Pharmamarketing-Trends 2026: Diese 7 Entwicklungen beschäftigen die Branche

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Keine großen Ausschläge, keine radikalen Brüche: Für Pharma und Healthcare zeichnet sich mit Blick auf Budgets und wirtschaftliche Rahmenbedingungen laut CMO Barometer 2026 ein vergleichsweise stabiles Umfeld ab. Von Stillstand kann trotzdem keine Rede sein. Künstliche Intelligenz, veränderte Rollenprofile und steigende Anforderungen an Glaubwürdigkeit verändern die Kommunikationspraxis spürbar. Ein Überblick über sieben Trends, die das Healthcare- und Pharmamarketing 2026 beschäftigen werden.
Quellen
- CMO Barometer 2026
Internationale Marketingstudie auf Basis einer Online-Befragung von 805 Chief Marketing Officers und Marketingentscheider aus 15 europäischen Ländern und dem Mittleren Osten. Der Pharma- und Healthcare-Sektor ist mit n = 34 vertreten. Herausgegeben von der Serviceplan Group in Kooperation mit der Universität St. Gallen (HSG) und Heidrick & Struggles. - TERRITORY Trendreport 2026
Qualitativer Trendreport von TERRITORY, der die gesellschaftlichen, technologischen und kommunikativen Entwicklungen analysiert. Der Report identifiziert acht zentrale Marketingtrends für 2026 und richtet sich an Marketing- und Kommunikationsverantwortliche.

„Spürbarer ist der Wandel zunächst bei den Agenturen. Sie sind es, die die Effekte der KI-Transformation zuerst erleben, weil sie näher an operativen Prozessen arbeiten, stärker unter Effizienzdruck stehen und schneller skalieren müssen.“
1. Budget 2026: Ein stabiler Markt, vor allem für Rx
Die Lage? Stabil. Laut CMO Barometer 2026 erwarten 68 Prozent der Befragten, dass die wirtschaftliche Situation im Bereich Pharmaceutical/Health weitgehend gleich bleibt. 65 Prozent gehen von stabilen Marketingbudgets aus. „Besonders im RX-Bereich spielt die Konjunktur eine untergeordnete Rolle“, erläutert Prof. Dr. Sven Reinecke, geschäftsführender Direktor des Instituts für Marketing und Customer Insight sowie Titularprofessor an der Universität St. Gallen (HSG). Die Universität St. Gallen ist Kooperationspartner bei der Durchführung des CMO Barometers 2026. Politische und regulatorische Rahmenbedingungen wirkten hier stärker als wirtschaftliche Zyklen. „Anders fällt die Situation im OTC-Segment aus, das näher am FMCG-Markt liegt und sensibler auf Konsumstimmungen reagiert.“ Für das Marketing bedeutet das vor allem eine höhere Volatilität. Während RX-Marketing vergleichsweise planbar bleibt, ist OTC stärker von Kaufzurückhaltung, Preisbewusstsein und Wettbewerb geprägt. Klassische Marketinghebel wie Sichtbarkeit, Nutzenargumentation und Markenvertrauen gewinnen an Bedeutung, zugleich steigt der Anspruch, Wirkung kurzfristig nachzuweisen und flexibel auf Marktbewegungen zu reagieren.

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Isabel Klempa & Vanessa Schneider, PINK CARROTS über OTC-TV-Spots
TV-Spots sind in der OTC-Kommunikation zwar ein zentrales Element, aber sie funktionieren erst dann richtig gut, wenn sie in einen Gesamtkontext eingebettet sind und die Zielgruppe die Kampagne auch an anderen Touchpoints wiederfindet. Zum Beispiel in Online-Medien, in Print-Anzeigen und natürlich auch in der Apotheke.
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2. KI wird vor allem als Effizienzwerkzeug genutzt
Im CMO Barometer 2026 nennen ungestützt 68 Prozent der CMOs AI & Automation als wichtigsten Trend. 87 Prozent bewerten den Einsatz von KI in Marketingprozessen als wichtig oder sehr wichtig. Im Mittelpunkt steht dabei weniger die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle als die Steigerung von Produktivität. „Vor allem Generative AI gilt als extrem relevant für das Content Marketing. Sie ermöglicht Skalierung, spart Ressourcen und verändert Jobprofile“, sagt Sven Reinecke. Einstiegspositionen würden seltener nachbesetzt. Gleichzeitig begrenzten Regulierung und Compliance den offiziellen Einsatz in Pharmaunternehmen. KI werde daher vielfach genutzt, ohne offen als solche ausgewiesen zu werden. Das Phänomen der Schatten-KI werde die Branche auch 2026 begleiten.

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Susann Weber, AstraZeneca, über KI & Kreativität
„Kreativität zeigt sich nicht nur im Design, sondern ebenso im Texten, Storytelling, in der Entwicklung technischer Lösungen oder beim intelligenten Verknüpfen und Auswerten von Daten, etwa zur Entwicklung von Dashboards oder Analyse-Tools. Überall dort, wo wir neue Wege gehen und innovative Lösungen schaffen, ist Kreativität gefragt.“
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3. Der CMO wird zum Transformationsmanager
Mit der zunehmenden Technologisierung verändert sich auch die Rolle des Marketingverantwortlichen. Für Reinecke ist klar, wohin die Entwicklung führt: „Der CMO wird zum CTO, zum Chief Transformation Officer.“ CMOs übernehmen Verantwortung für Technologieentscheidungen, Datenstrukturen, Prozessdesign und Governance. Im Pharmamarketing ist diese Entwicklung besonders ausgeprägt, da Marketing eng mit sensiblen Gesundheitsdaten, regulatorischen Vorgaben und dem Vertrieb verzahnt ist. Diese Verschiebung wird nicht nur in der wissenschaftlichen Einordnung sichtbar, sondern auch in den Ergebnissen der Studien. Das CMO Barometer zeigt, dass KI, Datenintegration und Effizienz zu den zentralen Handlungsfeldern zählen. Der TERRITORY Trendreport beschreibt Marketing zunehmend als vernetztes System aus Technologie, Media, Content und Organisation. Julia Zimmermann von der Agentur Serviceplan: „Vielmehr entwickelt sich Marketing zu einem zentralen Leistungsinstrument für ein modernes Unternehmen, in dem Zieldefinition, Markenentwicklung, Vertrauensbildung und technische Umsetzung zusammenlaufen – für einen maximalen ROI.“ In der Konsequenz wird KI weniger zum Kampagnenthema als zur strukturellen Frage. Marketingabteilungen müssen enger mit IT, Legal und Compliance zusammenarbeiten, neue Kompetenzen aufbauen und Prozesse neu denken. Strategische Steuerung gewinnt an Bedeutung, während operative Aufgaben stärker automatisiert werden.
Damit verändert sich nicht nur das Rollenprofil des CMO, sondern auch das Selbstverständnis von Marketing insgesamt. Weg von einer rein kommunikativen Funktion, hin zu einer gestaltenden Rolle im Unternehmen.

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Christiane Schrix, UCB, über Transformation im Marketing
Was auf dem Papier wie ein technischer Job klingt, ist in Wirklichkeit tief kulturell. Denn Wandel gelingt nur, wenn Menschen mitgenommen werden. Für Schrix ist das keine Plattitüde, sondern Alltag: „Es reicht nicht, Technik bereitzustellen. Es braucht Kolleginnen und Kollegen, die verstehen, warum wir Dinge verändern, und die bereit sind, diesen Weg mitzugehen.“
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4. ROI und Messbarkeit bestimmen Marketing-Maßnahmen
Data-based Marketing sowie Marketing ROI, Controlling und Analytics zählen laut CMO Barometer 2026 zu den relevanten Marketingtrends. 80 Prozent der befragten Marketingentscheidenden bewerten datenbasiertes Marketing als besonders wichtig, 78 Prozent messen Marketing ROI, Controlling und Analytics eine hohe Bedeutung für die kommenden Jahre bei. Für das Pharmamarketing bedeutet das eine Verschiebung der Diskussionen. Weniger geht es um Budgethöhe, stärker um Effizienz, Zielgruppenerreichung und den konkreten Beitrag zur Wertschöpfung. Gerade im Rx-Marketing als Markt mit klar definierten Zielgruppen und komplexen Entscheidungswegen gewinnt belastbare Evidenz an Bedeutung, nicht zuletzt, um Marketingmaßnahmen intern nachvollziehbar zu begründen und strategisch weiterzuentwickeln. Hinzu kommt, dass Datenverfügbarkeit und Personalisierung im Pharmamarketing strukturell begrenzt bleiben. Umso wichtiger wird es, mit den vorhandenen Daten konsistente und vergleichbare KPI-Modelle zu etablieren.

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Janine Dahl, Roche, über KPIs im Pharmamarketing
„Klassische KPIs – Klickrate, Verweildauer oder Conversion – stammen aus einer Zeit, in der digitale Kommunikation noch primär eindimensional war. Heute bewegen wir uns in einem Netzwerk aus Kanälen, Formaten und Zielgruppen, die sich ständig verändern. Erfolg ist dadurch vielschichtiger geworden. Wenn ich nur auf Reichweite schaue, sehe ich nicht, was wirklich wirkt. Neue KPIs müssen das Zusammenspiel verstehen und den Kontext, in dem ein Kontakt entsteht.“
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5. Vertrauen und Authentizität werden zur Ressource
Mit der zunehmenden KI-Nutzung wächst auch das Misstrauen gegenüber austauschbaren Inhalten. Der TERRITORY Trendreport 2026 identifiziert Health Trust als eigenen Branchentrend. Social Media sind zugleich zentraler Informationskanal und Ort großer Unsicherheit. Sarah Hartel, Project Lead Social Media bei TERRITORY, betont: „Social Media ist nicht per se eine Quelle von Desinformation. Es kommt darauf an, die Plattformen zur Aufklärung zu nutzen.“ Die Zusammenarbeit mit Patienten-Infuencern gewinnt in diesem Kontext an Relevanz, weil die Inhalte nahbar und originär sind. Vor allem im B2B-Umfeld wird Authentizität zunehmend zum Qualitätsmerkmal. Reinecke beobachtet, dass KI-generierte Inhalte schnell erkannt werden und an Wirkung verlieren. „Authentizität ist dort, wo Pharmaunternehmen B2B-Kontakte zu Ärzten pflegen, extrem wichtig.“ 2026 läutet einen Richtungswechsel ein: Weg vom Contentdruck hin zu gezielt guten Inhalten mit hoher Authentizität, gerade wenn es um B2B-Kommunikation geht. KI kann im Content Marketing Prozesse beschleunigen, Inhalte dürfen aber nicht beliebig werden. Sonst riskieren Unternehmen Relevanz- und Vertrauensverlust.

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Christina Ankirchner, Roche, über die Content Creator Masterclass (CCMC)
„Die CCMC wurde auf Wunsch der Patient:innen-Community ins Leben gerufen, und spiegelt die zunehmende Wichtigkeit von sozialen Medien und Künstlicher Intelligenz für die Gesundheitsinformation und -kommunikation wider.“
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6. Personalisierung bleibt Anspruch, stößt aber an Grenzen
Customer Experience und Personalisierung gehören weiterhin zu den wichtigsten Marketingtrends. In der Praxis stößt Personalisierung im RX-Bereich jedoch an strukturelle Grenzen. Regulatorische Vorgaben, Datenschutz und begrenzte Datenverfügbarkeit erschweren weiterhin echte Individualisierung auf Personenebene. Stattdessen setzen Pharmaunternehmen verstärkt auf Segment- und Kontextansätze, etwa entlang von Fachgruppen, Indikationen oder Informationsbedürfnissen. Personalisierung findet damit weniger über individuelle Profile statt, sondern über relevante Inhalte zum richtigen Zeitpunkt und im passenden Nutzungskontext. Diese Ansätze wirken weniger spektakulär als One-to-One-Kommunikation, sind im regulierten Umfeld jedoch realistisch umsetzbar und strategisch belastbar.

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Tabea Jost, DR. KADE, über datengetriebene Zielgruppenansprache
Ein zentrales Projekt steht kurz vor dem Start: die Einführung KI-gestützter Fach-Newsletter, die im kommenden Jahr live gehen sollen. Ziel ist es, Ärztinnen und Ärzte gezielter und relevanter anzusprechen. „Wir nutzen KI, um Inhalte auf Basis von Nutzerverhalten, Informationsbedürfnissen und Themeninteressen anzupassen“, erklärt Jost im Gespräch. Die Technologie unterstützt bei Textoptimierung, Tonalitätsanalyse und Themenpriorisierung. Sie analysiert, welche Inhalte wirklich gelesen und angeklickt werden. Dadurch entsteht eine datenbasierte Grundlage, um Fachinformationen präziser auszuspielen.
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7. Persönlicher Kontakt bleibt entscheidend
Bei aller Effizienzorientierung bleibt der Mensch zentral. Zwar werden Außendienststrukturen reduziert, doch bei hochpreisigen und erklärungsbedürftigen Produkten bleibt der persönliche Austausch unverzichtbar. Gerade bei neuen Therapien oder komplexen Indikationen spielt der direkte Dialog eine entscheidende Rolle, um Vertrauen aufzubauen und Inhalte einzuordnen. Digitale Self-Service-Modelle können Informationen bereitstellen, ersetzen aber nicht die persönliche Interaktion. In der Praxis erweisen sie sich häufig als weniger wirksam als gezielte Push-Kommunikation, insbesondere dann, wenn es um erklärungsbedürftige Inhalte, Rückfragen oder Beziehungsaufbau geht. Digitale Kanäle ergänzen den persönlichen Kontakt, sie ersetzen ihn nicht.

Veeva Systems
Dr. Jörg Mütze, Veev, über KI & Außendienst
Wo kann die KI unserem Außendienst wirklichen Mehrwert bieten? Je besser das Projekt umrissen ist, desto besser wird es seiner Erfahrung nach von den Mitarbeitenden aufgenommen. Und je eher sie erkennen, wie eine Anwendung ihnen hilft, desto schneller sind sie im Boot und desto höher ist die Akzeptanz der neuen Technologie. „Dafür braucht es einen Fahrplan. Technologie ist immer nur das Mittel und nicht der Zweck. Wir wollen nicht einfach irgendwo KI überstülpen.“
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Fazit
Marketingtrends 2026 im Healthcare- und Pharmabereich: Es geht um Konsolidierung, nicht um Disruption um jeden Preis. Künstliche Intelligenz verändert Prozesse, Rollen und Effizienz, aber nicht über Nacht und nicht in allen Bereichen gleichermaßen.
Auch mit Blick auf Agentic AI rät Prof. Dr. Sven Reinecke zur realistischen Einordnung. Die derzeitigen Effizienzgewinne seien erst der Anfang. Die eigentliche Wirksamkeit neuer KI-Ansätze werde sich erst dann entfalten, wenn Unternehmen ihre Prozesse grundlegend neu aufgesetzt haben. Dieser Schritt braucht Zeit und wird frühestens ab 2027 oder 2028 relevant. „Spürbarer ist der Wandel zunächst bei den Agenturen. Sie sind es, die die Effekte der KI-Transformation zuerst erleben, weil sie näher an operativen Prozessen arbeiten, stärker unter Effizienzdruck stehen und schneller skalieren müssen.“ Für Agenturen im Healthcare-Umfeld bedeutet das, ihr Leistungsversprechen neu zu definieren und sich jenseits reiner Content-Produktion zu positionieren.
Für Pharmaunternehmen selbst bleibt der Zeithorizont länger. Stabilität, Regulierung und planbare Märkte dämpfen den Veränderungsdruck. Umso wichtiger wird es, technologische Entwicklungen nüchtern einzuordnen, Effizienzpotenziale konsequent zu nutzen und gleichzeitig die menschlichen Faktoren nicht aus dem Blick zu verlieren. Vertrauen, Authentizität und persönliche Beziehungen bleiben auch 2026 die entscheidenden Währungen im Healthcare-Marketing.
FAQ: Marketingtrends 2026 im Healthcare- und Pharmabereich
Worum geht es in dem Artikel?
Der Überblick ordnet sieben Trends ein, die das Healthcare- und Pharmamarketing 2026 prägen. Grundlage sind das CMO Barometer 2026, der TERRITORY Trendreport 2026 sowie die Einordnung von Prof. Dr. Sven Reinecke von der Universität St. Gallen.
Warum steht Budgetstabilität im Fokus?
68 Prozent der Befragten erwarten laut CMO Barometer eine stabile wirtschaftliche Situation, 65 Prozent gehen von stabilen Marketingbudgets aus. Damit verschiebt sich der Maßstab: Marketing wird stärker an Wirkung und Effizienz gemessen.
Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz?
KI wird vor allem pragmatisch eingesetzt, um Prozesse effizienter zu gestalten. Im Mittelpunkt stehen Automatisierung und Skalierung, insbesondere im Content Marketing, weniger neue Geschäftsmodelle.
Warum ist Generative AI kein kurzfristiger Gamechanger?
Generative AI bringt zunächst Effizienzgewinne. Tiefgreifende Veränderungen entstehen erst, wenn Organisationen ihre Prozesse neu aufsetzen – ein mittelfristiger Schritt.
Was bedeutet der Wandel der CMO-Rolle?
CMOs übernehmen zunehmend Verantwortung für Technologie, Daten, Prozesse und Governance. Marketing wird stärker als organisatorische Gestaltungsfunktion verstanden.
Warum bleibt Vertrauen zentral?
Gesundheitsthemen sind sensibel. Glaubwürdigkeit, Authentizität und saubere Einordnung bleiben entscheidend, gerade in digitalen und KI-gestützten Kontexten.
Wer spürt den Wandel zuerst?
Agenturen erleben die Effekte der KI-Transformation früher. Für Pharmaunternehmen verläuft der Wandel langsamer, aber strategisch.
Disclaimer: Die FAQ wurden mit KI generiert.

