7 Wochen Homeoffice: Wie halten Pharmaunternehmen ihre Mitarbeiter bei der Stange?

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Home Office work from home
© hakinmhan / Adobe Stock

Podcasts vom Chef, Online-Coachings in persönlichen Notlagen und virtuelle Kulturangebote – Pharmaunternehmen lassen sich einiges einfallen, um Teamgeist und Mitarbeitermotivation im Homeoffice dauerhaft zu stärken. Health Relations sprach mit Novo Nordisk, AstraZeneca und Bayer über Lösungen.

Aufgrund der Corona-Pandemie sitzt auch bei Pharmaunternehmen nahezu der komplette Innen- und Außendienst im Homeoffice. Ein Ende dieser Arbeitgeberempfehlung ist derzeit noch nicht absehbar. Mit anderen Worten: Unternehmen brauchen dauerhafte Lösungen, um die Nähe und Motivation zu Mitarbeitern aufrechtzuerhalten. So machen es Novo Nordisk, AstraZeneca und Bayer.

Novo Nordisk

Dr. Kristin Sattler, Director People & Organisation and Communications bei Novo Nordisk, © www.katrindenkewitz.de
Dr. Kristin Sattler, Director People & Organisation and Communications bei Novo Nordisk, © www.katrindenkewitz.de

Der Mainzer Pharmahersteller setzt neben einem intensiven informellen Austausch – wie virtuelle „Happy Hour Meetings“ mit fruchtigen Cocktails nach Feierabend oder gemeinsamen Fitnessangeboten im Livestream – vor allem auf eine lebendige Top-Down-Kommunikation. „Unser Geschäftsführer Jesper Wenzel Larsen meldet sich jede Woche mit Videobotschaften ‘Live vom Lerchenberg’“, so Dr. Kristin Sattler, Director People & Organisation and Communications bei Novo Nordisk. Dabei präsentiert er immer wieder einen neuen Überraschungsgast aus dem Managementteam, der über Aktuelles aus seinem Geschäftsbereich berichtet. Die Mitarbeiter haben anschließend die Möglichkeit, sich über das hauseigene Intranet dazu auszutauschen – und tun das laut Aussage des Unternehmens sehr ausgiebig. „Die Formate haben eine hohe Beteiligung“, sagt Kristin Sattler.

Nicht nur die interne Kommunikation, auch Lernangebote hat Novo Nordisk in den letzten Wochen ausgebaut. Die im HR-Bereich seit längerem geplante IT-Plattform „Digital Learning Managementsysteme“ führte das Unternehmen binnen weniger Wochen ein. Der Fokus liegt auf technischen Lerninhalten und soll noch mehr Interaktion möglich machen.

Wichtig bei allen digitalen Angeboten ist der Personalerin aber auch, „dass Mitarbeiter nicht durch eine ständige Online-Verfügbarkeit überlastet werden. Das kann sich demotivierend auswirken und hilft keinem“, sagt sie. Daher begleitet der Pharmakonzern seine Mitarbeiter auch in persönlichen Belangen. Beispielsweise durch Livestreams mit Fachexperten, die zum Umgang mit belastenden Situationen beraten.

AstraZeneca

Dr. Guido Hoesch, Personalleiter bei AstraZeneca,© Ulrike Schacht/AstraZeneca
Dr. Guido Hoesch, Personalleiter bei AstraZeneca,© Ulrike Schacht/AstraZeneca

Dr. Guido Hoesch, Personalleiter bei AstraZeneca, stellt „trotz der räumlichen Distanz eine ganz besondere Form des Zusammenhalts und des Teamgeistes“ fest. Was ist das Geheimrezept des  Pharmakonzerns?

Zum einen sei es neben den geschäftlichen Meetings das persönliche Miteinander in morgendlichen Kaffee-Chats, gemeinsamen virtuellen Mittagessen oder den Sportevents mit Trainer via Zoom, die eine ganz besondere Nähe schaffen. „Im Homeoffice bekommt man dabei natürlich noch einen persönlicheren Einblick in das Leben der Kollegen neben dem Job“, sagt Dr. Guido Hoesch.

Darüber hinaus sei die interne Kommunikation stark angewachsen, um die physische Distanz zu kompensieren. Dazu zählen bei AstraZeneca regelmäßige Zoom-Calls und Podcasts von der Geschäftsführung. Inhalt der Audio- und Videodateien sind beispielsweise Quartalsergebnisse, Veränderungen im Unternehmen oder auch mal persönliche Stellungnahmen zu diversen Themen. Wem etwas auf der Seele brennt, der kann die virtuelle Open Door – zu Deutsch Videosprechstunde – der HR-Abteilung nutzen. „Hier können Mitarbeiter ihre Sorgen und Nöte offen aussprechen“, so der Personalleiter.

Auch von externer Seite bekommen die Mitarbeitenden Informationen und Unterstützung. „Ärzte und Fachexperten referieren in Town Halls mitunter über Selfmanagement oder ‘New Ways of Working’“, erzählt Dr. Guido Hoesch. Externe Coaches beraten Führungskräfte in virtuellen 1:1-Sessions bei Themen wie virtueller Führung oder Vertrauensbildung trotz räumlicher Distanz. Inzwischen bietet AstraZeneca das Coaching-Angebot sogar für alle Mitarbeiter an. Dabei geht es vor allem darum, „die persönliche Situation näher zu beleuchten“, sagt der Personalleiter. Auch Lebenslagencoaching oder psychologische Hilfestellung sind jederzeit möglich. Mit dem pme Familienservice hat das Unternehmen einen externen Kooperationspartner für diese Belange gefunden, die vor allem in Krisenzeiten eine Rolle spielen.

Bayer

Markus Siebenmorgen, Pressesprecher der Bayer AG in Leverkusen, © Bayer AG
Markus Siebenmorgen, Pressesprecher der Bayer AG in Leverkusen, © Bayer AG

Täglich mehr als 130.000 Videokonferenzen finden bei Bayer derzeit statt. Dass die Corona-Krise der Digitalisierung im eigenen Konzern einen nachhaltigen Schub verleihen wird, daran hat Markus Siebenmorgen, Pressesprecher der Bayer AG in Leverkusen, keinen Zweifel. Sehen könne man das unter anderem an dem intensiven internationalen Austausch derzeit. „Unter dem Namen „Stronger Together“ haben wir eine Video-Reihe gestartet, in der Kollegen und Top-Manager aus zahlreichen Ländern mithilfe von Videochats von zu Hause über ihre Erfahrungen mit dem Homeoffice berichten“, so der Bayer-Sprecher.

Darüber hinaus bietet auch das Leverkusener Unternehmen zahlreiche Angebote für Mitarbeiter, die Zusammenhalt, Motivation und Teamgeist stärken sollen. Webcasts zu medizinischen Themen wie beispielsweise „Was macht Corona mit uns persönlich“ gehören hier ebenso zu wie Fitness-Übungen für zu Hause oder ein online-basiertes Kulturangebot unter dem Namen „StART Festival.“

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