Ready, Set, Goal: So gehen Healthcare-Apps mit Gamification

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Gamification bedeutet nicht nur, einer Anwendung ein paar verspielte Buttons zu verpassen. Lernen Sie, welche Erkenntnisse Sie umsetzen sollten, um Ihre Healthcare-App attraktiv zu machen.

Glückwunsch: Gerade wurde die App „Jourvie“ bei der Google Impact Challenge 2016 als Leuchtturm-Projekt ausgezeichnet. Die Anwendung hilft von Essstörungen Betroffenen, über ihr Essverhalten Buch zu führen (mehr zur App weiter unten). Die Google Impact Challenge bietet Vereinen die Chance, sich mit einer innovativen digitalen Idee zu bewerben: Apps, Social-Media-Aktionen oder Crowdfunding-Kampagnen. Die besten Vorschläge wurden von Google und einer Fachjury ausgewählt und zum Voting für die Öffentlichkeit freigegeben, Google.org spendierte den Gewinnern Geldpreise.

Auch wenn Ihre Health-App nicht direkt gemeinnützig ist, sollten Sie sich aber mit einem weiteren wichtigen Punkt auseinandersetzen: der Gamification. Um eine Anwendung so auszustatten, dass der Nutzer immer wieder gerne „spielt“, muss die App nicht unbedingt ein Spiel sein. Wichtig sind vielmehr diese Regeln nach Sebastian Deterding, Spielforscher und Designer:

1. Der User braucht die Herausforderung

Ist es zu einfach für den Nutzer, in Ihrer Anwendung erfolgreich zu sein, langweilt er sich. Ist es hingegen zu schwierig, fühlt er sich überfordert. Der Trick ist, genau den „Flow“-Faktor zu treffen, den Mihály Csíkszentmihályi schon 1975 beschrieb: das Gefühl zwischen Unter- und Überforderung, das eine Tätigkeit so befriedigend macht.

Unter Gamification-Aspekten ist es darüberhinaus wichtig, abwechselnde und gestaffelte Herausforderungen anzubieten – etwa in kleinen Events oder Monatssiegen. Dabei nie die Kern-Herausforderung aus den Augen verlieren!

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Beispiel:

Für Kassenpatienten: FitMit AOK [iTunes] [Google Play] [Webseite]

Klar wollen Krankenkassen mehr Informationen über ihre Mitglieder haben. Die AOK Nordost verbindet dieses Ansinnen allerdings charmant mit einer hübschen Anwendung: Im „digitalen Bonusheft“ kann der Nutzer seine Laufrunden tracken, seine Mitgliedschaft im Verein angeben und Vorsorge-Termine beim Arzt oder eine Blutspende vermerken. So lassen sich auf verschiedenen Levels Boni in Form von Geld, T-Shirts u.ä. und Charity-Spenden erspielen.

Gamification-Elemente: User steuert seine Herausforderung selbst; Levels

2. Ist Ihre App relevant?

Sie können die schönste App der Welt bauen – wenn der User sie nicht braucht oder nicht erkennen kann, warum sie für ihn relevant sein könnte, wird er sie nicht runterladen. Healthcare-Apps haben es hier ausnahmsweise mal einfacher, denn Anwendungen rund um die Gesundheit stehen ja eher mal unter Verdacht, nützlich zu sein. Nun müssen Sie nur noch ein Thema abdecken, das im Leben des Nutzers eine Rolle spielt – Beispiele finden Sie weiter unten.

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Beispiel:

Essstörungen behandeln mit Jourvie [Google Play] [Webseite]

Ein wichtiger Teil der Behandlung von Essstörungen ist das Protokoll, und diese App trackt wie ein Papierprotokoll Ort, Zeit, Begleitpersonen und Hunger- und Sättigungsgefühl. Die Essprotokolle können zum Ausdrucken exportiert oder als passwortgeschützte Datei an den Therapeuten verschickt werden.

Gamification-Elemente: Relevanz in der meist jugendlichen Zielgruppe

3. Erlauben Sie dem Nutzer, autonom zu sein

Neben dem generellen Gameplay sollte der User die Möglichkeit haben, einfach „rumzudaddeln“ – also etwa eigene Ziele aufzustellen und zu verfolgen oder nur einen kleinen Teil der Anwendung zu nutzen. Berücksichtigen Sie bei der Planung die Freiheit des Users, jenseits der Regeln zu experimentieren.

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Beispiel:

One Drop für Diabetes-Patienten [iTunes] [Webseite]

Mithilfe von Apples Open-Source-Programmierumgebung CareKit ist die App „One Drop“ entwickelt worden, mit der Diabetes-Patienten ihre Erkrankung „verwalten“ können. Blutzuckerwerte können genauso geloggt werden wie zum Beispiel Bewegungsdaten und Ernährung. Der Nutzer kann sich eigene Ziele setzen, sich mit anderen Nutzern austauschen und die Daten an seinen Arzt und an seine Familie weitergeben.

Gamification-Elemente: spielerisches Design, eigene Ziele


Smart Health: Health Games und Apps

Dass die Verbindung der Kreativ- und der Healthcare-Branche sehr sinnvoll sein kann, spricht sich langsam herum: Im April 2015 fand bereits zum zweiten Mal der Branchendialog CREATIVE.HEALTH statt. Dies ist der Videorückblick der Veranstaltung:

Zusammen können Kreative und die Gesundheits-Branche nützliche, schöne Gamification-Apps bauen. Jetzt schon nutzen laut der Bertelsmann Stiftung 29 % der Deutschen Health-Apps auf ihrem Smartphone – da geht doch noch was!

Ist seit 15 Jahren in den Digitalen Medien zuhause und berichtet für Health Relations über Marketing- und Recruiting-Trends.

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