Christoph Thomé, BMS: „Nachhaltigkeit muss ein grundlegendes Element der Kerngeschäftsstrategie sein“

232
Christoph Thomé_BMS
Christoph Thomé ist Mitglied der Geschäftsleitung, Head of Commercial & Development Law Germany und Leiter der Arbeitsgruppe Ökologische Nachhaltigkeit bei Bristol Myers Squibb Deutschland, © BMS Deutschland

Bei Bristol Myers Squibb ist das Thema Nachhaltigkeit auf allen Ebenen angekommen. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden hat der Vorstand des Pharmaunternehmens ehrgeizige Ziele für die nächsten Jahre festgelegt.

Christoph Thomé ist Mitglied der Geschäftsleitung, Head of Commercial & Development Law Germany und Leiter der Arbeitsgruppe Ökologische Nachhaltigkeit bei Bristol Myers Squibb Deutschland. Im Interview berichtet er, wie BMS seine Nachhaltigkeitsziele erreichen will und warum Nachhaltigkeit zum Kerngeschäft gehört.

In diesem Beitrag erfahren Sie:

Health Relations: Sie setzen sich für das Thema Nachhaltigkeit ein. Warum ist das für Pharmaunternehmen wie BMS wichtig?

Christoph Thomé: Als ein weltweit führendes Biopharmaunternehmen sind wir uns unserer Verantwortung für Patient:innen, unsere Mitarbeitenden und unsere Communities bewusst – letztlich geht es dabei auch um die Förderung der Resilienz unseres Planeten. Unser Ansatz für Corporate Social Responsibility und damit auch für das Thema Nachhaltigkeit ist umfassend und global. Er umfasst die Herstellung unserer Medikamente sowie unsere Labore, Gebäude und Einrichtungen – und natürlich unsere Kolleg:innen und unsere Communinities. Es gehört zu unseren Unternehmenszielen bei Bristol Myers Squibb, eine gesündere Zukunft für unseren Planeten und seine Menschen zu schaffen.

Health Relations: Ist das Thema auch auf der Führungsebene angekommen?

Christoph Thomé: Nachhaltigkeit hat bei Bristol Myers Squibb auf allen Ebenen Priorität, vom Vorstand über alle Führungsebenen hinweg bis hin zu jedem einzelnen Mitarbeitenden. Unser Vorstand hat gemeinsam mit dem Management unser Governance-Modell und den Rahmen für die Offenlegung klar definiert. Damit wird sichergestellt, dass unsere Umwelt-, Sozial- und Governance-Strategie vollständig auf unsere Unternehmensstrategie abgestimmt ist und sich angemessen auf die entscheidenden Risiken und Chancen fokussiert.

Wir kommunizieren unsere globalen Nachhaltigkeitsziele seit vielen Jahren extern.

Health Relations: Welche konkreten Ziele haben Sie sich als Unternehmen gesetzt?

Christoph Thomé: Im Jahr 2020 haben wir unsere ökologische Nachhaltigkeitsziele für die Jahre 2030 und 2040 definiert, die sehr ehrgeizig sind. Bis 2030 möchten wir 100 Prozent unseres erworbenen Stroms aus erneuerbaren Quellen beziehen. Bis 2040 möchten wir eine Netto-Neutralität unserer Emissionen sowohl in der Kategorie Scope 1 (direkt) als auch Scope 2 (indirekt) erzielen. Ebenso möchten wir das Ziel erreichen, Deponie-Abfall zu vermeiden. Wir möchten sicherstellen, dass die Fahrzeug-Flotte unserer feldbasierten Kolleg:innen zu 100 Prozent Elektrofahrzeuge sind. Zudem möchten wir eine gerechte Wassernutzung erreichen. Unser Ziel ist es, bis 2024 wissenschaftlich fundierte Emissionsreduktionsziele zu verabschieden.

Health Relations: Haben Sie einzelne Maßnahmen davon schon umgesetzt?

Christoph Thomé: Ja, mit dem Abschluss eines virtuellen Stromabnahmevertrags im April 2022 haben wir unser Ziel für erneuerbare Energien erreicht. Der 15-jährige Vertrag über den Kauf von Solarstrom deckt etwa 30 Prozent des von Bristol Myers Squibb bezogenen Stroms ab. Unsere 2012 eingeführte Green-Labs-Zertifizierung ist ein standardisiertes Verfahren, das unsere Kolleg:innen in den Laboren dabei unterstützt, ihre Arbeit dort stets auch mit Blick auf die Nachhaltigkeit zu tun. Zu den wichtigsten Aspekten gehören dabei die Energie- und Wassereinsparung, die Abfallminimierung und nachhaltige Wissenschaft. Mehr als 92 Prozent aller Labore in den Einrichtungen von Bristol Myers Squibb nehmen nun teil. Unter Mitwirkung von Kolleg:innen aus dem Unternehmen weltweit haben wir die Rahmenbedingungen für das Programm zur Vermeidung des Deponie-Abfalls wie auch unser Green-Office-Zertifizierungsprogramm entwickelt, die derzeit weltweit eingeführt werden. Zudem engagieren wir uns dafür, das Thema ökologische Nachhaltigkeit auch bei unseren Kolleg:innen stark ins Bewusstsein zu rücken und sie zu nachhaltigem Handeln zu ermutigen. Es gibt spezifische Initiativen global wie auch lokal dafür, in denen sich Kolleg:innen engagieren. So gibt es z. B. Awareness-Aktivitäten im Rahmen des Earth Days, Earth Hours etc.

Was sind Scope 1-, Scope 2- und Scope 3-Emissionen?

Scope 1 – direkte Emissionen

Scope-1-Emissionen sind Emissionen, deren Ursache direkt bei einem Unternehmen liegen oder von ihm kontrolliert werden. Dazu gehören etwa Emissionen aus Energieträgern am Firmen-Standort, wie Erdgas und Brennstoffe, Kühlmittel, sowie Emissionen durch den Betrieb von Heizkesseln und Öfen, die vom Unternehmen verantwortet oder kontrolliert werden. Unter Scope 1 fallen auch Emissionen des eigenen Fuhrparks (z. B. Autos, Lieferwagen, Lkw, Helikopter für Krankenhäuser).

Scope 2 – indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie

Scope 2-Emissionen gehören zu einer der größten Quellen der weltweiten Treibhausgas-Emissionen. Zu dieser Art Emissionen werden indirekte Treibhausgas-Emissionen aus eingekaufter Energie, wie Strom, Wasserdampf, Fernwärme oder -kälte, die außerhalb des Unternehmens erzeugt, aber vom Unternehmen selbst verbraucht werden.

Scope 3 – indirekte Emissionen innerhalb der Wertschöpfungskette

Unter Scope 3 fasst man alle indirekten Emissionen zusammen, die entlang der Wertschöpfungskette entstehen.  Für eine eindeutige Unterscheidung zwischen  Scope 2 und Scope 3, beschreibt die US Enviromental Protection Agency (EPA) Scope 3-Emissionen als „das Ergebnis von Aktivitäten aus Anlagen, die nicht im Besitz Ihres Unternehmens sind oder von ihm kontrolliert werden, aber Ihr Unternehmen diese Aktivitäten innerhalb der eigenen Wertschöpfungskette unmittelbar beeinflusst.“

Health Relations: Und was passiert in Deutschland?

Christoph Thomé: Auch in Deutschland sehen wir es als eine unserer strategischen Prioritäten, das nachhaltige Engagement von Bristol Myers Squibb für soziale und ökologische Themen zu fördern – das ist ein Teil der Aufgaben unseres Management-Teams. Darüber hinaus haben wir zahlreiche Kolleg:innen, die sich über ihre eigentliche Tätigkeit hinaus im Rahmen einer Arbeitsgruppe mit dem Thema ökologische Nachhaltigkeit bei Bristol Myers Squibb Deutschland beschäftigen und lokale Aktivitäten initiieren. So haben wir vor einigen Jahren schon die Pflanzung von 55.000 Bäumen in einem Wald nahe München gefördert, um dem CO₂-Ausstoß unserer Fahrzeugflotte etwas entgegenzusetzen. Mit dem Erwerb von sogenannten „MoorFutures“ unterstützen wir zudem ein regionales Klimaschutzprojekt, das die Biodiversität fördert.

Auszeichnungen für das Engagement von BMS
Bristol Myers Squibb wurde in die Forbes Green Growth 50-Liste der US-amerikanischen Unternehmen aufgenommen, die ihre Treibhausgasemissionen reduziert haben und gleichzeitig ihre Umsätze steigern konnten. Darüber hinaus wurden die Wissenschaftler von BMS von der US-Umweltschutzbehörde mit dem Green Chemistry Award ausgezeichnet, weil sie neue Wege für eine nachhaltigere Wissenschaft gegangen sind.

Health Relations: Bei dem Thema Nachhaltigkeit geht es ja nicht nur um die Rettung der Umwelt, sondern auch um die Entwicklung konkreter Geschäftsmodelle. Wie kann Pharma Business Modelle entwickeln, die nachhaltig sind und dennoch gewinnorientiert sind?

Christoph Thomé: Die Entwicklung von nachhaltigen Geschäftsmodellen ist keine Option, sie ist ein Muss. Die globalen Bedrohungen der Nachhaltigkeit werden immer dringlicher und die Auswirkungen des Klimawandels werden jeden Tag deutlicher. Bristol Myers Squibb hat erkannt, dass die Nachhaltigkeitsstrategie ein grundlegendes Element der Kerngeschäftsstrategie unseres Unternehmens sein muss. Als wissenschaftsbasiertes Unternehmen, das sich auf die menschliche Gesundheit konzentriert, setzen wir die Kraft von Wissenschaft und Technologie ein, um die geschäftlichen Probleme der schwindenden Ressourcen, der Kohlenstoffemissionen, des Energieverbrauchs und des Abfallaufkommens zu lösen, während wir uns weiterhin auf eine positive Rendite für unsere Aktionäre konzentrieren.

Health Relations: Haben Sie Beispiel aus ihren Geschäftsmodellen?

Christoph Thomé: Unser Bürogebäude in München ist bereits 2008 sehr nachhaltig geplant und gebaut worden und hat ein Gütesiegel für nachhaltiges Bauen erhalten. In den letzten 1,5 Jahren ist es umgebaut und erweitert worden. Es verbrauchte bereits vor dem Umbau 40 Prozent weniger Energie für Strom, Heizung und Kühlung als ein vergleichbares Standard-Bürogebäude. Die elektrische Energie wird zu 100 Prozent aus Ökostrom bezogen. Auch beim kürzlich erfolgten Umbau ist ein besonderer Fokus auf die Nachhaltigkeit gelegt worden und wir konnten den Energie- und Ressourcenverbrauch noch einmal signifikant reduzieren. So sind auch diesmal wieder Materialien aus dem süddeutschen Raum genutzt worden und die Fertigung ist auch in Süddeutschland erfolgt, sodass wir durch kürzere Lieferketten und -wege Kosten sparen und allein beim Transport im Bereich Holzwirtschaft 400 kg CO₂ einsparen konnten – was in etwa drei Flugstrecken München – Berlin entspricht. Zudem lag ein starker Fokus auch auf der Energie- und Wassereffizienz, um damit weitere Ressourcen und auch Kosten einsparen zu können. Durch die Umrüstung der Beleuchtung auf LED und konsequente Optimierung der Steuerung können im Jahr allein 120.000 kWh Strom eingespart werden. Insgesamt konnten wir dadurch das Treibhauspotential um ca. 180 Tonnen reduzieren. Viel Wert lag auch auf der Schaffung einer angenehmen Arbeitsumgebung, zum Beispiel durch Lärmreduktion und weitere Angebote zur Gesundheitsförderung – was nicht zuletzt auch die Zufriedenheit unserer Mitarbeitenden erhöht.

Health Relations: Inwiefern müssen Pharmafirmen Nachhaltigkeit auch nach außen durch ihre Marketing- und Kommunikationsstrategien transportieren? Wie machen Sie das?

Christoph Thomé: Nachhaltigkeit ist für Bristol Myers Squibb seit der Gründung des Unternehmens ein zentrales Thema. Wir kommunizieren unsere globalen Nachhaltigkeitsziele seit vielen Jahren extern, und im Jahr 2022 feiern wir das 13-jährige Bestehen unserer Mitgliedschaft bei der UN Global Compact. Bristol Myers Squibb wird weiterhin in der jährlichen Liste der „100 Best Corporate Citizens“ des Magazins Corporate Responsibility geführt, einem führenden Index für sozial verantwortliche Investoren und andere Interessengruppen. Seit ihrer Einführung im Jahr 2009 wurden wir jedes Jahr in die Rangliste aufgenommen.


Dieses Thema könnte Sie auch interessieren:

So treibt Nachhaltigkeit neue Business Modelle in der Pharmaindustrie voran

Freie Journalistin im Medizin- und Gesundheitsjournalismus. Für Health Relations berichtet sie über digitale Entwicklungen, Marketing und die neuesten Trends in der Pharmabranche.

Alle Beiträge
SCHREIBE EINEN KOMMENTAR
Please enter your comment!
Please enter your name here