Wie nutzen Ärztinnen und Ärzte KI-Tools wirklich, und was bedeutet das für die HCP-Kommunikation im Pharmamarketing? Eine aktuelle Studie von inVibe und Assembled Intelligence zeigt: ChatGPT ist im klinischen Alltag angekommen, aber Vertrauen bei medizinischen Entscheidungen genießen weiterhin Fachjournals und Leitlinien.

Die meisten Umfragen zur KI-Nutzung im Gesundheitswesen funktionieren nach dem gleichen Muster: Kästchen ankreuzen, Balkendiagramm exportieren, Pressemitteilung verschicken. Was inVibe und Assembled Intelligence 2026 vorgelegt haben, ist methodisch etwas anderes.

inVibe ist ein auf Pharma spezialisierter Voice-Research-Anbieter, der mit Sprachdatenerhebung, Machine Learning und linguistischer Analyse arbeitet. Assembled Intelligence ist eine auf Healthcare-Kommunikation ausgerichtete Commercialization-Plattform. Gemeinsam haben sie 150 US-amerikanische Healthcare Professionals nicht nur mit einem quantitativen Survey befragt, sondern anschließend in unmoderierten Voice-Response-Interviews frei sprechen lassen. Die Audioaufnahmen wurden per KI-gestützter Akustikanalyse auf emotionale Reaktionsmuster ausgewertet, auf Aktivierung, Valenz, Dominanz. Das Ergebnis dieser Befragungen ist nicht nur ein Nutzungsranking, sondern es gibt auch ein Bild davon ab, wie Ärztinnen und Ärzte Kanäle nutzen und erleben.

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung: 78 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte nutzen ChatGPT beruflich. KI-Tools erreichen in der Nutzungsfrequenz mit einem Wert von 4,71 fast das Niveau von Suchmaschinen (5,67). Sobald aber eine echte klinische Entscheidung ansteht, kehren Ärztinnen und Ärzte zu Fachjournals, Leitlinien und Referenzdatenbanken wie UpToDate oder PubMed zurück. Dabei liegt der Vertrauenswert für Fachquellen mit 5,52 von 7 deutlich über dem für KI-Tools (4,85). Viel Nutzung, bedingtes Vertrauen also und das ist die Gleichung, mit der Pharmamarketing rechnen muss.

Um diesen Inhalt von Infogram anzuzeigen, müssen Sie ihn entsperren. Dabei werden Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

KI nur für mehr Effizienz

Was Ärztinnen und Ärzte von KI wollen, ist klar: Sie soll Zusammenfassungen, administrative Entlastung und schnelle Orientierung in dichten Informationsmengen liefern. Nicht gewollt ist KI als letzte Instanz bei therapierelevanten Fragen. Ein Teilnehmer der Untersuchung bringt es auf den Punkt: Er nutze ChatGPT und UpToDate auf grundlegend verschiedene Weise, weil er bei lebenswichtigen Entscheidungen nachprüfen müsse, was er lese.

Bei der Frage nach den meistgenutzten Tools führt ChatGPT das Feld klar an. Die LLM wird von rund 78 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte beruflich genutzt. Dahinter fällt die Nutzung steil ab. Google AI Overviews erreicht etwa die Hälfte, Gemini und Copilot liegen im unteren Drittel. Spezialisierte Tools wie OpenEvidence und Claude spielen bislang eine Nebenrolle. Auffällig ist der Drop zwischen allgemeiner beruflicher Nutzung und der gezielten Nutzung für klinische Fachinformationen. Hier sinkt die Rate bei jedem Tool deutlich, sobald es um aktuelle Daten geht. Je höher also der klinische Einsatz, desto größer das Vertrauensproblem.

Um diesen Inhalt von Infogram anzuzeigen, müssen Sie ihn entsperren. Dabei werden Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Die Ergebnisse haben direkte Konsequenzen für Content-Strategien. KI-Systeme greifen bevorzugt auf strukturierte, zitierbare Inhalte zurück. Inhalte ohne klare Quellenangaben mit unklarem oder fehlendem Studiendesign oder mit intransparent ausgewiesenen Sicherheitsdaten werden schlicht nicht weitergetragen, und das weder von den Tools noch von den Ärztinnen und Ärzten, die deren Ausgaben gegenchecken.

Der letzte Meter entscheidet

Die Untersuchung beschreibt vier Rollen, die verschiedene Kanaltypen im Informationsverhalten von Ärztinnen und Ärzten spielen: Suchmaschinen als Einstiegspunkt, Fachquellen als Evidenzbasis, KI-Tools als Effizienzschicht, Social Media und Streaming als passive Awareness-Kanäle. Jeder Kanal hat seinen Platz. Awareness-Kanäle können nicht validieren, Evidenzkanäle können keine Aufmerksamkeit ersetzen. Wer beides vermischt, verliert auf beiden Seiten.

Was zählt, ist der letzte Meter: Wer nach dem ersten Impuls auf einer Produktseite landet, will nicht suchen. Studiendesign, Endpunkte, Sicherheitsdaten und der Link zur Primärquelle müssen auf einen Blick zu finden sein, sonst ist die Person weg. Content, der diesen Test nicht besteht, fällt raus.

Was lässt sich auf Deutschland übertragen?

Die Untersuchung erfasst ausschließlich US-amerikanische Ärztinnen und Ärzte. Die Übertragung auf den deutschen Markt ist nicht eins zu eins möglich, aber es gibt strukturelle Gemeinsamkeiten.

Auch hierzulande zeigt sich in der Praxis, dass KI-Tools vor allem für administrative und orientierende Aufgaben genutzt werden, während klinische Entscheidungen an S3-Leitlinien oder evidenzbasierten Referenzwerken hängen. Die Skepsis gegenüber kommerziellen Inhalten ist im deutschen HCP-Umfeld traditionell ausgeprägt, der Außendienst verliert an Reichweite, digitale Kanäle sind im Aufwind. Das macht die Kernthese der Untersuchung für den deutschen Kontext eher schärfer als weicher.

Ein Unterschied bleibt dennoch. In Deutschland fehlt bislang eine vergleichbare Datenbasis zur KI-Nutzung unter Ärztinnen und Ärzten. Die 78-Prozent-Zahl für ChatGPT ist ein US-Wert. Für den deutschen Markt gibt es Hinweise auf wachsende Nutzung, aber keine belastbaren Benchmarks. Wer hier Erhebungen initiiert oder beauftragt, besetzt womöglich ein weißes Feld.

Konsequenzen für das Pharmamarketing

Erstens: Reichweite und Relevanz entkoppeln sich. Ein hoher Sichtbarkeitswert in KI-Ausgaben oder bei Google nützt wenig, wenn der Content am Ort der Verifikation nicht standhält. Es geht nicht nur darum, dass Inhalte gefunden werden, sondern auch ob sie der Überprüfung durch eine kritische Fachperson standhalten.

Zweitens: Evidence-First ist ein Qualitätsmerkmal und darüber hinaus eine Systemvoraussetzung. KI-Systeme bevorzugen strukturierte Inhalte mit klaren Quellenangaben und geben diese weiter. Außerdem werden sie von Ärztinnen und Ärzte als vertrauenswürdig eingestuft.

Drittens: Der Generationenunterschied ist real, aber kein Grund für zwei separate Strategien. Bei Ärztinnen und Ärzten mit zwei bis zehn Jahren Berufserfahrung liegt die berufliche KI-Nutzung bei 5,13 von 7, bei der erfahrensten Gruppe mit 21 bis 30 Jahren Praxis fällt sie auf 4,66. Gleichzeitig dreht sich das Bild bei Fachquellen um: Etablierte Kliniker und Klinikerinnen nutzen PubMed, UpToDate und Co. häufiger (5,38 von 7) als Berufseinsteiger und Berufseinsteigerinnen (5,10). Beide Gruppen landen bei denselben Evidenzanforderungen. Eine solide Inhaltsbasis mit variabler Einstiegserfahrung bedient beide Kohorten, ohne das Budget zu verdoppeln.

FAQ: KI, Vertrauen und der letzte Meter im HCP-Engagement

Nutzen Ärztinnen und Ärzte KI-Tools wirklich für klinische Entscheidungen?

Für Orientierung und administrative Aufgaben ja, für klinische Entscheidungen nein. Die inVibe/Assembled-Intelligence-Studie (März 2026, n=150 US-HCPs) zeigt: 78 Prozent nutzen ChatGPT beruflich, aber sobald eine therapierelevante Entscheidung ansteht, wechseln Ärztinnen und Ärzte zu Fachjournals, Leitlinien und klinischen Referenzdatenbanken. KI ist Effizienzschicht, nicht Urteilsinstanz.

Warum reicht hohe Sichtbarkeit in KI-Ausgaben allein nicht aus?

Weil Ärztinnen und Ärzte KI-Outputs aktiv gegenchecken. Inhalte ohne klares Studiendesign, ohne ausgewiesene Endpunkte und ohne Verlinkung zur Primärliteratur fallen im Verifikationsmoment durch. Der Vertrauenswert für Fachquellen liegt in der Studie mit 5,52 von 7 deutlich über dem für KI-Tools (4,85). Sichtbarkeit nützt nur, wenn der Inhalt am Ort der Überprüfung standhält.

Was müssen Pharmaunternehmen konkret ändern?

Drei Dinge: Studiendesign, Endpunkte und Sicherheitsdaten müssen auf jeder Inhaltsseite auf einen Blick erkennbar und direkt mit der Primärquelle verlinkt sein. KI-Kanäle taugen zur Orientierung und Awareness, nicht zur Evidenzlieferung. Und Erfolg misst sich nicht an Klickzahlen, sondern daran, ob Ärztinnen und Ärzte tatsächlich mit den Evidenzinhalten interagieren, also Studienseiten lesen, Referenzen aufrufen, Sicherheitsabschnitte öffnen.

(*Disclaimer: Dieser Kasten wurde mithilfe von KI erstellt.)