VKD- und DKI-Branchentreff: Generation Z – Chance oder Risiko?

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Der diesjährige Krankenhaus-Branchentreff des DKI (Deutsches Krankenhausinstitut e. V.) und VKD (Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e. V.) fand am 13. Dezember in Berlin statt. Eines der Themen: Die Generation Z und die Herausforderung im Recruiting.

Chance oder Bedrohung? Wie umgehen mit der neuen Ärztegeneration, die in naher Zukunft den Arbeitsmarkt betritt? Die Generation Z, geboren nach 1995, sind Digital Natives, wuchsen mit dem Smartphone in der Hand auf und gelten als anspruchsvoll. Das galt bereits für die Vorgänger, die Generation Y. Dennoch: Die kommende Generation von Healthcare Professionals stellt das Personalmarketing an Kliniken vor große Herausforderungen.

Wie sich Kliniken diesen Herausforderungen stellen können, war eines der Themen beim diesjährigen Krankenhaus-Branchentreff des DKI und VKD. Wir haben mit Gabriele Gumbrich, Vorstand Deutsches Krankenhausinstitut e. V. und Geschäftsführerin Deutsches Krankenhausinstitut GmbH, über die Stimmung in der Branche gesprochen.

Health Relations: Frau Gumbrich, wo liegen die Herausforderungen im Personalmarketing im Umgang mit der neuen Ärztegeneration? Was unterscheidet diese fühlbar von Ihren Vorgängern?

Gabriele Gumbrich: Jede Generation wird durch den Zeitgeist ihrer Kinder- und Jugendzeit geprägt. Dies hat große Auswirkungen auf ihre grundsätzliche Einstellung zu ihrer beruflichen Tätigkeit. Während das Lebensmotto der Babyboomer (1955-1965) noch „Leben, um zu arbeiten“ war, wandelte sich dies in der Generation X (1965-1979) zum gegenteiligen Motto „Arbeiten, um zu leben“. Die meisten Krankenhäuser richten ihr Personalmarketing noch auf die Generation Y (1980-1994) aus, der es wichtig ist, „Arbeit und Leben miteinander zu verbinden“. Nun wächst eine Generation Z (ab 1995) heran, für die Arbeit nur ein Teil des Lebens ist, der sich klar vom Privatleben abgrenzen soll. Die jungen Arbeitnehmer der Generation Z wollen geregelte Arbeitszeiten anstelle von Work-Life-Balance. Sie wünschen sich klar definierte Strukturen im Job und präzise Anweisungen ihrer Vorgesetzten. Sie sind im Gegensatz zu ihren Vorgänger-Generationen nicht mehr bereit, „im Hamsterrad immer schneller zu laufen“. Die Krankenhäuser müssen sich ebenfalls darauf einstellen, dass die künftigen Arbeitnehmer der Generation Z eine geringere emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen entwickeln und schneller zu einem Arbeitgeberwechsel bereit sind, wenn etwas nicht passt.

Health Relations: Gibt es wesentliche Knackpunkte, Felder mit Handlungsbedarf im HR-Segment, die in Berlin vor diesem Hintergrund definiert worden sind?

„Der Druck auf die Klinken ist enorm. Denn die künftigen Bewerber der Generation Z sind nicht nur anspruchsvoll, sondern aufgrund der demografischen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt auch rar.“ Gabriele Gumbrich: Als ein interessantes Phänomen wurde herausgearbeitet, dass die Werteeinstellungen der Generation Z auch zunehmend von den Vorgänger-Generationen übernommen werden. Das bedeutet, dass Krankenhäuser ihre kompletten Personalmarketing-Strategien überdenken müssen. Während viele Klinken noch mit vielfältigen Unterstützungsangeboten zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf um neue Mitarbeiter werben, suchen die Bewerber von morgen Arbeitgeber, die ihnen verlässliche Schichtpläne und ein pünktliches Dienstende bieten. Dies wird erheblichen Veränderungsbedarf in den klinikinternen Prozessen erfordern. Auch die Ansätze der klassischen Führungskräfte-Qualifizierungen werden bei der Generation Z nicht mehr erfolgreich sein. Die Chefs der Generation Z müssen vor allem lernen, absolut glaubwürdig zu sein, keine unrealistischen Versprechungen zu machen sowie für klare Rollen, Entscheidungsstrukturen und Anweisungen in ihren Abteilungen zu sorgen.

Health Relations: Gibt es Maßnahmen, die beim Branchentreff in Berlin als Strategie an die Hand gegeben worden sind?

Gabriele Gumbrich: Besonders hervorgehoben wurde die Notwendigkeit, die Arbeitgebermarke des Krankenhauses mit Blick auf die speziellen Anforderungen der Generation Z anzupassen. Als neue Wege der Personalakquise wurden zum Beispiel Youtube-Filme anstelle klassischer Stellenanzeigen empfohlen.

Health Relations: Wie hoch ist der Druck auf die Klinken, wenn man davon ausgeht, dass die Generation Z jene ist, die nach 1995 geboren wurde, also genau jetzt auf dem Arbeitsmarkt aktiv wird? „Die notwendigen Anpassungen an die Anforderungen der Generation Z dürfte in den meisten Krankenhäusern noch ganz am Anfang stehen.“

Gabriele Gumbrich: Der Druck auf die Klinken ist enorm. Denn die künftigen Bewerber der Generation Z sind nicht nur anspruchsvoll, sondern aufgrund der demografischen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt auch rar. Jedes Krankenhaus ist daher gut beraten, sich dieses Themas frühzeitig anzunehmen.

Health Relations: Sind die Krankenhäuser in Sachen Fachkräftemangel und die Reaktion auf die wechselnden Bedürfnisse der neuen Ärzte-Generation insgesamt gut aufgestellt?

Gumbrich DKI VKD Branchentreff Generation Z
Gabriele Gumbrich, Vorstand Deutsches Krankenhausinstitut e. V. und Geschäftsführerin
Deutsches Krankenhausinstitut GmbH

Gabriele Gumbrich: Wie eine aktuelle Blitzumfrage des DKI zeigte, ist eine Reduzierung des Fachkräftemangels im Krankenhaus für ein Drittel der Befragten die zentrale Forderung an die neue Bundesregierung. Gleichwohl sind die deutschen Kliniken in Sachen Personalmanagement unterschiedlich gut aufgestellt. Die notwendigen Anpassungen an die Anforderungen der Generation Z dürften in den meisten Krankenhäusern noch ganz am Anfang stehen.

Health Relations: Abschließend, neben den genannten Herausforderungen: Welchen positiven Einfluss hat die nachwachsende Generation auf das deutsche Kliniksystem?

Gabriele Gumbrich: Grundsätzlich ist jede neue Generation in der Arbeitswelt auch eine Chance zur Weiterentwicklung des Unternehmens. Die künftigen Beschäftigten der Generation Z können zum Beispiel in den Krankenhäusern mit ihrem Wissen über neue Medien die Digitalisierung im Gesundheitswesen weiter vorantreiben.

Health Relations: Herzlichen Dank, Frau Gumbrich, für dieses Interview.

Beitragsbild: © istock.com/richterfoto

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