OMR Festival 2023: Social Media findet auf den großen Plattformen nicht mehr statt

Künstliche Intelligenz im Marketing

Jonas Andrulis, Aleph Alpha © OMR (Screenshot)
TikTok ist der Gewinner der Digitalwelt

Philipp Westermeyer, Gründer OMR © OMR (Screenshot)
Vorbei sind die Zeiten, als in Social Media noch die Urlaubsfotos von Freunden und Familie gepostet wurden, künftig kuratiert AI Content-Empfehlungen.
Entertainment mit Kurzvideos in Social Media
Der Stil, den TikTok mit seinen Kurzvideos vorgibt – unterhaltsam, kurzweilig und kurzlebig – wird von anderen großen Plattformen kopiert. Instagram hat "Reels" entwickelt, Snapchat "Spotlight", Pinterest "Video Pins" und YouTube "Shorts". Auch der Algorithmus ist neu: TikTok spielt Inhalte anhand zuvor angesehener Videos aus, unabhängig von den Followings. Vorbei sind die Zeiten, als in Social Media noch die Urlaubsfotos von Freunden und Familie gepostet wurden, künftig kuratiert AI Content-Empfehlungen. „TikTok, Instagram etc. sind Distributionskanäle für Entertainment-Content geworden. Das Soziale wandert in WhatsApp, Signal oder andere Plattformen ab. Social Media in der Form gibt es eigentlich gar nicht mehr“, bilanziert Philipp Westermeyer.
Roland Eisenbrand, OMR © OMR
Hyperpersonalisation
Nach der Personalisierung kommt die Hyperpersonalisierung. Und auch hier greift die Künstliche Intelligenz. Bei dieser Marketingform geht es darum, mittels KI Daten in Echtzeit auszuwerten, um Produkte und Services auf den einzelnen User abgestimmt auszuspielen. Jede:r bekommt also das zu sehen, was in diesem Moment zu ihm/ihr passt. Hyperpersonalisierung – oder auch 1:1-Marketing – steht damit im Gegensatz zum klassischen Marketing, das Käufergruppen clustert und in der Regel gar keine Real-Time-Daten verwendet. „Hyperpersonalisierung ist 2023 relevanter als je zuvor“, sagt Dr. Johannes Rippberger von frog, der Kreativberatung von Capgemini Invent. Gleichzeitig müssen Marketeers aufpassen: „Overpersonalisation ist creepy“. Wenn KI zu viel über die Präferenzen eines Menschen weiß, erzeugt das Abwehr und wirkt sich negativ auf dessen Markenwahrnehmung aus. Entscheidend für Hyperpersonalisation ist eine gute Datenbasis. Hierbei muss vor allem die Einwilligung („opt-in“) sichergestellt sein, sonst können sogenannte Traceability-Daten, also beispielsweise Informationen, was gerade angeschaut oder gekauft wurde, gar nicht erst verwendet werden.Podcast: In der Nische ist noch Platz
Vincent Kittmann ist Geschäftsführer bei Podstars by OMR. Die Podcastproduktion ist ein solides Standbein für OMR geworden. Trotz der Vielzahl an Formaten und der Tatsache, dass der Podcast nicht nur mit anderen Audioformaten, sondern auch mit Streamingplattformen konkurriert, glaubt Kittmann an das Potenzial, das in diesem Medium schlummert. Gerade in der Nische sei noch eine Menge Platz. Zum Beispiel würde man ein Format für Kinderärzte produzieren, das sich einer loyalen und stabilen Zuhörerschaft erfreuen würde. Auch für die interne Kommunikation sei Audio, so Kittmann, spannend. "Allerdings sind in Sachen Distribution hier noch nicht alle Fragen optimal geklärt."Welche Relevanz haben die Trends fürs Pharmamarketing?
- Eine gute Datenbasis zu schaffen, ist Pflicht, für alle, die mittels Künstlicher Intelligenz Daten effizient analysieren und verarbeiten wollen.
- Innerhalb der regulatorischen Grenzen wird die Zielgruppen-Kommunikation im Pharmamarketing individueller. Ob via TikTok oder auf anderen Plattformen, das Format Kurzvideo ist zurzeit sehr gefragt und geeignet, positive Aufmerksamkeit für OTC-Produkte zu generieren oder Pharmaunternehmen als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren (Beispiel: Roche).
- Dass KI und nicht mehr Followings bestimmen, welche Inhalte im Feed präsentiert werden, kann sich für (Pharma-)unternehmen auszahlen. Gut gemachte Inhalte erreichen auch Menschen, die einer Marke nicht folgen.
- Welcher Content dabei besonders gut ankommt oder sogar viral geht, lässt sich nicht vorhersagen. Viel ausprobieren, keine langen internen Abstimmungsschleifen durchlaufen und auf Social-Media-affine Mitarbeiter:innen vertrauen, sind gute Ansatzpunkte für ein trendbewusstes Pharmamarketing.
- Pharmaunternehmen brauchen Mut in ihrer Social-Media-Kommunikation. Brand Safety ist wichtig, darf aber nicht zum Hindernis werden. Gerade, wenn wir über "unhinged" Content sprechen.

