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Digitale Health Companions könnten die Patient Journey grundlegend verändern. Sie begleiten Patientinnen und Patienten von der ersten Informationssuche über Präventionsangebote bis hin zu Telemedizin und Medikamentenversorgung. Für Pharmaunternehmen entsteht damit eine strategische Frage: Wer kontrolliert künftig die Sichtbarkeit innerhalb dieser digitalen Gesundheitsumgebungen?

DocMorris und Google arbeiten derzeit an einem digitalen Gesundheitsbegleiter. Die Kooperation zeigt exemplarisch, wie sich Plattformlogiken im Gesundheitswesen entwickeln könnten und welche Folgen das für Healthcare Kommunikation und Pharmamarketing haben kann.

Digitale Health Companions könnten die Patient Journey grundlegend verändern. Sie begleiten Patientinnen und Patienten von der ersten Informationssuche über Präventionsangebote bis hin zu Telemedizin und Medikamentenversorgung. Pharmaunternehmen müssen sich im Zuge dessen mit einer strategischen Frage befassen: Wer kontrolliert künftig die Sichtbarkeit innerhalb dieser digitalen Gesundheitsumgebungen?

Wie funktioniert das? Eine Person googelt Symptome, landet auf YouTube, sieht Inhalte eines als vertrauenswürdig gekennzeichneten Gesundheitskanals, öffnet die DocMorris App, absolviert einen Stoffwechsel Check, erhält Empfehlungen und löst schließlich ein E-Rezept ein. Viele dieser Kontaktpunkte laufen über Dienste und Infrastrukturen von Google oder sind eng damit verknüpft.

Was DocMorris und Google im März 2026 als Partnerschaft kommunizierten, geht über eine klassische Technologiekooperation hinaus. DocMorris verfolgt die Transformation zu einem „AI first“ Gesundheitsunternehmen, wie das Unternehmen selbst formuliert. Google liefert dafür zentrale technologische Bausteine. Gemini Modelle bilden die Grundlage des Health Companion, Google Cloud stellt die Infrastruktur bereit, Google Ads die Vermarktungskomponente und YouTube Health die Informationsebene. Hinzu kommt mit Health Connect eine Datenschnittstelle für Gesundheitsinformationen. Laut Unternehmen soll die Infrastruktur vollständig in die Google Cloud migriert werden. Die Datenverarbeitung soll ausschließlich in EU Rechenzentren stattfinden.

So könnte der Health Companion aussehen

Wie konkret dieser Health Companion künftig aussehen soll, zeigt DocMorris bereits in ersten Demonstrationen. Die Anwendung kombiniert KI gestützte Gesundheitsinformationen, Präventionsangebote, Telemedizin und E-Rezept-Funktionen innerhalb einer gemeinsamen Plattformstruktur. Das Video zeigt beispielhaft, wie der geplante Health Companion innerhalb der DocMorris Plattform funktionieren könnte. Nutzerinnen und Nutzer erhalten KI gestützte Gesundheitsinformationen, können Symptome eingeben, Präventionsangebote nutzen, telemedizinische Services aufrufen und E-Rezepte einlösen. Der Companion ist damit weniger ein einzelner Chatbot als eine digitale Infrastruktur, die verschiedene Gesundheitsdienste miteinander verbindet.

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Eine Plattform mit vielen Kontaktpunkten

Google ist dabei nur ein Teil eines größeren Systems. Im April 2026 integrierte DocMorris zusätzlich die PlattformHello Inside in seine App. Hello Inside bietet Stoffwechselanalysen auf Basis von Angaben zu Ernährung, Schlaf, Bewegung und Körperfunktionen an. Nutzerinnen und Nutzer erhalten daraus personalisierte Gesundheitsprofile und Handlungsempfehlungen.

Die Pressemitteilung beschreibt den Prozess deutlich: „Der Übergang von der Analyse zur konkreten Handlung ist nahtlos gestaltet. Basierend auf den individuellen Ergebnissen werden Verhaltensänderungen oder Produkte vorgeschlagen, die über DocMorris erhältlich sind.“ Damit entstehen digitale Versorgungspfade, in denen Gesundheitsinformationen, Prävention, Beratung und Produktempfehlungen eng miteinander verbunden sind.

Parallel dazu bietet DocMorris bereits Telemedizin über TeleClinic, pharmazeutische Beratung und die Einlösung von E-Rezepten an. Zusammengenommen entsteht eine Plattformstruktur, die Patientinnen und Patienten an zahlreichen Punkten ihrer Gesundheitsreise begleitet.

Dr. Reiner Kern, Group Director Communications and Public Affairs bei DocMorris, beschreibt den Health Companion auf Anfrage als „patientenzentriert“. Im Vordergrund stehe „nicht die Vermarktung einzelner Inhalte, sondern die Frage, wie digitale Services Menschen dabei unterstützen können, informierte Entscheidungen zu treffen.“

Sichtbarkeit wird zur Plattformfrage

Im Pharmamarketing muss man sich dazu künftig überlegen, nach welchen Kriterien Inhalte und Empfehlungen innerhalb solcher Systeme sichtbar werden. Dabei ist insbesondere die Rolle von Google Ads sowie von Plattformmechanismen wie YouTube Health relevant. Gesundheitskanäle mit einem entsprechenden Label erscheinen bei Suchanfragen in gesonderten Bereichen. Die Zertifizierung erfolgt über externe Prüfdienstleister, wobei die Kriterien öffentlich einsehbar sind.

Allerdings gab es bereits Diskussionen darüber, wie transparent und konsistent die praktische Umsetzung dieser Kennzeichnungen erfolgt. Medienberichte und Analysen thematisierten in den vergangenen Jahren Fälle, in denen auch Kanäle mit begrenzter wissenschaftlicher Qualität entsprechende Labels erhielten. Dadurch rückte die Frage nach Qualitätssicherung und Plattformverantwortung stärker in den Fokus.

Patient Journey verändert sich

Wenn Gesundheitsinformationen, Produktempfehlungen, Präventionsangebote und Versorgung zunehmend innerhalb miteinander verknüpfter Plattformen stattfinden, verändert sich auch die Art, wie Sichtbarkeit funktioniert. Für Pharmaunternehmen könnte der relevante Kommunikationspunkt künftig früher in der Patient Journey liegen, also noch bevor Patientinnen und Patienten eine Arztpraxis aufsuchen.

Klassische Kommunikationswege verlieren dadurch nicht automatisch an Bedeutung. Doch es entstehen neue Abhängigkeiten von Plattformen, deren Regeln von Technologieunternehmen und Plattformbetreibern definiert werden. Sichtbarkeit innerhalb solcher Systeme könnte künftig stärker an Plattformmechanismen gebunden sein, etwa über bezahlte Reichweite, Partnerschaften oder zertifizierte Inhalte. Entsprechende Modelle dafür existieren bereits heute.

Ein System im Aufbau

Wie weit diese Entwicklung gehen wird, ist derzeit offen. Kern formuliert es zurückhaltend: „Zur konkreten Ausgestaltung künftiger Anwendungen, Funktionen oder möglicher Kooperationsmodelle befinden wir uns in einer ständigen Fortentwicklung.“ Dennoch deutet sich bereits an, wohin die Entwicklung gehen könnte. Health Companions entwickeln sich zunehmend zu zentralen Schnittstellen zwischen Gesundheitsinformation, Prävention, Versorgung und Produktempfehlung. Aufseiten der Pharmaunternehmen geht es damit nicht mehr nur um Reichweite, sondern um die Frage, wie Sichtbarkeit innerhalb solcher Plattformstrukturen künftig organisiert wird und wer diese Regeln definiert.