Daiichi Sankyo: Krebsportal setzt auf Audioinhalte für Patienten

© Daichii Sankyo
Viele Krebsportale bieten Informationen für Betroffene. Das neue Portal Verstanden.med setzt zusätzlich auf ein anderes Element: Inhalte lassen sich dort auch anhören. Jeder Beitrag steht als Audio zur Verfügung. Das soll Patientinnen und Patienten den Zugang zu Informationen erleichtern, etwa während einer Behandlung oder unterwegs. Hinter dem Angebot steht das Pharmaunternehmen Daiichi Sankyo.
Im Gespräch mit Health Relations erklärt Hilke Friccius, Patient Affairs Managerin in der Onkologie bei Daiichi Sankyo Deutschland, warum das Unternehmen das Krebsportal Verstanden.med gestartet hat, welche Rolle Patientinnen und Patienten bei der Entwicklung gespielt haben und wie sich ein Pharmaunternehmen in der Patientenkommunikation positionieren kann.
Patientenperspektive als Ausgangspunkt
Patient Centricity ist in der Pharmaindustrie längst ein Leitbegriff. Doch häufig bleibt er intern verankert. Genau hier sah das Unternehmen eine Lücke. „Wir haben sehr viel Kontakt zu Patientenorganisationen, aber wir hatten bisher keine eigene Plattform, auf der wir sichtbar und erreichbar sind“, sagt Friccius. „Und wir wurden tatsächlich auch direkt gefragt: Wo findet man euch als Patient eigentlich?“
Das Portal entstand deshalb bewusst nicht am Schreibtisch, sondern gemeinsam mit Betroffenen. In Workshops schilderten sie ihre Bedürfnisse. Daraus entwickelte sich das Konzept. Ein zentraler Wunsch war eine andere Struktur als bei klassischen medizinischen Informationsseiten. Weniger indikationszentriert, stärker lebensnah. Deshalb führt das Portal Nutzer zunächst über Fragen zu ihrer aktuellen Situation ein. Erst danach folgen Inhalte.
„Patienten wollen nicht, dass wir schwierige Themen ausklammern.“

© Daiichi Sankyo Deutschland
Ein wichtiger Impuls kam zudem aus der emotionalen Perspektive der Betroffenen. Sie wünschten sich, dass auch schwierige Themen offen angesprochen werden. „Die Patienten haben uns ganz klar gesagt, dass wir die schwierigen Themen nicht ausklammern sollen“, ergänzt Kommunikationsmanagerin Viola Braun, die ebenfalls an der Entwicklung des Portals beteiligt war.“ Es geht bei Krebs eben nicht nur um Hoffnung und Therapieerfolge, sondern auch um Angst, Belastung oder palliative Situationen.“ Aus Sicht von Friccius gehört diese Offenheit zu einer ernst gemeinten patientenzentrierten Kommunikation.
Audioformate sorgen für mehr Barrierefreiheit
Ein auffälliges Element ist die starke Audioorientierung. Jeder Artikel ist auch als Hörversion verfügbar. Die Motivation war doppelt. Einerseits geht es um Barrierefreiheit. Viele Patientinnen und Patienten sind während der Behandlung erschöpft und können lange Texte kaum lesen. Andererseits sollte sich das Angebot bewusst von bestehenden Plattformen abheben.
„Wir wollten eine weitere Hürde für Patienten abbauen“, sagt Friccius. „Idealerweise können sie sich Inhalte wie eine Playlist zusammenstellen und unterwegs anhören.“ Auch aus Kommunikationssicht sei das Audioformat ein bewusster Schritt gewesen, ergänzt Braun. Viele Menschen nähmen Informationen heute lieber hörend auf als lesend, etwa unterwegs oder in Situationen, in denen längere Texte schwer zugänglich sind.
Transparenz statt versteckter Absender
Das zentrale Spannungsfeld bleibt dennoch bestehen: Wie kann ein Pharmaunternehmen glaubwürdig informieren, ohne indirekt zu beeinflussen? Die Antwort liegt laut Friccius in maximaler Transparenz und klarer inhaltlicher Abgrenzung. „Wir verstecken uns nicht als Absender“, betont sie. „Aber wir versuchen, Informationen so allgemein zu halten, dass keine Rückschlüsse auf konkrete Produkte möglich sind.“

© Daiichi Sankyo (Screenshot Website / Collage)
Das bedeutet in der Praxis strenge Compliance-Prüfungen. Selbst indirekte Hinweise auf spezifische Wirkstoffe oder Therapien werden entfernt, wenn sie Rückschlüsse auf einzelne Medikamente zulassen könnten. Stattdessen setzt das Portal stark auf Verlinkungen zu unabhängigen Quellen wie Leitlinien oder etablierten Krebsorganisationen. Ziel sei es, Betroffenen verlässliche Orientierung zu bieten und ihnen gleichzeitig zu helfen, selbst seriöse Informationsquellen zu erkennen.
Erfolg ohne klassische KPIs
Messbare Ziele gibt es nur begrenzt. Klassische Kennzahlen wie Umsatz spielen hier keine Rolle. „Das ist nicht produktbezogen und lässt sich nicht in Verkaufszahlen übersetzen“, erklärt Friccius. „Wichtiger ist für uns, wie wir als Unternehmen wahrgenommen werden und ob Patienten tatsächlich einen Nutzen erleben.“ Entsprechend stehen qualitative Rückmeldungen im Mittelpunkt. Erste Reaktionen kommen bereits über Patientenorganisationen oder direkt über soziale Netzwerke.
Der Launch des Portals fällt in eine Zeit, in der Informationsangebote im Gesundheitssystem zunehmend unter Druck stehen. Ressourcen fehlen, Beratungsstrukturen sind oft überlastet. Friccius sieht hier eine wachsende Rolle für Unternehmen. „Es ist nicht nur unsere Aufgabe, Medikamente bereitzustellen“, sagt sie. „Wir haben auch eine gesellschaftliche Verantwortung, darüber hinaus zu informieren und Patienten zu unterstützen.“ Gleichzeitig betont sie die Notwendigkeit klarer Rollen und Zusammenarbeit. „Im Idealfall müssten alle an einem Tisch sitzen. Patienten, Ärzte, Kostenträger und Industrie. Denn letztlich haben alle dasselbe Ziel: dass es den Betroffenen besser geht.“
Ein langfristiges Projekt
Verstanden.med ist nicht als Kampagne gedacht, sondern als langfristiger Hub. Inhalte sollen kontinuierlich erweitert werden. Neue Formate und Kooperationen mit Fachleuten und Patientenorganisationen sind bereits geplant. Der wichtigste Maßstab bleibt dabei der ursprüngliche Anspruch: tatsächliche Relevanz für Betroffene. „Wenn Patienten das Gefühl haben, dass sie dort wirklich hilfreiche Informationen finden, dann haben wir etwas erreicht“, sagt Friccius. Genau daran werde sich das Projekt letztlich messen lassen müssen.“
Das Wichtigste über Verstanden.med in Kürze
Betreiber:Daiichi-Sankyo Deutschland
Start: 4. Februar 2026 (Weltkrebstag)
Zielgruppe: Krebspatienten und -patientinnen sowie deren Angehörige
Abgedeckte Indikationen: Brustkrebs, Lungenkrebs, Magenkrebs, Akute myeloische Leukämie (AML)
Inhalte: Medizinische Informationen, Alltagstipps, emotionale Begleitung, Audioformate, Links zu unabhängigen Quellen
Besonderheiten: Patientenzentrierter Ansatz, Barrierefreiheit, Einbindung von Patientenfeedback, redaktionelle Zusammenarbeit mit Agentur
FAQ zum Krebsportal Verstanden.med
Was ist das Krebsportal Verstanden.med?
Verstanden.med ist ein Informationsportal für Krebspatientinnen und Krebspatienten sowie deren Angehörige. Die Plattform wurde vom Pharmaunternehmen Daiichi Sankyo entwickelt und soll Betroffenen Orientierung in verschiedenen Phasen der Erkrankung geben. Inhalte beschäftigen sich unter anderem mit der Zeit nach einer Diagnose, mit Fragen rund um die Therapie sowie mit der Rückkehr in den Alltag. Ziel ist es, medizinische Informationen verständlich aufzubereiten und auch emotionale und organisatorische Aspekte einer Krebserkrankung aufzugreifen.
Welche Besonderheit hat das Portal Verstanden.med?
Eine Besonderheit des Portals ist, dass alle Inhalte auch als Audio-Version zur Verfügung stehen. Nutzerinnen und Nutzer können sich Artikel anhören, statt sie zu lesen. Damit soll der Zugang zu Informationen erleichtert werden, etwa für Patientinnen und Patienten, die während einer Therapie erschöpft sind oder Informationen lieber hören als lesen. Inhalte lassen sich außerdem speichern und später erneut anhören.
Für wen ist Verstanden.med gedacht?
Das Portal richtet sich sowohl an Krebspatientinnen und Krebspatienten als auch an deren Angehörige. Die Inhalte orientieren sich an typischen Situationen im Verlauf einer Erkrankung, zum Beispiel nach einer Diagnose, während einer Behandlung oder in der Nachsorge. Auch Angehörige werden gezielt angesprochen, da sie häufig eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Betroffenen spielen.
Wer steht hinter dem Portal Verstanden.med?
Betreiber des Portals ist das Pharmaunternehmen Daiichi Sankyo. Nach Angaben des Unternehmens wurde die Plattform gemeinsam mit Patientinnen und Patienten entwickelt. In Workshops wurden Bedürfnisse und Erfahrungen von Betroffenen gesammelt, die in die Struktur und Themenauswahl des Portals eingeflossen sind. Die Inhalte werden redaktionell aufbereitet und teilweise durch Verlinkungen zu unabhängigen Informationsquellen ergänzt.

