Familienfreundlichkeit am Paracelsus-Klinikum – wie überzeugt das die Ärzte?

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Für die Paracelsus-Kliniken ist Familienfreundlichkeit Teil der Unternehmensstrategie.
Martin Schlie ist Personalleiter bei den Paracelsus-Kliniken. © Paracelsus-Kliniken

Für die Paracelsus-Kliniken ist Familienfreundlichkeit Teil der Unternehmensstrategie. Mit Erfolg: Auch in Krisenzeiten können sie Mitarbeiter halten. Für ihr Konzept haben sie kürzlich das Zertifikat „berufundfamilie“ der Hertie-Stiftung erhalten. Was macht das Unternehmen richtig?

Martin Schlie, Personalleiter bei den Paracelsus-Kliniken, erklärt die Strategie des Unternehmens so: „Familienfreundlichkeit ist zentrales Anliegen bei Paracelsus und Teil unserer strategischen Unternehmensplanung. Verbundenheit und Geborgenheit, Offenheit und Neugier, wertschätzendes Miteinander und die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln: Das sind Werte, an denen wir unser Handeln orientieren.“ Voraussetzung dafür sei,  flexibel, kreativ und pragmatisch zu agieren und sich auf die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter einzustellen.

Bausteine für Familienfreundlichkeit

• Die Kliniken arbeiten ständig an Verbesserungen und setzen auf verschiedene Maßnahmen, die in 2020 zur Verbesserung der Familienfreundlichkeit beigetragen haben:

•  Flexible Arbeitszeiten, Möglichkeit zum mobilen Arbeiten bzw. Homeoffice, Wunschdienstpläne ermöglichen eine bessere Balance zwischen Arbeiten und Familienzeit.

• Einführung von ATOSS als digitales Arbeitzeitmanagement-Tool mit Employee Self Services: Urlaubsanträge oder Arbeitszeitveränderungen werden komfortabel mit wenigen Klicks gestellt, wodurch Wunschdienstpläne leichter und verlässlicher sichergestellt werden können.

Weiterbildung wird in den Paracelsus-Kliniken gefördert. Mit einer unternehmenseigenen Bildungsakademie können sich Mitarbeitern sowohl fachlich als auch bei Themen wie Arbeitsorganisation, Mitarbeiterführung, Gesprächsführung, persönlichem Gesundheitsmanagement etc. weiterbilden. Alle Mitarbeiter, insbesondere natürlich die Mitarbeiter im ärztlichen Dienst haben seit Kurzem Zugriff auf ein digitales Wissensmanagement. So wird medizinisches Fachwissen immer und überall verfügbar gemacht. Das Portfolio umfasst medizinische und pflegerische E-Books, E-Zeitschriften und weitere digitale Wissensquellen.

• Neue Mitarbeiter werden bei der Suche nach Wohnraum unterstützt. An manchen Standorten können die Kliniken selbst Wohnraum zur Verfügung stellen. Auch die lokale Zusammenarbeit mit Betreuungseinrichtungen ermöglicht es den dortigen Mitarbeitern, ihre Kinder professionell betreuen zu lassen.

  • Die jährliche freiwillige Grippeschutzimpfung wird am Arbeitsplatz angeboten, um die Mitarbeiter zu entlasten.

Wie in so vielen anderen Bereichen auch, hat sich das digitale Arbeiten in den Krankenhäusern in der Corona-Pandemie bei den Paracelsus-Kliniken als besonders bedeutsam für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie herausgestellt. Mobiles Arbeiten, die Ausstattung mit Hard- und Software und der Einsatz von Videokonferenzen gehörten vor allem auf der Verwaltungsebene schon länger zum Alltag. „Während der Krise waren insbesondere auch die Mitarbeiter des ärztlichen Dienstes die großen Profiteure der bereits weit vorangeschrittenen Digitalisierung bei Paracelsus“, berichtet Martin Schlie. Per Videokonferenz konnte der notwendige fachliche Austausch kontinuierlich auf- und ausgebaut werden, auch standortübergreifend. Informationen (z.B. Empfehlungen und Vorgaben seitens des zentralen Institutes für Krankenhaushygiene) werden so schnell kommuniziert und in regelmäßigen All-Hands-Meetings mit allen Führungskräften und weiteren Multiplikatoren diskutiert und erklärt.

Corona erfordert Flexibilität und Kreativität

Schließlich sorgt auch die Mitarbeiter-App für einen guten Informationsfluss rund um die Pandemie. Dabei waren die weitergegebene Informationen nicht nur auf das Berufliche beschränkt. „Neben fachlichem Austausch waren es zum Beispiel auch die Tipps zum Arbeiten im Homeoffice, Spiel- und Bastelanleitung für betreuende Eltern und ähnliche Inhalte, die besonders viel von den Mitarbeitern angeklickt wurden“, so der Personalleiter. Um die Mitarbeiter in ihrer oft belastenden Arbeitssituation zu entlasten, steht ihnen seit Ausbruch der zweiten Welle eine kostenlose psychologische Beratung durch einen erfahrenen externen Psychologen zur Verfügung.

Als während der ersten Welle im Frühling 2020 die Schulen schlossen, reagierte das Unternehmen und richtete je nach Bedarf eine Notfallbetreuung für die Kinder der Mitarbeiter ein. Dafür wurde auch schon einmal die Cafeteria zum vorübergehenden Kindergarten umgebaut.

„Mit Anfang dreißig entschied ich mich für ein Medizinstudium. Mein erstes Kind war da schon auf der Welt. Zwei weitere folgten während meines Studiums, welches ich ohne Unterbrechung durchgezogen habe. Von Hemer aus fuhr ich täglich zur Uni nach Bochum. Meine kleinen Kinder nahm ich zum Teil mit in die Vorlesung, gut geschützt im Tragetuch. Während meines Studiums hatte ich bereits meine Famulaturen und Praktika in der Paracelsus-Klinik Hemer absolviert. Chefarzt Dr. Dehnst kam dann auf mich zu und bot mir eine Stelle in der Chirurgie an. Ich war sofort begeistert, denn das Zusammenspiel mit den Kollegen ist super. Mir gefällt auch besonders die Vielseitigkeit der Ausbildung. Man kann von den Erfahrungen und Kenntnissen der Kollegen profitieren. Die persönlichen Wege sind kurz und die Arbeitsatmosphäre familiär.“

Anne Goldstein, Assistenzärztin Chirurgie Paracelsus-Klinik Hemer

Die Corona-Krise hat auch bei den Paracelsus-Kliniken Projekte in gewisser Weise forciert. So gehört die Digitalisierung von Arbeitsprozessen schon zuvor zu den strategischen Zielen. Seit Ausbruch der Pandemie hat die digitale Kommunikation und Zusammenarbeit innerhalb des gesamten Unternehmens jedoch einen gewaltigen Aufschwung genommen. „Unserem Ziel, als familienfreundlicher, moderner Arbeitgeber aufzutreten, sind wir damit ein gewaltiges Stück näher gekommen“, resümiert Martin Schlie. Er erzählt, dass man  viele der getroffenen Maßnahmen beibehalten möchte: So sollen die  ausgeweiteten Möglichkeiten zum Homeoffice bzw. mobilen Arbeiten weiterhin erhalten bleiben. Auch die Intensivierung der internen Kommunikation mit dem Ziel,  transparent und zeitnah kommunizieren zu können, steht weiterhin oben auf der Agenda. Während der Krise hat die Mitarbeiter-App durch die Übermittlung  von Inhalten, die für die Mitarbeiter eine echte Relevanz entwickelt haben, eine hohe Akzeptanz gewonnen. Das soll fortgeführt werden.

Wenn Martin Schlie sagen sollte, was sich gerade in den aktuell angespannten Zeiten bei Mitarbeitern als besonders wichtig herausgestellt hat, nennt er Wertschätzung, Respekt im Umgang und eine hohe Bindung an das Unternehmen. „Die Teams an den Standorten sind geprägt durch einen hohen Zusammenhalt und ein familiäres Miteinander, flache Hierarchien und bereichsübergreifendes Denken. Menschen, die ein solches Arbeitsklima schätzen, arbeiten gerne bei uns.“

Wertschätzung unternehmensintern und -extern zeigen

© Paracelsus (Screenshot, Facebook)

Wie wichtig Wertschätzung ist, haben zwei Kurzfilme gezeigt, die das Unternehmen während der Pandemie produziert hatt. Als Reaktion auf eine umstrittene Mini-Serie des Bundesfamilienministeriums unter dem Hashtag „Ehrenpflega“ wurden Mitarbeiter der Fachklinik in Düsseldorf vor die Kamera gebeten, die ihr Selbstverständnis von „echter Pflege“ darlegten. Mit Ausbruch der zweiten Welle richteten die Kliniken einen filmischen Appell an die Bevölkerung , sich an die Regeln zu halten. Dafür wurde auf einer Intensivstation und in der Notaufnahme einer Klinik gedreht. „Die beiden Filmproduktionen haben nicht nur extern für Anerkennung gesorgt, sondern sind explizit von den Mitarbeitern als ein Zeugnis hoher Wertschätzung wahrgenommen worden“, beschreibt Martin Schlie die Reaktionen auf die Videos. Ebenfalls auf positive Resonanz stoße das Mitarbeitermagazin „ParaDies&Das“ All dies zusammengenommen zeige  in der internen Öffentlichkeit, wie sehr die ‚Paracelsus Gesundheitsfamilie‘  mit Leben gefüllt sei, findet der Personalleiter.

Er berichtet, dass Mitarbeiter durchschnittlich elf Jahre bei den Paracelsus-Kliniken bleiben. „Das ist in unserer Branche sehr lange und sicherlich ein Zeichen von Zufriedenheit und Identifikation mit Paracelsus“. Als Zeichen der Wertschätzung will er auch verstanden wissen, dass das medizinsche und pflegerische Personal seine Arbeitszeit so frei wie möglich gestalten kann.  Dafür wird in die digitale Infrastruktur investiert, sodass die Mitarbeiter mehr Zeit für ihre Patienten haben. Außerdem ermöglicht das digitale Arbeitszeitprogramm eine leichtere Umsetzung verlässlicher Wunschdienstpläne.

„Psychologie zu studieren war seit dem Abitur in meinem Hinterkopf. Nach Ausbildungen zur Fremdsprachenkorrespondentin und Speditionskauffrau sowie Heirat und Familienplanung fing ich nach der Geburt meines ersten Sohnes bei Paracelsus in der Konzernzentrale an. Der Gedanke an meinen ursprünglichen Berufswunsch ließ mich aber nie los! Ich habe mit dem Arbeitgeber und meinen Kollegen gesprochen, sodass ich Studium, Arbeit und Familie unter einen Hut bringen konnte. Nach dem Abschluss konnte ich dann sogar innerhalb des Konzerns als Psychologin in die Bad Essener Kliniken wechseln. Mir hat Paracelsus individuelle und vielfältige Entwicklungen ermöglicht, das weiß ich zu schätzen“

Elke Rethmann Psychologin Paracelsus-Wiehengebirgsklinik Bad Essen

Zertifizierung als besonders familenfreundliches Unternehmen

Das Engagement als familienfreundliches Unternehmen haben sich die Paracelsus-Kliiniken kürzlich zertifizieren lassen. Um das Zertifikat „berufundfamilie“ möglichst früh in das Unternehmen hineinzutragen, wurden bereits zu einem frühen Zeitpunkt alle Standorte sowie die Unternehmenszentrale eingebunden. In Workshops, in denen alle Berufsgruppen vertreten waren, wurde, zunächst unter Moderation einer Vertreterin der Stiftung, die Familienfreundlichkeit des Unternehmens unter die Lupe genommen. Pflegebedürftige Angehörige, Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten waren unter anderem Themen, die auf der Agenda standen.

Die aus den Workshops abgeleiteten Zielvereinbarungen umfassen jeweils einen konkreten Zeitplan. Oben auf der Agenda stehen Schulungen zum Thema familienbewusste Führung, die Benennung von Familienbeauftragten an den Standorten und die weiteren Unterstützungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige. Mittlerweile sind für jeden Standort ein oder mehrere Familienbeauftragte gefunden, die sich bereits Ende 2020 in einem digitalen Workshop zusammengesetzt haben. Das Zertifikat haben die Kliniken im Oktober 2020 von der Hertie-Stiftung erhalten. Es gilt für für drei Jahre.

„Wir nutzen die Zielplanung als Managementtool, um unseren Weg zu einem familienfreundlichen Unternehmen gut und effektiv weiterzuverfolgen. Die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben ist eines der Schlüsselthemen, um neue Beschäftigte zu gewinnen und unsere Mitarbeiter jeden Tag aufs Neue von uns zu überzeugen“, fasst Martin Schlie zusammen.

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