„Adhärenz beinhaltet die beidseitige Verantwortung von Arzt und Patient!“ – Interview zur App „MS und ich“

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Adhärenz-Programme erleichtern Therapien und schaffen eine positive Beziehung zur Marke. Die App-Macher Nadine Borghoff (Novartis) und Lisa-Maria Stümpel (Spirit Link Medical) im Interview.

Die Novartis-App „MS und ich“ ist ein Paradebeispiel für digitale Adhärenzprogramme (Health Relations berichtete). Im Gespräch mit Health Relations verraten die App-Macher die Hintergründe und Zielsetzungen des Programms.

Health Relations: Mit der App „MS und ich“ leistet Novartis Patienten, die von Multipler Sklerose (MS) betroffenen sind, viele digitale Hilfestellungen für den Alltag während ihrer Therapie. Worunter leiden MS-Patienten?

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Nadine Borghoff, Junior Brand Manager Gilenya BF Neuroscience, Novartis Pharma GmbH: „Der Arzt und die MS-Schwester sind wichtige Gesprächspartner für MS-Patienten, wenn es um das Thema Therapie und Management geht.“

Nadine Borghoff: Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems, bei der die gesunden Funktionen des Gehirns, der Sehnerven und des Rückenmarks durch Entzündung und Gewebeverlust zerstört werden. Es gibt drei Verlaufsformen von MS: die schubförmige remittierende MS (RRMS), die sekundäre-progrediente MS (SPMS) und die primär-progrediente MS (PPMS). Die Krankheit der 1.000 Gesichter (aufgrund der zahlreichen unterschiedlichen Symptome) führt im Verlauf u. a. zu zunehmend physischem und  kognitivem Funktionsverlust.

Health Relations:  An welche Patientengruppen richtet sich die App?

Borghoff: Durch die breite Nutzung von Smartphones in der Bevölkerung können wir mit der App einen großen Kreis an Patienten erreichen. An erster Stelle stehen natürlich die digital-affinen Patienten, die ein solches Angebot intensiv nutzen. Gerade diese Patienten möchten wir ansprechen, um sie von Beginn der Erkrankung an zu unterstützen.

Lisa-Maria Stümpel : Die Diagnose erfolgt in der Regel zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Beim Großteil der Betroffen handelt es sich um jüngere Frauen quer aus allen Gesellschaftsschichten. Demographische Studien zeigen, dass besonders junge Frauen digital affin sind.

Health Relations:  Wie kam das Angebot bei der Zielgruppe an?

Borghoff: Momentan liegen wir bei knapp 4.000 Downloads für die MS und Ich-App. Die kostenlose App ist seit September 2014 für iOS und Android verfügbar.

Health Relations: Wie kommen die verschiedenen Features bei den Nutzern an?

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Lisa-Maria Stümpel, Project Manager, Spirit Link Medical : „Einen Zugang zum Patienten erlangt der Arzt nicht nur durch eine gute Therapieentscheidung, sondern auch durch das nachhaltige Begleiten in Absprache mit dem Patienten, gerade auch in schwierigeren Krankheitszeiten.“

Stümpel: Die App soll MS-Patienten auf eine angenehme und aufbauende Art bei ihrer Therapie unterstützen. Durch die Erinnerungs- und Tagebuch-Funktion soll den Patienten geholfen werden, aktiv mit ihrer Therapie umzugehen und bewusst auf ihr Wohlbefinden zu achten. So sollen Patienten mögliche Zusammenhänge im Krankheitsverlauf erkennen können und in der Lage sein, sich gezielt auf Arztgespräche vorzubereiten.

Borghoff: Das Therapiemanagement bzw. die Adhärenz soll mit Hilfe der App verbessert werden. So kann dokumentiert werden, wann das MS-Medikament eingenommen wurde. Zudem gibt es Kognitionsübungen, mit denen Eigenschaften wie Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und Reaktionsschnelligkeit trainiert werden können. Da die App im vergangenen Jahr mit den neuen Kognitionsübungen umfangreich optimiert wurde, steht aktuell das Feedback der Nutzer für die weitere Entwicklung im Fokus.

Stümpel: Die Nutzer geben ihr Feedback bei den Bewertungen in den App-Stores ein, direkt an die jeweiligen MS-Schwestern oder an Novartis selbst weiter. Das Feedback sammeln wir und lassen es in die weiteren Optimierungen der App einfließen. Unter www.msundich.de/apps können Interessierte die Features in einem App-Rundgang entdecken.

Health Relations: Wie geht Novartis mit dem Datenschutz der Patienten um?

Borghoff: Novartis ist der Schutz der personenbezogenen und insbesondere der gesundheitsbezogenen Daten ein großes Anliegen. Daher legen wir größten Wert darauf, dass die Privatsphäre der Nutzer geschützt wird. Alle in der App eingegebenen Daten werden ausschließlich auf dem jeweiligen Endgerät gespeichert. Wir werten ausschließlich die Anzahl der Downloads im Google Play-Store und im App-Store aus.

Health Relations: Über welche Kanäle verlief die Kommunikation mit Fachkreisen, um die App zu bewerben?

Stümpel: Der wichtigste Kanal zur Kommunikation an die Fachkreise war der Außendienst. Dieser wurde gesondert zur App informiert und mit Abgabekarten ausgestattet. Zudem wurde die App auf Messen und Kongressen sowie auf der Fachkreis-Website www.ms-kompetenz.de Ärzten vorgestellt.

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„MS und ich“: Mit der App und EXTRACARE bietet Novartis MS-Patienten und -Schwestern sowie Fachkreisen ein vielseitiges Therapiebegleitprogramm.

Borghoff: Patienten werden im Rahmen des Therapiebegleitprogramms EXTRACARE auf die App aufmerksam gemacht. Dies geschieht zum Beispiel mit Berichten und Kommentaren über das Angebot der App in der Patientenzeitung Extralife, in Broschüren zu verschiedenen Themen, über die EXTRACARE Homepage und über das Servicecenter des Begleitprogramms. EXTRACARE ist das Novartis-Therapiebegleitprogramm für MS-Patienten und bietet u. a. eine telefonische Beratung sowie eine breite Palette an hilfreichem Informationsmaterial. Zudem können EXTRACARE-Teilnehmer mit einem Freischaltcode eine große Auswahl an zusätzlichen Kognitionsübungen in der MS und Ich-App nutzen. Zudem wird die App über die MS und Ich-Homepage unter www.msundich.de sowie über www.missionhirnschutz.de beworben.

Health Relations: Wie lautete das Feedback der Fachkreise, gibt es hier eine Erwartungshaltung?

Borghoff: Ein breites digitales Serviceangebot für MS-Patienten ist im MS-Markt derzeit Standard und wird von behandelnden Neurologen und MS-Schwestern dementsprechend als selbstverständlich angesehen. Fachkreise, MS-Schwestern und -Patienten werden eng und früh in die Weiterentwicklung miteinbezogen. Auch das Feedback von Ärzten ist uns sehr wichtig und wurde bei der Umsetzung sowie bei der weiteren Optimierung berücksichtigt.

Health Relations: Sollten Adhärenz-Programme Ärzte stärker einbinden, für einen effektiveren und vielleicht auch glaubwürdigeren Zugang zum Patienten?

Borghoff: Die Einbindung von Ärzten in die Entwicklung und Fortführung von Adhärenz-Programmen ist essenziell. Der Arzt und die MS-Schwester sind wichtige Gesprächspartner für MS-Patienten, wenn es um das Thema Therapie und Management geht.

Stümpel: Der Begriff „Therapie-Adhärenz“ beinhaltet die beidseitige Verantwortung von Arzt und Patient, gesteckte Therapieziele zu erreichen. Programme, die diesen gemeinsamen Weg erleichtern, sind für Arzt und Patient sicherlich gleichermaßen wertvoll. Einen Zugang zum Patienten erlangt der Arzt nicht nur durch eine gute Therapieentscheidung, sondern auch durch das nachhaltige Begleiten in Absprache mit dem Patienten, gerade auch in schwierigeren Krankheitszeiten.

Health Relations: Vielen Dank für das Gespräch!

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