Novo Nordisk Dänemark: Public Private Partnerships & Digitalisierung


Tobias Gemmel ist Senior Director External Affairs, Novo Nordisk Deutschland © Novo Nordisk
"Wir sollten – wie es uns unsere nordischen Nachbarn vormachen – mehr Mut zeigen, ausprobieren und dann im weiteren Verlauf gegebenenfalls anpassen und modifizieren."Health Relations: Natürlich kann man nicht alles 1:1 übertragen, aber was kann Deutschland vom dänischen Vorbild lernen?

Michaela Frank ist Senior Communication Manager bei Novo Nordisk Deutschland. © Novo Nordisk
"Für die Zukunft wünschen wir uns seitens der Beteiligten im Gesundheitssystem mehr Offenheit und Akzeptanz gegenüber pharmazeutischen Unternehmen."Health Relations: Welche Form von Kooperation könnten Sie sich für Deutschland vorstellen?Michaela Frank: Mit "Cities Changing Diabetes", unserem globalen Partnerschaftsprogramm für gesündere Lebensbedingungen in Städten und Vorbeugung von Übergewicht und Diabetes, gehen wir in Deutschland bereits mit gutem Beispiel voran. Es basiert auf dem Prinzip der Public Private Partnerships. Gerade primäre und sekundäre Prävention erfordern eine sektorenübergreifende und interdisziplinäre Zusammenarbeit, u.a. zwischen Unternehmen, Leistungserbringern und insbesondere auch Kommunen. Um Übergewicht und Diabetes wirkungsvoll vorzubeugen und die ansteigende Prävalenz-Kurve effektiv zu senken, müssen alle Beteiligten, und das ist entscheidend, im kommunalen Setting an einem Strang ziehen. Nur wenn man Vor-Ort in den Kommunen zielgruppengerechte präventive Maßnahmen anbietet, können gefährdete Menschen erreicht und ein positiver Effekt erzielt werden. Für die Zukunft wünschen wir uns seitens der Beteiligten im Gesundheitssystem mehr Offenheit und Akzeptanz gegenüber pharmazeutischen Unternehmen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Unternehmen, wie z. B. Novo Nordisk durch seine Stiftungszugehörigkeit, ihr Handeln auch am Gemeinwohl orientieren. Ich denke, "Cities Changing Diabetes" kann als Blaupause für eine erfolgreiche Zusammenarbeit der unterschiedlichen Player im Gesundheitswesen dienen. Health Relations: Gibt es weitere Koopmerationsformen, die infrage kommen?Michaela Frank:Kollaboration und Knowledge-Sharing können auch auf anderen Ebenen passieren, und auch hier lohnt sich der Blick auf unser skandinavisches Nachbarland und ein weiteres Beispiel eines gelungenen Public Private Partnerships: Mit dem 2017 fertiggestellten "Maersk Tower" hat eine der weltweit größten Reedereien der Stadt Kopenhagen bzw. der dortigen Universität einen großartigen Bau für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt. In dem ultra-modernen Gebäudekomplex sind einige der weltweit führenden Forschungsgruppen im Bereich der Gesundheits- und Medizinwissenschaften angesiedelt, neben Teilbereichen der "Faculty of Health and Medical Sciences" der Universität Kopenhagen u.a. auch das "Novo Nordisk Foundation Center for Basic Metabolic Research". Die gemeinsame Nutzung von Räumlichkeiten, sogar von Laboren, und der offene Übergang zwischen den einzelnen Stockwerken bricht mit den traditionellen Strukturen und ermöglicht so neue synergistische Formen der Kooperation und Kollaboration. Dies könnte evtl. auch eine Inspiration für den geplanten Biotechnik-Park sein, der aktuell an unserem deutschen Unternehmensstandort in Mainz diskutiert wird.
"Es ist wichtig, verantwortungsbewusst mit diesem vorsichtig positiven Image unserer Branche umgehen. Wir dürfen es nicht als 'das neue Normal' hinnehmen, sondern müssen verstehen, dass es ein fragiles Konstrukt ist"Health Relations: Sie sprachen es zuvor an: Die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass Akteure aus dem Gesundheitswesen gut zusammenarbeiten. Vor allem Pharmaunternehmen haben durch gezielte Kooperationen die Impfstoffentwicklung vorangebracht. Was ist Ihre Einschätzung, wie werden sich Kooperationen im Pharmabereich weiterentwickeln?Tobias Gemmel:Gerade im Biotechnologie-Bereich werden Kooperationen künftig nicht mehr wegzudenken sein – Big Pharma meets highly specialized start-ups. Die Kooperation zwischen Biontech und Pfizer bei der rasanten Impfstoffherstellung gegen COVID-19 ist nur ein aktuelles Beispiel und wird eine Vorreiterrolle spielen für die zukünftige Zusammenarbeit zwischen "Big Pharma" und biotechnologischen Start-up-Unternehmen. Wettbewerbsdenken tritt hierbei in den Hintergrund zugunsten von Synergien und optimalen Ergebnissen für die Patient:innen weltweit. Auch hier ist Dänemark vorn. Eine ausgewiesene "Life Science Strategie" baut auf einem etablierten Life Science-Ökosystem auf und verfolgt das Ziel, Dänemarks Potenzial in diesem Bereich weiter zu stärken. Die COVID-19-Krise hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig starke, effiziente und vertrauensvolle Public Private Partnerships im Life Science und Gesundheitsbereich sind. Davon profitieren die Menschen im Land, aber nicht zuletzt auch der Gesellschaft als solche, die Unternehmen und die dänische Wirtschaft. In Deutschland von einem solchen Ökosystem zu sprechen, wäre sicherlich etwas vermessen. Nichtsdestotrotz hat die Pandemie auch hierzulande die Wirtschaft ohne Frage stark angekurbelt. Nach Angaben des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) wird der Umsatz der Branche im kommenden Jahr um acht, die Produktion um gut drei Prozent wachsen. Die Pharmabranche ist ein maßgeblicher Faktor für das deutsche Wirtschaftswachstum. Damit der Pharmastandort Deutschland aber wettbewerbsfähig bleibt, muss in Sachen Bürokratieabbau, Digitalisierung und klinische Forschung noch Einiges passieren. Health Relations: Glauben Sie, dass die Öffentlichkeit nun auch ein anderes Bild von der Pharmaindustrie hat?Michaela Frank:Ich denke, die Corona-Krise und die Leistungen der Pharmaindustrie haben dazu geführt, dass die Öffentlichkeit ein positiveres Bild von unserer Branche hat als noch vor drei Jahren. Aber wir wissen aus der Vergangenheit: So schnell wie es sich ins Positive gekehrt hat, kann es sich auch wieder ins Gegenteil kehren. Eine negative Grundeinstellung und Skepsis gegenüber Big Pharma werden weiter existieren und können das Positive und auch die guten Absichten und Taten unserer Branche schnell in den Schatten stellen. Das Spannungsfeld „Geldverdienen mit Erkrankungen“ wird weiterbestehen. Schon ein kleiner Skandal kann hier in kurzer Zeit Vieles ins Wanken bringen. Deshalb ist es umso wichtiger, verantwortungsbewusst mit diesem vorsichtig positiven Image unserer Branche umzugehen. Wir dürfen es nicht als "das neue Normal" hinnehmen, sondern müssen verstehen, dass es ein fragiles Konstrukt ist, d.h. noch mehr als ohnehin schon wachsam, vorausschauend und bedacht agieren, gleichzeitig aber auch genau hinschauen. Denn COVID-19 hat eine ganze Reihe an Themen und Diskussionen in den Vordergrund gerückt, die ein enormes Potenzial haben, sich auf die Reputation auszuwirken – in die eine oder andere Richtung. Umso mehr ist es wichtig, dass wir glaubwürdig und vor allem nachhaltig zeigen und beweisen, dass wir unsere soziale und auch ökologische Verantwortung sehr ernst nehmen – über die aktuelle Krise hinaus. Daran werden wir als Unternehmen und Branche gemessen.

