Serie: Healthcare-Influencer. Warum Roche auf Ambassadors statt Influencer setzt
Healthcare-Influencer setzen sich zunehmend auch in der B2B-Kommunikation durch. Nicht bei allen Unternehmen sorgt das für Begeisterung. Die Roche Pharma AG beobachtet den Trend mit Skepsis. Warum? Das haben wir Anja Steininger gefragt.
Wir haben in der Vergangenheit sehr technisch über unser Geschäftsmodell gesprochen, die Abläufe und Prozesse erklärt und den menschlichen Aspekt vernachlässigt.Health Relations: Sprechen wir also von Ambassadors. Und kommen zu Ihrer Serie "Meine Sicht" und Ihrem Magazin "Für ein besseres Leben". In in der digitalen Serie "Meine Sicht" binden Sie Ihre eigenen Mitarbeiter in ihre Kommunikation ein, lassen Sie auf der Unternehmens-Homepage über ihre persönliche Sicht zum Thema Mut sprechen. Im Magazin schildern Mitarbeiter unter anderem ihren Arbeitsalltag. Welche Ziele stecken hinter dieser Strategie?Anja Steininger: Wir sind ein Pharmaunternehmen mit dem klaren Schwerpunkt auf Forschung und Innovation. Wir stellen nur verschreibungspflichtige Medikamente her. Mit uns hat man nur Berührung, wenn man sehr krank ist und der Arzt Medikamente verschreibt. Man kennt uns als Marke somit eher nicht in der breiten Öffentlichkeit. Dazu kommt dieses allgemeine Bild vom unpersönlichen Pharmaunternehmen, das Medikamente herstellt und viel Geld verdient. Das war’s. Damit bleibt aber das eigentliche Geschäftsmodell im Dunkeln. Health Relations: Heißt, es braucht Ambassadors, um das Geschäftsmodell zu kommunizieren?Anja Steininger: Ja. Wir haben in der Vergangenheit sehr technisch über unser Geschäftsmodell gesprochen, die Abläufe und Prozesse erklärt und den menschlichen Aspekt vernachlässigt. Wer steckt denn hinter den Prozessen? Was zeichnet uns als Unternehmen denn wirklich aus? Diese Fragen haben wir in unserer Kommunikation lange vernachlässigt. "Meine Sicht" und das Magazin "Für ein besseres Leben" (Print-Magazin, Auflage 6000 Exemplare, Anm. der Red.) haben das Ziel, zu zeigen, welche Menschen und Werte hinter dem Unternehmen stehen. Zum Beispiel haben wir 2016 unseren ökonomischen, ökologischen und sozialen Fußabdruck gemessen. Wir wollten schauen: Wie stehen ökonomische, ökologische und soziale Faktoren in Relation? Wir stellten fest: Unsere Profitabilität steigt, genau wie unsere Mitarbeiterzufriedenheit; unser CO2 Ausstoß dagegen sinkt. Das sind Werte, die uns selber begeistern. Und das sind genau die Werte, für die das Unternehmen und die Mitarbeiter stehen, die sich tagtäglich hier einsetzen. Genau solche Inhalte möchten wir kommunizieren. Wir möchten dem Unternehmen, das eine blaue Raute ist und das viele – wenn überhaupt - nur mit Pillen in Verbindung bringen, ein Gesicht geben. Das Magazin und die "Meine Sicht"-Serie bieten einen Blick hinter die Mauern, wenn man so will.

"Für ein besseres Leben" ist das Print-Magazin von Roche. Mitarbeiter-Porträts und -Interviews haben einen hohen Stellenwert. Foto: Roche
Unser Ziel in der Unternehmenskommunikation ist der langfristige Vertrauensaufbau und dies möchten wir mit authentischen Geschichten aus der Roche-Welt erreichen.Health Relations: Wer sind Ihre Leser? Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe?Anja Steininger: Wir möchten mit der Serie und dem Magazin zum einen Ärzte und Wissenschaftler, zum anderen die interessierte Öffentlichkeit und potenzielle Mitarbeiter bzw. Bewerber erreichen. Health Relations: Wie erreichen Sie diese?Anja Steininger: Die digitalen Inhalte teilen wir über unsere sozialen Kanäle, allen voran Facebook, was unser stärkster Kanal ist. Wir sind mit der Performance dort sehr zufrieden. Das Magazin legen wir in unserem Unternehmen und an Orten, an dem wir uns als Unternehmen präsentieren, aus. Beispielsweise auf Messen, gegebenenfalls an Universitäten oder ähnliches. Aus unserer Sicht ist diese Maßnahme auch ein überaus geeignetes Tool für unser Employer Branding. Und somit möchten wir natürlich auch die Young Talents und potentielle Mitarbeiter erreichen, mit dem Thema Mut ansprechen und für unser Unternehmen interessieren. Health Relations: Wie geht es 2018 weiter mit "Meine Sicht"?Anja Steininger: Im September 2017 haben wir die Kampagne gestartet und wir sehen, dass das Thema relevant ist. 2018 werden wir deshalb, mit Unterstützung der Agentur Zum Goldenen Hirschen in Berlin, die Serie weiterentwickeln. Wir planen beispielsweise, auch Patienten über das Thema Mut zu befragen. Denn um eine schwere Krankheit zu besiegen, braucht es viel Mut. Auch Start-ups, die mutig neue Wege in der Forschung gehen, kommen in Frage. Wir werden also weiterhin Mut als Thema aufgreifen und abseits der Bereiche Therapie und Produkte als kommunikative Botschaft in unserer Unternehmenskommunikation platzieren. Health Relations: Das heißt, Sie planen auch externe Protagonisten einzubinden? Vermeiden Sie auch hier den Begriff Influencer?Anja Steininger: Aus meiner Sicht sind die Arbeit mit Mitarbeitern und Ambassadors und jene mit Influencern zwei Paar Schuhe mit unterschiedlichen Zielen. Unser Ziel in der Unternehmenskommunikation ist der langfristige Vertrauensaufbau und dies möchten wir mit authentischen Geschichten aus der Roche-Welt erreichen.
Anja Steininger ist Team Lead Corporate Communications bei der Roche Pharma AG in Grenzach-Wyhlen. (Foto: Roche)
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