Metaverse für Pharma: Hype oder Wendepunkt?

Was ist das Metaverse?
Fangen wir mit dem an, was das Metaverse nicht ist: Eine Erfindung von Facebook alias Meta. Meta heißt das Unternehmen hinter Facebook, Whatsapp, Instagram & Co., das bis 2021 noch den Namen Facebook Inc. trug. "Durch die geschickte (Aus-)Nutzung der Namensverwandtschaft – viele denken immer noch, das Metaverse sei eine Erfindung von Meta – ist eine 'symbiotische Verbindung' entstanden, die zum Erfolg verdammt ist", sagt Thilo Kölzer, CEO der antwerpes ag. "Denn: Stirbt das Metaverse, wird auch Meta großen Schaden erleiden."
Nicht brandneu, aber dank der Technik wird aus der Utopie Ernst: Agenturgründer Ihno Fokken über das Metaversum. © privat
Was heißt das für Pharma?
Nicht nur der Digitalverband Bitkom versucht, das Thema zu pushen, weil es aus ihrer Sicht eines der Zukunftsthemen für deutsche Unternehmen ist. Für Delphine Dubois und David Ferguson von der internationalen Healthcare Consultancy Groupist das Metaverse ein Wendepunkt in der Kommunikation mit Healthcare Professionals und Key Opinion Leaders. In ihrem Beitrag "Is pharma ready for the metaverse?" auf PharmaLive.com beschreiben sie, wie Nutzer:innen von einem herkömmlichen Konferenzraum in das Innere eines funktionierenden menschlichen Herzens wandern könnten. "Vergessen Sie die Technik. Das Metaverse ist die nächste Stufe in der Evolution des Geschichtenerzählens." Storytelling ist das eine, das Metaverse könnte aber noch ganz andere Aufgaben übernehmen. Pharmaunternehmen könnten beispielsweise Patientengemeinschaften und soziale Gruppen innerhalb des Metaversums einrichten. Telemedizin könnte auf ein neues Level gehoben werden. Klingt super. Aber: Wie hoch aber ist der Druck, zu handeln, wirklich? Ist die Vision wirklichkeitstauglich?Metaverse für Pharma: Hype oder Changemaker?
Dirk Poschenrieder, Managing Director von Havas Health & You in Düsseldorf, kann in Sachen Metaverse schon auf erste Erfahrungen seiner Agenturgruppe zurückgreifen. "Die Havas Group war das erste Kommunikationsunternehmen, das auch ein Stück virtuelles Land im Videospiel 'The Sandbox' hat", berichtet er. Das Ziel: "Die reale und die virtuelle Welt werden im Metaverse zusammenkommen, um ein immersives und erweitertes Havas Village-Erlebnis zu bieten." Exklusive Inhalte, vernetzte Animationen, Recruiting und Spiele: Havas werde Konferenzen, Veranstaltungen, Konzerte, Produkteinführungen und vieles mehr organisieren. Extra dafür wurde die Gruppe "Metaverse by Havas" ins Leben gerufen."Hype oder Potenzial. Das lässt sich mit Bestimmtheit erst in ein paar Jahren sagen."Man ist also vorbereitet bei Havas. Aber könnte das Metaverse auch für Pharmaunternehmen nachhaltig Chancen in der Kommunikation bergen? Poschenrieder bleibt vorsichtig. "Das ist im Augenblick schwer vorherzusagen. Ob Hype oder Potenzial. Das lässt sich mit Bestimmtheit erst in ein paar Jahren sagen. Bei dieser Frage geht es ja nicht nur darum, dass genügend Unternehmen mitmachen, sondern darum, dass die 'breite Masse' der Bevölkerung das Thema annimmt." Was nicht heißt, dass Unternehmen die Sache aussitzen sollte. "Die deutsche Pharmabranche sollte sich definitiv damit auseinandersetzen. Und zwar nicht irgendwann in grauer Zukunft, sondern jetzt. Denn nur jetzt kann man noch Themenfelder besetzen, Dinge ausprobieren."
"Noch ist es ein experimenteller Hype, aber das Potenzial ist da – gerade in der Health-Branche."Thilo Kölzer sieht die Sache mit Blick auf das Potenzial ähnlich. "Perspektivisch könnten wir durch das Metaverse die Etablierung eines digitalen Gesundheitssektors erleben, in dem Kliniken, Pharmaunternehmen, Ärzte und Versicherungen als vernetzte Akteure in einem virtuellen Raum interagieren. Die Patient Centricity lässt grüßen." Wer die breite Masse in virtuelle Welten locken will, muss allerdings echten Mehrwert bieten, darauf weist Kathrin Walther, Associate Director Strategy & Engagement Planning bei PINK CARROTS Communications in Frankfurt/M. und Berlin, hin. "Ganz wichtig wird sein: Welchen Mehrwert addiert das Metaverse und wie ergänzt es persönliche Kontakte und Interaktionen zwischen Unternehmen, Healthcare Professionals und Patient:innen?" Ihre Kollegin Julia Lerch, Director Digital Strategy bei PINK CARROTS Communications, ergänzt: "Noch ist es ein experimenteller Hype, aber das Potenzial ist da – gerade in der Health-Branche."
"Auseinandersetzen und im Blick haben: ja! Einsteigen und selber aktuell Projekte anstoßen: eher nein."

Kathrin Walther, Associate Director Strategy & Engagement Planning bei PINK CARROTS Communications GmbH, Frankfurt/M. und Berlin
© Pink Carrots

Julia Lerch, Director Digital Strategy bei PINK CARROTS Communications GmbH, Frankfurt/M. und Berlin
© Pink Carrots



