KI in der Medizin: Was nützlich und leicht zu bedienen ist, bleibt

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Künstliche Intelligenz
© cofotoisme/ iStock

Digitale Technologien erobern immer mehr Bereiche der Medizin. Heute ist Künstliche Intelligenz (KI) zu einem echten Buzzword geworden. Aber wie wird die Technik Einzug in die Arbeit von Medizinern erhalten und was wünschen sie sich von ihr?

In der Zukunft wird smarte Technik Ärzt:innen unterstützen. „Dadurch werden sie mehr Zeit für Patient:innen haben und eine bessere Gesundheitsversorgung anbieten können“, ist sich Prof. Dr. Nassir Navab sicher. Der Chair of Computer Aided Medical Procedures an der Technischen Universität München sprach anlässlich des Symposiums „AI in Healthcare“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Prof. Dr. Nassir Navab, Chair of Computer Aided Medical Procedures an der Technischen Universität München, © privat

KI als Mittel, um medizinische Entscheidungen der Behandelnden zu unterstützen, indem diese zur richtigen Zeit, die relevanten, vorgefilterten Informationen bereitstellt. Darüber könnten Algorithmen anschlagen, wenn sie Anomalien erkennen oder möglicherweise gefährliche Abweichungen von leitliniengerechten Behandlungen. „KI kann Ärzt:innen nicht ersetzen, sondern sie unterstützen, sodass sie weniger Fehler machen.“ Darin sieht der Wissenschaftler die Zukunft medizinischer Arbeit. Er betont jedoch, dass der Nutzen für die Anwender:innen im Vordergrund stehen muss.

Augmented Reality für Operationen

Prof. Dr. Nassir Navab forscht mit seinem Team zu Informatikanwendungen in der Medizin und zu Augmented Reality. Im Fokus steht die Entwicklung von Technologien, die helfen, die Qualität medizinischer Eingriffe zu verbessern. Einen besonderen Nutzen von Augmented Reality sieht er in der Computer assistierten Chirurgie.

Chirurg:innen müssen während einer Operation oft millimetergenaue Arbeit leisten. Dazu blicken Sie heute in der Regel auf ein Röntgen- oder Kamerabild, das welches auf einem Monitor angezeigt wird, um ihre Arbeit zu kontrollieren. Mit Augmented Reality kann dies bald der Vergangenheit angehören. Dann könnte eine Operation nämlich so aussehen: Der oder die Chirurg:in setzt seine Datenbrille auf und blickt damit quasi direkt in den Körper des Patient:in. Und nicht nur das – er hat gleichzeitig auch noch wichtige Daten wie Vitalwerte, Röntgenbilder, Hinweise und Empfehlung im Blick, weil ihm diese auf die Brille gespielt werden. Dazu verschmelzen die Wissenschaftler per Computer vorher aufgenommene und aufbereitete Daten mit Kamerabildern aus der realen Umwelt. Damit das System eine Verbesserung bringt, sollte es leicht bedienbar sein und nicht zu viel störende Technik beinhalten.

Künstliche Intelligenz in der Radiologie

Dr. Peter Körte ist Strategie-Chef bei Siemens. © Siemens

KI hilft dabei, die immer höher werdenden Anforderungen mit immer komplexer werdenden Daten zu verbinden. Durch die Vereinfachung der Dateninterpretation durch hochmoderne KI-Algorithmen verbessert die diagnostischen Verfahren. Dennoch sollte es mit der menschlichen Erfahrung von Radiolog:innen und Kliniker:innen kombiniert werden. „Denn“, so betont Dr. Peter Körte, „derzeit ist es noch so, dass die Technik allein zu viele falsch positive Ergebnisse anzeigen würde.“

KI ist besonders da ein effektives Instrument, wo etwa Versorgungslücken geschlossen werden müssen. Der Siemens-Strategiechef bringt als Beispiel China an, wo es nicht genug Radiolg:innen gibt. Also setzt man hier auf die Technik. Denkbar wären Modelle, bei denen Radiologiezentren entstehen, in die Bilder und Scans zur Befundung geschickt werden und diese mithilfe von KI vordiagnostiziert und schließlich von einer Fachärztin oder einem Facharzt freigegeben werden.

KI: Nutzen steht im Vordergrund

Bei allen Vorteilen gibt Dr. Peter Körte  ebenso wie Prof. Dr. Nassir Navab zu Bedenken, dass KI-Systemen von Ärzt:innen nur dann angenommen werden, wenn diese so einfach wie möglich in der Bedienung sind. „One Click only ist schon zu viel“, so Dr. Peter Körtes Erfahrung.

KI steht erst am Anfang dessen, was die Technik leisten kann. Sicher ist jedoch, dass der Faktor „Mensch“ bei der breiten Implementierung solcher Anwendungen eine entscheidende Rolle spielt. Ärzt:innnen und Ärzte müssen eine echte Arbeitserleichterung erfahren und sie dürfen nicht das Gefühl bekommen, ersetzt zu werden. Dann werden sie die Lösungen auch nutzen und sie zu einer besseren Gesundheitsversorgung einsetzen können.


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Freie Journalistin im Medizin- und Gesundheitsjournalismus. Für Health Relations berichtet sie über digitale Entwicklungen, Marketing und die neuesten Trends in der Pharmabranche.

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