Alina Litzinger, MW Office: „Die Moderation der Räume ist essenziell für den Erfolg“

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Alina Litzinger über Clubhouse
Alina Litzinger, Trend-Expertin bei MW Office ©MWO

Ist Clubhouse auch fürs Pharmamarketing geeignet? Alina Litzinger, Expertin für Trends bei MW Office, sieht durchaus Potenzial und gibt erste Tipps, worauf Pharmaunternehmen in der App achten sollten.

Health Relations: Bevor wir einsteigen ins Thema, eine generelle Frage: Der Datenschutz ist bei Clubhouse umstritten. Sollte das Pharmamarketing die Finger von Clubhouse lassen?

Alina Litzinger: So pauschal kann man das nicht beantworten. Es gibt, besonders im Bereich Social Media, immer wieder Plattformen, die hinsichtlich des Datenschutzes nicht optimal aufgestellt sind, wie beispielsweise TikTok. So auch bei der neuen App Clubhouse: Die gesammelten personenbezogenen Daten landen auf dem Clubhouse-Server in den USA und aktuell werden alle Gespräche mitgeschnitten. Dies sehen Datenschutzaufsichten sehr kritisch. Wichtig ist für uns, dass wir unsere Kunden kompetent beraten, sie darauf hinweisen und ihnen alle Informationen mitgeben, sodass sie selbst entscheiden können, ob sie sich für oder gegen die Präsenz auf Clubhouse entscheiden. Diese Entscheidung muss dann aber jedes Unternehmen oder jede Marke für sich treffen.

„Ansonsten gibt es eigentlich keine Themen, die man nicht auf Clubhouse spielen kann. Durch die Option einen privaten Raum zu erstellen, gibt es hier keine Grenzen.“

Health Relations: Wenn ich mich für eine Präsenz entscheide:  Welche Zielgruppen im B2B-Bereich kann ich überhaupt auf Clubhouse erreichen – und in welcher Altersgruppe?

Alina Litzinger: Übergreifend ist die Zielgruppe auf Clubhouse eher jünger, in etwa unter 40 und vor allem digital affin. Dies ist bei vielen digitalen Trends so und Clubhouse ist hier keine Ausnahme. Dementsprechend sind viele Themen aus dem Healthcare-Bereich auch vorwiegend digitaler Natur, zum Beispiel Telemedizin, DiGA, etc. Bei der Recherche habe ich aber auch gesehen, dass durchaus Ärzt*innen und auch Mitarbeiter*innen der Pharmabranche präsent sind. Natürlich muss man berücksichtigen, dass Clubhouse weiterhin auf iOS limitiert ist und somit viele potenzielle Nutzer*innen ausgeschlossen sind.

Health Relations: Sie sagen, die Themen dort seien eher digitaler Natur. Haben Sie weitere Beispiele, welche Themen auf Clubhouse funktionieren könnten?

Alina Litzinger: Vorstellbar wäre zum Beispiel eine Diskussion zum Thema „App auf Rezept“. Ansonsten gibt es eigentlich keine Themen, die man nicht auf Clubhouse spielen kann. Durch die Option einen privaten Raum zu erstellen, gibt es hier keine Grenzen. Nicht jeder Raum oder jede Diskussion muss zwangsläufig für ein großes, breites Publikum gedacht sein. Es wäre auch denkbar, dass Mitarbeiter*innen im Außendienst diese Plattform für seine Kontakte nutzen oder man ein regelmäßiges Event mit KOLs ins Leben ruft. Neben dem B2B-Ansatz könnte man Räume auf Clubhouse auch im Bereich der Patientenkommunikation nutzen, gerade wenn die Zielgruppe jünger ist, kann dieser Kanal funktionieren und beispielsweise eine Komponente eine Influencer-Kooperation sein. Ich denke, dass man hier inhaltlich sehr viele Themen einsetzen kann, die dann individuell aufbereitet und zielgruppengerecht umgesetzt werden müssen.

Health Relations: Wie wichtig ist eine gute Moderation, worauf muss ich achten in der Kommunikation im sogenannten Room, in welchen ich die Hörer zum Talk einlade?

Alina Litzinger: Die Moderation der Räume ist essenziell für den Erfolg. Wir empfehlen hier sogar mit professionellen Speaker*innen oder KOLs zu arbeiten, die zum jeweiligen Thema passen. Einerseits kann man durch bekannte Persönlichkeiten die Reichweite steigern, da Speaker*innen ihr Netzwerk nutzen können, um den Raum und somit auch die Inhalte zu pushen, andererseits ist man bei einem rein auditiven Medium auf anregende, sympathische und professionelle Speaker*innen angewiesen, um die Diskussion optimal zu steuern und den Zuhörer*innen ein angenehmes (Hör-)Erlebnis zu bieten.

„Ich sehe Clubhouse eher als einen Baustein der Kommunikation, um ganz konkret und unmittelbar mit der Zielgruppe, ob B2B oder B2C, in Kontakt zu treten.“

Health Relations: Wie erreiche ich Awareness? Sollte ich den Talk über andere Kanäle als Room spreaden?

Alina Litzinger: Hier gibt es mehrere Möglichkeiten die Bekanntheit eines Raumes zu pushen. So kann man beispielsweise durch die strategische Auswahl an Speakern dem Raum auf Clubhouse Relevanz verleihen. Haben die ausgewählten Speaker*innen oder Influencer*innen eine große organische Reichweite, so kann man diese optimal für sich und das Thema nutzen. Zusätzlich sollte man den Raum dennoch bewerben, um ganz bewusst die relevante Zielgruppe zu erreichen, und den größtmöglichen Erfolg des Raumes sicherzustellen. Aufgrund der Targeting-Optionen und gezielten Kampagnen-Aussteuerung, bietet sich hier Werbung auf LinkedIn oder Twitter sehr gut an. Ergänzend sollten die Mitarbeiter*innen aber auch ihr persönliches Netzwerk nutzen, um auf einen Raum aufmerksam zu machen. Wenn man weiter im Voraus plant, so lassen sich natürlich auch klassischere Werbeformen, wie Newsletter nutzen.

Health Relations: Ihre Einschätzung: Wie wichtig ist Clubhouse in der Gesamtbetrachtung – auch vor dem Hintergrund, dass es die App nur für iOS-Geräte gibt?

Alina Litzinger: Möchte ein Pharmaunternehmen gezielt Ärzt*innen, für Produktwerbung erreichen, so ist Clubhouse eher nicht der geeignete Kanal, da wir Ärzte hier nicht HWG-konform ansprechen können. Bei anderen Themen, die im Bereich Corporate Communications angesiedelt sind, kann die Berücksichtigung von Clubhouse in der Gesamtstrategie durchaus sinnvoll sein. Das ist abhängig von der Zielsetzung des Kunden. Möchte sich ein Kunde als Vorreiter für digitale Themen und Innovation präsentieren, so wäre eine Clubhouse-Diskussion durchaus eine Säule in der Kommunikation und kann eine gute Ergänzung zu anderen Maßnahmen, wie beispielsweise Twitter, sein. Ob und wann Clubhouse als Touchpoint Sinn ergibt, ist sehr individuell und hängt von der Zielsetzung der Unternehmen ab.  Aufgrund der weiterhin bestehenden Limitierung auf iOS-Geräte sollte eine Kommunikationsstrategie nicht nur auf Clubhouse aufgebaut werden. Ich sehe Clubhouse eher als einen Baustein der Kommunikation, um ganz konkret und unmittelbar mit der Zielgruppe, ob B2B oder B2C, in Kontakt zu treten, sich gegenseitig auszutauschen und auch zu inspirieren. Es bleibt spannend, wie sich die App und auch das Konzept „Audio-Only“ in der nächsten Zeit weiterentwickeln wird.


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