm genügend andere Klinik- und Praxistüren offen. Wichtig ist es also zu wissen, worauf die „Generation Z“ Wert legt.

Selbst gestalten können

Mit den aktuellen Arbeitsbedingungen sind die meisten Assistenzärzte nicht zufrieden. Das geht aus der Umfrage „Assistenzärzte im Hartmannbund 2018/2019“ mit rund 1400 Teilnehmern hervor. Sie möchten sich aktiv in das Klinikgeschehen einbringen, doch nur die wenigsten (5 Prozent) berichten davon, dass  ihre Ideen unkompliziert ausprobiert und übernommen werden. Die Hälfte kann sich „gelegentlich“ einbringen, rund ein Drittel gar nicht, weil „die Atmosphäre“ nicht besteht oder der passende Ansprechpartner fehlt. Kliniken können darauf reagieren, indem sie ihre Mitarbeiter strukturiert in Entscheidungs- und Veränderungsprozesse einbeziehen In abteilungs- und hierarchieübergreifenden Teams wächst zudem das Verständnis für andere. Auch ein Austausch zwischen verschiedenen Häusern einer Klinik auf „allen Ebenen“ ist hilfreich, um neue Ideen zu entwickeln.

Einfach und schnell kommunizieren

© Klinikum Bielefeld (Screenshot Facebook)

Die jungen Ärzte gehören mehrheitlich zur sogenannten „Generation Z“, sie sind also mit dem Internet groß geworden und kommunizieren in ihrer Freizeit mobil über WhatApp, Snapchat, YouTube und Instagram. Im Klinikalltag fehlen ihnen oft die adäquaten digitalen Kommunikationstools: „Anders als bei medizinischen Tools herrscht im Bereich der Kommunikation ein echter Need unter der Ärzteschaft“, sagt Emily Andreae, Vorsitzende des E-Health Arbeitskreises der BITKOM gegenüber Health Relations. Die jungen Ärzte bringen also eine hohe Affinität für Social Media mit. Kliniken erreichen diese Zielgruppen über Digital Storytelling. Gleichzeitig können sie Mitarbeiter ins Personalrecruiting via Social Media einbeziehen, wie die aktuelle  Kampagne „#TeildesGanzen“ des Klinikums Bielefeld zeigt. Die persönliche Kommunikation im Team bewerten die Assistenzärzte überwiegend als gut bzw. ausgewogen, oft fehlt ihnen allerdings die Zeit dazu.

Digitale Möglichkeiten nutzen

Die Online-Patientenakte und die Online-Sprechstunde sind ebenso wie die Online-Terminvereinbarung heute noch nicht Standard in den Kliniken. Viele Prozesse sind digitalisiert, aber ineffizient, sagt die Mehrheit (62 Prozent) der befragten Assistenzärzte. So müssen z. B.  Dokumente eingescannt werden oder es wird zunächst handschriftlich dokumentiert, und erst im zweiten Schritt dann am Computer. Bislang wird aber versäumt, die Generation Z in die Umsetzung der Digitalisierung einzubeziehen.  Durch neue digitale Technologien bekommen Ärzte auch bei der Behandlung mehr Möglichkeiten an die Hand. In der Telemedizin starten Kliniken zudem erste Pilotprojekte.  Auf der Digitalisierung ruhen große Hoffnungen der jungen Ärzte.  Nahezu alle befragten 20- bis 29-jährigen Ärzte (93 Prozent) sehen sie als Chance für das Gesundheitswesen (Quelle: Gesundheit 4.0 Bitkom Research/ Hartmannbund, 2017). Wer als Klinik in der Digitalisierung vorne mitspielt, punktet sicher auch bei den jungen Ärzten.

Persönliche Zufriedenheit erreichen

Den meisten Medizinstudenten und späteren Ärzten ist die persönliche Zufriedenheit wichtiger als Geld, Erfolg und eine bestimmte berufliche Position. Chefarzt wollen gerade mal 4 Prozent der Assistenzärzte werden.  Für die meisten steht die Vereinbarkeit von Job/Familie und Freizeit weit oben auf der Prioritätenskala.

Hier hat sich bereits einiges getan: die Kliniken werben mit ihrer guten Work-Life-Balance, betriebseigenen Kindergärten, die auch während der Schulferien geöffnet sind und bieten Gesundheitskurse für ihre Mitarbeiter. Es darf aber nicht bei Worten bleiben. Die Hartmannbund-Umfrage unter Assistenzärzten zeigt, dass aktuell oft Pausenzeiten nicht eingehalten werden können und die tatsächliche Arbeitszeit von der zulässigen abweicht. Interessant: Mit einer Wochenarbeitszeit zwischen 36 und 42 Stunden ist die Work-Life-Balance für die meisten gegeben.

Gute Begleitung in der Weiterbildung

Entscheidend für ein selbständiges Arbeiten ist eine gute Einarbeitung . Junge Mediziner legen  Wert auf eine gute fachliche Begleitung während ihrer Weiterbildung zum Facharzt.  Mehr als die Hälfte der befragten Assistenzärzte ist mit der Qualität und dem Umfang ihrer Einarbeitung unzufrieden. Wer eine gute Einarbeitung bietet, sollte damit offensiv in Stellenanzeigen und auf Karrieremessen werben. Ein Beispiel: Das Klinikum Schloß Winnenden sucht einen Assistenzarzt und schreibt in der Stellenbeschreibung „Wir bieten Ihnen: Vollständige Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, die eine gute Anleitung und Begleitung durch die Weiterbildungsbildungszeit inklusive Rotation in alle Bereiche beinhaltet (sowie die)  Übernahme der Kosten der Facharztweiterbildung und Beteiligung an den Umzugskosten.“

Flexible Arbeitszeitmodelle

© Asklepios

Zur persönliche  Zufriedenheit zählt auch die Flexibilität beim Arbeitszeitmodell (Voll- / Teilzeit).  Kliniken können bei Bewerbern damit punkten, wenn sie entsprechende Teilzeitmodelle anbieten. Wie das in der Kommunikation aussehen kann, zeigt diese Anzeige von des MVZ Bayern-Bad Abbach (Asklepios): Die Stelle wird in Teilzeit angeboten und das Thema Familie im Bild und im ersten Satz der Anzeige aufgegriffen. Rund 40 Prozent der vom Hartmannbund befragten Assistenzärzte fürchten „berufliche Nachteile und große Hindernisse“ bei einem Wechsel von Voll- auf Teilzeit.

 

 

 

 

leitet die Health Relations-Redaktion und berichtet über Trends in der Medizin und Zahnmedizin sowie über Clinical Recruiting.

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