Martin Völkl, BeiGene: „Wir forschen an 80 Prozent aller Krebsindikationen“

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Martin Völkl, General Manager Germany & Austria © BeiGene
Martin Völkl, General Manager Germany & Austria: "Wir haben in Deutschland und Österreich Gesundheitssysteme, die einen frühzeitigen Zugang zu Innovationen nach der behördlichen Arzneimittelzulassung ermöglichen. Das ist ein großes Gut." © BeiGene
Seit 13 Jahren ist das biopharmazeutische Unternehmen BeiGene international tätig, seit kurzem auch in Deutschland. Wir haben mit Martin Völkl, General Manager Germany & Austria, über Forschung, Medikamentenzulassung und globale Herausforderungen gesprochen.

Health Relations: BeiGene ist ein weltweit tätiges Biotechnologieunternehmen, das sich auf die Krebsforschung spezialisiert hat. Welche Herausforderungen sehen Sie in der Krebsforschung und Arzneimittelentwicklung?

Martin Völkl:  Es besteht großer Behandlungsbedarf bei Krebs, doch weltweit gesehen haben wir große Unterschiede im Zugang zu innovativen Arzneimitteln. Zudem sind die Erforschung und Entwicklung von neuen Arzneimitteln mit sehr hohen Kosten verbunden.

Health Relations:  Wie begegnen Sie diesen Herausforderungen?

Martin Völkl: BeiGene stellt sich der globalen Herausforderung Krebs in all seinen Facetten, sowohl an soliden Tumoren als auch hämatologischen Erkrankungen. Wir haben eine eigene Forschungsinfrastruktur aufgebaut und beschäftigen ein sehr großes Team von weltweit rund 1000 Wissenschaftler:innen, die eine Vielzahl von Molekülen untersuchen, um Wirkmechanismen zu verstehen. Das Team forscht an 80 Prozent aller Krebsindikationen.  Wir sind mit Sicherheit eines der am stärksten diversifiziert aufgestellten Forschungsteams weltweit in der Pharmaindustrie.

„Wir sind mit Sicherheit eines der am stärksten diversifiziert aufgestellten Forschungsteams weltweit in der Pharmaindustrie.“

Health Relations: Dabei engagiert BeiGene keine klinischen Auftragsforschungsinstitute, die klinische Studien planen und durchführen. Wie gehen Sie stattdessen vor?

Martin Völkl: Wir machen es selbst. Knapp ein Drittel unserer nunmehr 9000 Mitarbeiter arbeiten in der Forschung und Entwicklung. Wir sind überzeugt, und haben das auch gezeigt, dass wir damit schneller, besser und effektiver sind. Zum anderen ist es wichtig, dass nur die therapeutischen Ansätze, die einen Mehrwert für Patient:innen bringen, weiter verfolgt werden sollten. Zu unserer Strategie gehört, entweder „best in class“ oder „first in class“ zu sein.

Health Relations: Das klingt für mich im Ergebnis gleich. Wo ist der Unterschied?

Martin Völkl: „Best in class“ stellt die konsequente Weiterentwicklung von bestehenden Therapieprinzipien dar und „first in class“ beinhaltet eben auch vollkommen neue Therapieansätze. Diese Innovationen, die erforscht, entwickelt und dann zugelassen werden, sind für Patient:innen weltweit von enormer Bedeutung.

Health Relations: BeiGene wurde vor 13 Jahren gegründet. Welche Forschungsziele haben Sie bereits erreicht?

Martin Völkl: Wir haben es geschafft, 15 Moleküle eigenständig zu entwickeln und zu erforschen, daraus sind über 140 Forschungsprojekte entstanden, 60 davon sind Phase-3-Studien. Mit dem, was wir geschafft haben, wollen wir natürlich nicht aufhören. Wir haben eine wirklich ambitionierte Zielsetzung, nämlich ab 2024 jedes Jahr zehn neue Moleküle in die klinische Forschung zu bringen: Und wir sind überzeugt, diese große Aufgabe auch bewältigen zu können.

„Wir haben eine ambitionierte Zielsetzung, nämlich ab 2024 jedes Jahr zehn neue Moleküle in die klinische Forschung zu bringen.“

Health Relations: Wie viel der klinischen Forschung findet in Deutschland und Europa statt?

Martin Völkl: Deutschland und Europa spielen eine große Rolle in der klinischen Erforschung. Über 40 Prozent aller Studien sind mit europäischer Beteiligung. Wir haben im vergangenen Oktober und November die Indikationserweiterungen für Zanubrutinib in den Bereichen CLL (chronische lymphatische Leukämie) und MZL (Marginalzonenlymphom) erhalten. Die Zulassungsstudien hatten eine Patientenbeteiligung von europäischen Patient:innen mit über 70 Prozent. Das zeigt den Stellenwert, den Europa für die klinische Forschung für uns hat.

Health Relations: In Deutschland haben wir eine privilegierte Situation, denn mit der EMA-Zulassung ist auch der Zugang gesichert. Wie stellen Sie sicher, dass das Medikament auch langfristig verfügbar bleibt?

Martin Völkl: Wir haben in Deutschland und Österreich Gesundheitssysteme, die einen frühzeitigen Zugang zu Innovationen nach der behördlichen Arzneimittelzulassung ermöglichen. Das ist ein großes Gut und das zeigt sich eben auch in den hohen Behandlungsstandards, die wir in Deutschland und Österreich vorfinden. Wir kommen mit den Behörden frühzeitig ins Gespräch, um zu verstehen, welche Anforderungen sie an uns stellen. So können wir frühzeitig Lösungen identifizieren.

Health Relations: Im vergangenen Jahr hat der Deutsche Bundestag das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz verabschiedet, das auch die Preisbildung von Arzneimitteln reformiert. Welche Auswirkungen hat das Gesetz für Ihr Unternehmen?

Martin Völkl: Natürlich gibt es fortlaufend Veränderungen, auch in den gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Mit Sicherheit spielt das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz eine Rolle, auch in den Überlegungen von pharmazeutischen Unternehmen und es bleibt abzuwarten, inwieweit dieser frühzeitige Zugang auch unter den veränderten Rahmenbedingungen weiterhin möglich sein wird. Zanubrutinib ist seit drei Jahren in über 60 Ländern international zugelassen und in vielen Märkten haben wir bereits eine abgeschlossene Vereinbarung zur Kostenerstattung, in vielen weiteren sind wir im Austausch mit den jeweiligen Behörden. Das Medikament ist also regelhaft innerhalb der Systeme verfügbar. Selbst wenn wir nach Europa blicken. Die erste Zulassung von Zanubrutinib für Morbus Waldenström erfolgte im November 2021.
Nach knapp über einem Jahr sind bereits in 14 Ländern Erstattungsbetrags-Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen worden und es steht Patient:innen regelhaft zur Verfügung. Das zeigt, dass wir auch Wege finden, mit den Behörden kooperativ und konstruktiv zusammenzuarbeiten.

„Deutschland und Europa spielen eine große Rolle in der klinischen Erforschung.“

Health Relations: Sie leiten seit rund zwei Jahren als Geschäftsführer die Geschicke bei BeiGene. Was motiviert Sie persönlich bei Ihrer Arbeit?

Martin Völkl: Ich bin unheimlich motiviert, glücklich und stolz, hier arbeiten zu dürfen. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Zunächst habe ich ein innovatives Produkt, zum zweiten ist es unheimlich motivierend, mit einem Team zusammenzuarbeiten, in dem viele kompetente, sympathische, leidenschaftlich arbeitende Kolleg:innen zusammenkommen, auf die man sich verlassen kann. Das gibt mir unheimlich viel Energie. Und drittens habe ich die Möglichkeit, innerhalb einer Kultur und eines Wertesystems zu arbeiten, wo wir einander zuhören, etwas gemeinsam bewerten und dann zu Entscheidungen kommen. Denn deren Umsetzung trägt schlussendlich dazu bei, dass Patient:innen von einem schnellen Zugang und einer richtigen Therapieentscheidung profitieren. Das motiviert mich jeden Tag aufs Neue.

BeiGene
BeiGene wurde 2010 von John V. Oyler und Xiaodong Wang in Peking gegründet und beschäftigt heute weltweit 9000 Mitarbeitende und mehr als 2500 klinisches Personal. Im Rahmen des klinischen Entwicklungsprogramms rekrutiert BeiGene Patient:innen in mehr als 40 Ländern für seine klinischen Studien. Der Unternehmensfokus liegt auf der Entwicklung molekular zielgerichteter und immun-onkologischer Krebstherapeutika, sowohl als Monotherapien als auch für den Einsatz als Kombinationstherapien.


Martin Völkl im Video-Statement: Was zeichnet das Unternehmen BeiGene aus?

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