Andrea Biebl, MW Office: „Stellt einen Chief Health Officer ein!“

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Für Andrea Biebl, Geschäftsführerin der MW Office, gehört das Thema Gesundheit zu einem der Megatrends im Employer Branding in 2023. Nicht nur für die eigene Agentur, auch für Pharmaunternehmen sieht sie hier viel Potenzial – wenn sie das Thema in ihrer Unternehmenskultur verankern und strategisch angehen. © Nadine Rupp, Ruppografie
Für Andrea Biebl, Geschäftsführerin der MW Office, gehört das Thema Gesundheit zu einem der Megatrends im Employer Branding in 2023. Nicht nur für die eigene Agentur, auch für Pharmaunternehmen sieht sie hier viel Potenzial – wenn sie das Thema in ihrer Unternehmenskultur verankern und strategisch angehen. © Nadine Rupp, Ruppografie
„Gesundheit ist einer der Megatrends 2023 im Employer Branding“, sagt Andrea Biebl, Geschäftsführerin von MW Office. Wie setzt die Healthcare-Agentur eine Health-first-Kultur innerbetrieblich um? Und welche Tipps hat die Kommunikationsexpertin für Pharmaunternehmen?

In diesem Artikel lesen Sie:
• Warum Gesundheit ein generationsübergreifender Megatrend ist
• Wie das neue ganzheitliche Gesundheitsprogramm von MW Office aussieht
Welche Maßnahmen die Healthcare Agentur bei MWOneHealth bereits umgesetzt hat
• Wie Pharmaunternehmen eine Health-first-Kultur etablieren können


„Ein gesundes Unternehmen braucht gesunde Mitarbeitende. Daher muss das Thema Gesundheit Kern jeder Unternehmenskultur werden“, sagt Andrea Biebl. Unternehmen sind – in den Augen der Geschäftsführerin – heute wesentlich stärker gefordert, sich um die Gesundheit ihrer Belegschaft zu kümmern. Durchaus nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen einen Großteil ihres Lebens bei der Arbeit verbringen.

Mit Gesundheit meint Andrea Biebl dabei keineswegs die Abwesenheit von Krankheit. Der Begriff beinhaltet weitaus mehr als das. „Neben dem physischen spielt das mentale Wohlbefinden eine Rolle. Hinzu kommen soziale Bedürfnisse, das Arbeitsumfeld und eine Motivation von innen heraus, die wesentlich dazu beitragen kann, dass es Mitarbeitenden gut geht“, erklärt die Geschäftsführerin der zur dentsu Gruppe gehörenden Healthcare-Kommunikationsagentur MW Office.

Gesundheitsprävention spielt bei Nachwuchskräften große Rolle

Zwar war die Pandemie sicherlich eine Art Weckruf, allerdings seien Gesundheitsthemen – nach Meinung der CEO – nicht nur unter dem Eindruck von Corona stärker in den Fokus gerückt. Während viele Menschen ihre körperliche Fürsorge früher mehrheitlich aus der Hand gegeben hätten, merkten heute viele, dass sie sich selbst kümmern müssten. Denn: „Ein Arzt oder Ärztin hat durchschnittlich nur noch knapp 8 Minuten Zeit für jeden Patienten bzw. Patientin“, erklärt Andrea Biebl.

„Bei jedem Vorstellungsgespräch kommt: Meine Work-Life-Balance muss stimmen. Prävention und Mental Health spielen eine ganz, ganz große Rolle bei den Nachwuchskräften.“

Ein gesunder Lifestyle ist daher zum generationsübergreifenden Megatrend geworden und spielt längst nicht mehr nur bei älteren Menschen eine Rolle. Gerade unter 30-Jährige möchten Körper und Geist fit halten. „Bei jedem Vorstellungsgespräch kommt: Meine Work-Life-Balance muss stimmen. Prävention und Mental Health spielen eine ganz, ganz große Rolle bei den Nachwuchskräften“, so Andrea Biebl.

MW Office setzt agiles, ganzheitliches Gesundheitsprogramm auf

Auch mit Blick auf den wachsenden Fachkräftemangel möchte MW Office daher mehr für die nachhaltige Gesundheit seiner Mitarbeitenden tun. Ende letzten Jahres startete die Agentur das Projekt MWOneHealth. Bewusst wurde die Initiative nicht von oben nach unten delegiert, sondern in die Hände der Mitarbeitenden gelegt. Diese entschieden, inwiefern das Thema überhaupt relevant für sie ist und wie sie es gestalten möchten. „60 Leute haben sich direkt gemeldet und wollten aktiv mitmachen“, so die Geschäftsführerin der 100-köpfigen Agentur.

Seither tagen regelmäßig sechs Arbeitsgruppen, die sich mit den verschiedenen Schwerpunkten befassen: Von Personal Development, also persönlicher Weiterentwicklung, über Environmental Health, sprich die Gesundheit der Umwelt, in der wir leben, bis hin zu Work Related Health. Letzteres richtet den Blick vor allem auf die Arbeitsumgebung. Hinzu kommen mit Physical, Mental und Social Health drei weitere Säulen des Projekts.

Erste Gesundheitsmaßnahmen sind bereits umgesetzt

Die Arbeitsweise ist komplett agil. Zwei Project Owner betreuen die unterschiedlichen Teams. Es gibt regelmäßige Stand-up-Meetings, Reviews und alle sechs Wochen werden neue Entwicklungen im sogenannten „All Staff“ vorgestellt – ein virtuelles Zusammentreffen mit der kompletten Agentur. Viele Maßnahmen haben die Teams bereits erarbeitet und – mit großer Resonanz unter den Mitarbeitenden – umgesetzt. Beispiele sind:

  • Lauf-Champions: An beiden MWOffice Standorten München und Frankfurt entstanden Laufgruppen, die auch an Charity Läufen teilnahmen. Jede Woche werden die Kilometer gezählt und ein Lauf-Champion gekürt. „Das Tracking ist ein guter Antrieb“, sagt Andrea Biebl.
  • Keine Meetings zwischen 12 und 14 Uhr: So möchten die Mitarbeitenden Mittagspausen sicherstellen.
  • Drei zusätzliche Wellness-Tage für alle Mitarbeitenden der dentsu Agenturgruppe weltweit: Zum Mental Health Day am 10.10.2023 ist die Agentur geschlossen.
  • Gemeinsame Aktionen im Bereich Social Impact, wie eine zweimalige Ukraine-Hilfsaktion
  • Gemeinsame Aktionen im Bereich Environmental Health, beispielsweise Müllsammelaktionen

Gerade als Healthcare-Agentur war die Umsetzung des Projekts für MW Office eine logische Konsequenz. „Wir leben Gesundheit für unsere Kunden und da ist der Schritt nahe, zu sagen: Natürlich leben wir Gesundheit auch nach innen und nicht nur nach außen“, so Andrea Biebl.

Sicherlich sei das Projekt MWOneHealth zunächst einmal ein internes, sagt die Geschäftsführerin. Allerdings sieht sie darin auch viel Potenzial mit Blick auf die künftige Recruiting-Strategie der Agentur. Denn: Bei der Wahl des Arbeitsplatzes werde der Megatrend Gesundheit immer mehr auch Entscheidungsgrundlage sein.

Wie kann Pharma eine Health-first-Kultur etablieren?

Ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein könnte auch für Pharmaunternehmen Veränderungsprozesse in Richtung einer von innen heraus gelebten Health-first-Kultur bedeuten. Tatsächlich tue sich gerade sehr viel im betrieblichen Gesundheitsmanagement, stellt Andrea Biebl fest. „Die Zeiten, in denen sich die Mitarbeitergesundheit in Unternehmen auf einen Obstkorb, einen ergonomischen Schreibtischstuhl und die vergünstigte Fitnessclub-Mitgliedschaft begrenzt, sind vorbei“, sagt sie.

Vielmehr müssten Firmen in ganzheitlichen Konzepten denken. Häufig sei das aber noch nicht der Fall. „Oft gibt es einen großen Blumenstrauß an Maßnahmen, die sehr wichtig und sehr gut sind, denen aber das Dach fehlt“, so die Geschäftsführerin.

„Oft gibt es einen großen Blumenstrauß an Maßnahmen, die sehr wichtig und sehr gut sind, denen aber das Dach fehlt.“

Eine Möglichkeit zu einer ganzheitlichen Strategie zu gelangen, ist für die Geschäftsführerin die Einführung einer neuen Position. „Stellt einen Chief Health Officer ein“, appelliert sie. Sprich: Einen Gesundheitsmanager oder eine Gesundheitsmanagerin, die sich strategisch und ganzheitlich mit der Mitarbeitergesundheit befasst. „Wo liegt das näher als in einem Pharmaunternehmen?“, meint Andrea Biebl.

Was ist ein Chief Health Officer?
Ein Chief Health Officer (CHO) unterstützt die Unternehmensführung dabei, eine gesundheitsorientierte Ausrichtung ganzheitlich in allen Unternehmensbereichen zu verankern. Denn: Im Zuge eines gesellschaftlich gewachsenen Gesundheitsbewusstseins gehen viele Unternehmen dazu über, die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden stärker in den Blick zu nehmen und strategisch anzugehen. Der oder die CHO kümmert sich um das betriebliche Gesundheitsmanagement, kann aber auch begleitend dazu in der Produktentwicklung oder im Marketing unterstützen und eine gesunde Wertschöpfungskette überwachen. Daher ist es oft sinnvoll, wenn ein Chief Health Officer nicht nur über das nötige medizinische Fachwissen verfügt, sondern im Idealfall auch über Führungsqualitäten und wirtschaftliche Grundkenntnisse. Im Zuge der zunehmenden Bedeutung von ESG und Nachhaltigkeit wird die Rolle eines CHO sicherlich an Bedeutung zunehmen.

Tabuthemen aufbrechen und Gesundheitsbewusstsein vorleben

Zu einem zukunftsorientierten Gesundheitsmanagement gehört es für Andrea Biebl auch, Tabuthemen aufzubrechen. Andere Länder gingen hier bereits voran. Dort werde beispielsweise offen über gesundheitliche Beeinträchtigungen in den Wechseljahren oder über PMS (Prämenstruelles Syndrom) gesprochen.

Auch beim Thema Gesundheit gilt für die Geschäftsführerin: „Man sollte individuell auf seine Mitarbeitenden eingehen. Beispielsweise Frauen ermöglichen, eine Auszeit zu nehmen, wenn sie ihre Tage haben. Oder Männer bei ihrem Wunsch nach Elternzeit unterstützen.“ Ein Umdenken von heute auf morgen herbeizuführen, sei sicherlich nicht einfach. Ihr Tipp: Ein Vorleben seitens der Führungskräfte führe langfristig automatisch zur Veränderung in der gelebten Praxis.

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