Healthcare Frauen: So wichtig sind Netzwerke für Karrieren in Pharma

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Netzwerke entscheiden über Karrieren. Obwohl Frauen die Branche prägen, sind sie in Top-Positionen der Pharmabranche weiterhin unterrepräsentiert. Sichtbarkeit, Kontakte und strategische Allianzen entscheiden immer mehr über Karriereerfolge. Wie das konkret funktioniert, zeigt das Netzwerk der Healthcare Frauen (HCF). Health Relations hat die Vorstandsmitglieder Katharina Schmidtke und Martina Gripp am Rande der Frühjahrstagung in Nürnberg getroffen.
Das Wichtigste auf einen Blick
Die Healthcare Frauen zeigen, wie Frauen durch Vernetzung, Mentoring und strategischen Austausch schneller in Führungspositionen gelangen. Laut den Vorstandsmitgliedern Martina Gripp und Katharina Schmidtkeschaffen Netzwerke Zugang zu Entscheidungsräumen, fördern Sichtbarkeit und unterstützen konkrete Karriereschritte. Neben Mentoring spielen Themen wie Macht, Frauengesundheit und strukturelle Veränderungen eine zentrale Rolle. Der Verein möchte mehr Frauen in Top-Management-Positionen bringen und die Gesundheitswirtschaft aktiv mitgestalten.
Die Healthcare Frauen sind ein branchenübergreifendes Netzwerk mit rund 300 Mitgliedern aus der Gesundheitswirtschaft. Zu den zentralen Angeboten gehören mehrstufige Mentoring-Programme, thematische Projektgruppen sowie politische Dialogformate. Ein besonderer Fokus liegt auf schneller, praxisnaher Unterstützung innerhalb des Netzwerks.
In Nürnberg stand die Frühjahrstagung 2026 der Healthcare Frauen unter dem Motto „Frauen. Netzwerk. Wirkung“. Alles drehte sich um Leadership, Vielfalt und die strategische Bedeutung von Netzwerken. Das Event kombinierte Keynotes, kurze Impulse und intensive Austauschformate. Ziel war es, sowohl erfahrene Führungskräfte als auch neue Mitglieder miteinander zu vernetzen und konkrete Impulse für Karriere und Führung zu geben.
„Wir glauben daran, dass wir Netzwerke brauchen, um sichtbar zu werden“, sagt Martina Gripp. „Und vor allen Dingen, um die Frauen um uns herum sichtbar zu machen.“ Der Anspruch geht dabei über klassischen Austausch hinaus. Es geht nicht nur darum, sich zu vernetzen, sondern darum, Wirkung zu entfalten. Netzwerke wie die Healthcare Frauen sollen so zum strategischen Instrument werden.
„Netzwerken ist für viele Frauen ein entscheidender Hebel, um überhaupt in relevante Positionen zu kommen.“
Zwar bewegt sich etwas in der Branche, doch echte Gleichberechtigung ist noch lange nicht erreicht. „Die Parität, die wir wollen, haben noch nicht“, sagt Katharina Schmidtke. „Wir merken weiterhin, dass wahnsinnig viele Frauen in Krankenhäusern arbeiten, sowohl in der Pflege als auch als Ärztinnen. In der Führung spiegelt sich das noch überhaupt nicht wider.“ Im Pharmabereich sei die Entwicklung zwar weiter. Frauen übernähmen dort öfter Positionen, die früher männlich geprägt waren, etwa in der Vertriebs- oder Außendienstleitung. „Da tut sich schon was, aber auch da haben wir noch Luft nach oben“, meint Schmidtke.
Martina Gripp ergänzt, dass die Fortschritte vor allem im mittleren Management sichtbar seien. „Das Mittelmanagement ist deutlich diverser“, sagt sie. Auf oberster Ebene bleibe das Bild jedoch ein anderes. „Gerade im Top-Management, auf CEO- oder Board-Level, gibt es weiterhin ein deutliches Ungleichgewicht.“ Genau hier setzen Netzwerke wie die Healthcare Frauen im Healthcare-Sektor an. Sie schaffen Zugang zu Entscheidungsräumen, die oft informell organisiert sind. Denn Karrieren entstehen nicht allein durch Leistung. Sie entstehen auch durch Beziehungen, Empfehlungen und strategische Sichtbarkeit. „Wir sehen immer wieder, dass Frauen sehr gut vorbereitet sind, aber zögern, Chancen früh zu ergreifen“, sagt Gripp.
Wer Netzwerke nicht nutzt, schöpft Potenziale nicht aus
Dabei ist Netzwerken nicht immer bequem. Es kostet Zeit und Überwindung. Gerade in belastenden Phasen erscheint Rückzug oft naheliegend. Doch genau dann wird Vernetzung besonders wichtig. Wer sichtbar bleibt, schafft neue Optionen. Wie konkret Netzwerkarbeit wirken kann, zeigt ein Blick in die Praxis. „Wir haben eine WhatsApp-Gruppe, wo man innerhalb von Minuten Hilfestellung bekommt“, sagt Schmidtke.
Die Anfragen reichen von fachlichen Themen bis zu konkreten Karrierefragen. Es geht um Panelbesetzungen, Jobwechsel oder strategische Entscheidungen. Dieses schnelle Unterstützungsnetz ist ein zentraler Mehrwert, so die Vorständin. „Wenn jemand Unterstützung braucht, finden wir sehr schnell Lösungen und Kontakte“, sagt Gripp. Solche Formate zeigen, wie effektiv Netzwerke im Healthcare-Bereich Karrieren unterstützen können.
Healthcare Frauen nutzen ihren Einfluss auch politisch
Die Healthcare Frauen verstehen sich nicht nur als Plattform für Austausch. Sie verfolgen einen Anspruch auf strukturelle Veränderung. Ihr Ziel ist es, Frauen in Führungspositionen zu bringen und dort zu halten. Gleichzeitig wollen sie Themen setzen und die Gesundheitsbranche aktiv mitgestalten. Diese Arbeit zeigt Wirkung. Die Organisation ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, sowohl in der Mitgliederzahl als auch in ihrer öffentlichen Wahrnehmung. „Wir werden von der Politik mehr gehört“, sagt Schmidtke. Der Austausch mit politischen Institutionen hat zugenommen. Dazu gehört beispielsweise der Dialogprozess „Wechseljahre“ des Bundesministeriums für Gesundheit, bei dem Themen rund um die Menopause im Arbeitskontext diskutiert werden.
„Macht zu haben heißt, etwas verändern zu können“
Ein zentrales Element dieser Entwicklung ist ein verändertes Verständnis von Führung und Einfluss. Im Netzwerk der Healthcare Frauen wird offen über Macht gesprochen. Nicht als negativ besetzter Begriff, sondern als Voraussetzung für Gestaltung. „Macht zu haben heißt, etwas verändern zu können“, sagt Gripp. „Wenn wir gestalten wollen, müssen wir auch bereit sein, Einfluss auszuüben.“ Diese Perspektive ist bewusst gewählt. Wer in seinem Unternehmen Verantwortung übernimmt, muss auch Entscheidungen treffen. Gripp und Schmidtke weisen auch darauf hin, wie wichtig Geld in dem Zusammenhang hin. Es ermögliche Frauen Stabilität und Unabhängigkeit.
Mentoring als Karrierebeschleuniger
Ein weiteres Instrument im Netzwerk der Healthcare Frauen ist das Mentoring. Jährlich begleiten sie rund 30 Mentees auf unterschiedlichen Karrierestufen. Ziel ist es, konkrete Entwicklungsschritte zu ermöglichen. „Die Frauen machen während oder nach dem Mentoring oft den nächsten Schritt“, sagt Schmidtke. Mentorinnen öffnen Türen, teilen Erfahrungen und bieten Orientierung. Mentees profitieren von Perspektiven, die im eigenen Unternehmen oft fehlen. „Mentoring schafft Räume, in denen strategische Fragen offen diskutiert werden können“, sagt Gripp. Gerade Themen wie Karrierewechsel, Positionierung oder Vereinbarkeit lassen sich außerhalb des eigenen Unternehmens freier besprechen.
Gleichzeitig geht es im Netzwerk darum, Verantwortung zu teilen. Netzwerke funktionieren nicht einseitig. Sie leben davon, dass Mitglieder ihr Wissen, ihre Kontakte und ihre Erfahrungen weitergeben. Der Blick auf die Branche zeigt jedoch, dass noch viel zu tun bleibt. Frauen sind in der Gesundheitswirtschaft zwar präsent, aber nicht in gleichem Maße an Entscheidungen beteiligt. Sie engagieren sich, übernehmen Verantwortung, erreichen aber seltener die obersten Ebenen, so die Vorständinnen.
Frauen-Netzwerke können also ein Motor für für Führungskarrieren in der Healthcare-Branche sein. Der Erfolg ist kein Selbstläufer, sondern ein Zusammenspiel aus Kompetenz, Sichtbarkeit und Beziehungen. Netzwerke wie die Healthcare Frauen liefern dafür die notwendige Infrastruktur. Oder, wie Schmidtke es formuliert: „Wann immer ich jemanden suche, finde ich die Person über das Netzwerk.“

