Family first: So tickt die nächste Ärztegeneration

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Vater Mutter Kind
© Liderina / iStock

Wer die Bedürfnisse von Medizinstudierenden kennt, kann mit entsprechenden Programmen reagieren. Eine große Online-Befragung der KBV zeigt, was sich die nächste Ärztegeneration wünscht.

Alle vier Jahre wird das „Berufsmonitoring Medizinstudierende“ im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und u.a. in Kooperation mit der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) durchgeführt. Befragt wurden im Juli 2018 knapp 14.000 Medizinstudierende.

Ein Resultat des Monitorings: Wenn es um die Wahl einer Facharztrichtung geht, dann ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Medizinstudierende von größter Bedeutung. 95 Prozent der Befragten war dies wichtig oder sehr wichtig. Viele Kliniken haben mit eigenen Familienprogrammen bereits auf diese Anforderung reagiert. Ein Knackpunkt bleibt aber die Männer- bzw. Frauenquote in der Elternzeit. So gehen bundesweit nur 2,5 Prozent der Ärzte und 97,5 Prozent der Ärztinnen in Elternzeit. Dass es auch anders geht, zeigt die Uniklinik Jena. Hier ist das Geschlechterverhältnis in der Elternzeit nahezu ausgeglichen.

Chirurgie weniger attraktiv

Je länger junge Mediziner studieren, desto unattraktiver wird die Chirurgie. Dies ist ein weiteres Ergebnis der Studie. Wünschen sich in der Vorklinik noch 32,4 Prozent der Studenten eine Spezialisierung in der Chirurgie, sind es im PJ nur noch 18,1 Prozent. Eine Maßnahme, die Chirurgie attraktiver zu machen, ist die Zuordnung eines Mentoren, die im Rahmen der Initiative Zukunft der Chirurgie an verschiedenen Helios-Kliniken durchgeführt wird. Als Klinikum der Maximalversorgung hat man mit dem Operationssystem Da Vinci ein weiteres Ass im Ärmel. „Nach meiner persönlichen Erfahrung suchen sich junge Bewerber insbesondere die Häuser aus, die über entsprechende Systeme verfügen“, sagt Dr. Hölzen, Oberarzt an der Klinik für allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Münster.

Die Digitalisierung kommt … aber ohne uns

Auch bei der Vermittlung einer digitalen Kompetenz sehen die Jungmediziner Optimierungspotenzial. „In der Aus-, Fort- und Weiterbildung sollten angehende Ärztinnen und Ärzte befähigt werden, ein umfassendes Verständnis von neuen technologischen Lösungen zu entwickeln“, so Malte Debbert, Vizepräsdient für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des bvmd. Aber wie geht die Vermittlung von digitaler Kompetenz in der Medizin? Bekanntermaßen ist Deutschland hier nicht Vorreiter. Mehr Erfahrung mit Digitalprojekten als viele andere Häuser hat die Uniklinik Essen. Mit der Initiative Smart Hospital werden verschiedene Programme angeboten, um Medizinstudenten und Assistenzärzten einen Einblick in die Digitalisierung des Klinikums zu geben.

Hohe Arbeitsbelastung als Push-Faktor

Der wichtigste Grund, der gegen eine Anstellung im Klinikum spricht, ist für eine Mehrheit der Medizinstudierenden die hohe Arbeitsbelastung. Diese Kritik klang bereits beim öffentlichen Streitgespräch „Dialog mit jungen Ärztinnen und Ärzten“ im Vorfeld des vergangenen Ärztetages in Erfurt an. Hier hatten sich viele junge Ärztinnen und Ärzte über die zunehmende Arbeitsverdichtung im Gesundheitswesen beschwert. Eine einfache Antwort gibt es auf diese Problematik nicht, denn Ärztemangel und Demographischer Wandel lassen sich nicht so einfach ungeschehen machen. Was aber immer hilft: Dem Nachwuchs zuhören. An der Uniklinik Freiburg hat man diesen guten Vorsatz in die Tat umgesetzt. Hier übernimmt ein Psychologe die Aufgabe, durch Coachings und Supervisionen mit den Mitarbeitern des Klinikums ins Gespräch zu kommen und bei Problemen auf Lösungssuche zu gehen.

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