Wie UCB digitale Begleitprogramme im Pharmamarketing positioniert
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Digitale Begleitprogramme gelten längst als fester Bestandteil moderner Patientenstrategien, doch wo endet Service und wo beginnt echte Versorgung? Kevin Grund, Business Capability Lead bei UCB Pharma, erklärt, wie Predictive Analytics und digitale Ökosysteme das Pharmamarketing der kommenden Jahre verändern werden.
Unternehmen wie UCB setzen mit Angeboten wie MyTherapy oder CareCompass seit Jahren auf digitale Unterstützung für Patientinnen und Patienten und gehen damit in ihrer Kommunikationsstrategie über die klassische Produktkommunikation hinaus.
Für Kevin Grund, Business Capability Lead bei UCB Pharma, gehören digitale Begleitprogramme von Pharma inzwischen selbstverständlich zur Gesundheitsversorgung dazu. „Digitale Begleitprogramme sind für uns heute weit mehr als ein zusätzlicher Service. Sie sind ein wichtiger Baustein einer patientenzentrierten Versorgung“, sagt er. Ziel sei es, Patientinnen und Patienten nicht nur zum Zeitpunkt der Therapieentscheidung zu begleiten, sondern im gesamten Alltag der Erkrankung. „Beispielsweise beim Krankheitsverständnis, bei der Therapietreue oder beim Umgang mit den praktischen Herausforderungen einer chronischen Erkrankung“.
Diese neue Aufgabe verändert aus Grunds Sicht auch das Selbstverständnis von Pharmamarketing insgesamt. Es reiche nicht mehr, Botschaften zu senden. „Pharmamarketing entwickelt sich zunehmend von der reinen Informationsvermittlung hin zur Gestaltung relevanter Nutzererlebnisse“, so Grund. „Entscheidend ist die Frage, welches Problem ein Unternehmen für Betroffene tatsächlich löst, denn nur so entsteht eine belastbare Beziehung zu Patientinnen und Patienten“.
Vom Marketing zur Versorgung
Wo genau die Grenze zwischen Marketinginstrument und echtem Versorgungsangebot verläuft, beschreibt Grund so: „Ein Marketinginstrument verfolgt primär Kommunikationsziele. Ein echtes Versorgungsangebot löst ein reales Problem entlang der Patient Journey.“ Viele digitale Angebote würden sich bislang auf einzelne Berührungspunkte konzentrieren, doch die Zukunft liegt für ihn in vernetzten Ökosystemen, die verschiedene Phasen der Versorgung miteinander verbinden.
Auch bei der Frage, welche Rolle Künstliche Intelligenz und Predictive Analytics künftig spielen, bleibt Grund konkret in der Abgrenzung, auch wenn die Anwendung noch Zukunftsmusik ist: „Wichtig ist dabei, dass Predictive Analytics nicht Entscheidungen ersetzt, sondern die richtigen Impulse zur richtigen Zeit liefert.“ Langfristig könnten digitale Systeme Muster erkennen, die auf Unterstützungsbedarf hindeuten, und das noch bevor Patientinnen und Patienten selbst aktiv werden.
MyTherapy und CareCompass im Überblick
- MyTherapy wurde vom Berliner Unternehmen smartpatient entwickelt. UCB kooperiert mit dem Anbieter und hat unter anderem ein eigenes Modul für Psoriasis-Patientinnen in die App integriert und in Deutschland gestartet. Laut Angaben von smartpatient zählt MyTherapy mit mehr als fünf Millionen Nutzerinnen und Nutzern zu den weltweit meistheruntergeladenen Apps für Medikamentenmanagement. Die App bietet Erinnerungsfunktionen für Medikamente, Symptomtracking, einen Barcode-Scan für Beipackzettel sowie einen integrierten Wechselwirkungscheck.
- CareCompass richtet sich an pflegende Angehörige von Menschen mit Dravet-Syndrom und Lennox-Gastaut-Syndrom. Das sind zwei seltenen, schwer verlaufenden Epilepsieformen. Die webbasierte Plattform wurde von UCB gemeinsam mit Betroffenen und Pflegenden entwickelt und bündelt Patienteninformationen, Medikationspläne und Notfallpläne an einem Ort. Das Angebot ist kostenfrei, allerdings aktuell ausschließlich für Nutzer in den USA verfügbar.
Grund berichtet mit Blick auf die eigene Organisation, dass sich damit auch die interne Zusammenarbeit bei UCB verändert. „Deshalb arbeiten heute Bereiche wie Marketing, Medical, Market Access, Patient Engagement und Digital deutlich enger zusammen als noch vor einigen Jahren. Der Fokus verschiebt sich von einzelnen Kontaktpunkten hin zur Frage, wie Patientinnen und Patienten entlang ihrer gesamten Versorgungserfahrung unterstützt werden können.“
Skalierung als eigentliche Herausforderung
Damit ein digitales Patientenprogramm über die Pilotphase hinaus in die breite Versorgung findet, braucht es nach Grunds Einschätzung mehr als funktionierende Technologie. „Wirklich erfolgreich skalieren können digitale Patientenprogramme nur dann, wenn Patienten, HCPs, Kostenträger und Anbieter gleichermaßen profitieren“, sagt er.
Wie viele Unternehmen der Branche verbindet UCB die eigene Digitalstrategie inzwischen mit dem größeren Anspruch, sich vom reinen Produktanbieter zum Versorgungspartner zu entwickeln. Wie aus dieser vielfach formulierten Ambition am Ende auch belastbare Evidenz für den tatsächlichen Versorgungsnutzen wird und wie das die Versorgungslandschaft allgemein verändert, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

