Arbeitgebermarken im Gesundheitswesen: Wofür stehen Sie eigentlich?

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Arbeitgeber müssen keine Traumfabrik sein. Die Arbeitgebermarke daher auch kein Glücksversprechen, das nicht erfüllt werden kann.

Natürlich kennt man sie: die ganz großen Produktmarken, die uns seit Jahren begleiten und sich in unserem sogenannten „Relevant Set“ (Konsumentenbewusstsein) verankert haben. Auf deren Qualität wir als Endverbraucher vertrauen, die wir schätzen und die vielleicht sogar Ausdruck unseres Lifestyles sind.

Genau das hat Markenverantwortliche viel Mühe und Zeit gekostet: Ein Bild von einem Produkt oder Unternehmen zu zeichnen, das glaubwürdig angenommen, in gewisser Weise sogar gelebt wird. Weder Produkt- noch Unternehmensmarken entstehen von heute auf morgen. Es ist ein langfristiger und fortwährender Prozess, bis eine Marke eine unverwechselbare Identität aufgebaut hat und dieses Bild auch von der Zielgruppe vertrauensvoll akzeptiert wird.

Nichts anderes gilt im Grunde auch für Arbeitgebermarken. Zielgruppe meint, dass Sie zwei Gruppen gleichermaßen überzeugen müssen. Zum einen die Belegschaft (die interne Zielgruppe), die die Basis für eine stabile Arbeitgebermarke und letztlich deren beste Botschafter sind. Zum anderen potenzielle Mitarbeiter (die externe Zielgruppe), also die Kandidaten, die Sie durch Ihre Personalmarketing-Maßnahmen – und dazu zählt immer noch die klassische Personalanzeige als eine der effektivsten Formen – erreichen möchten.

Blicken Sie in den Spiegel

 

Es ist die natürliche Schönheit, die ankommt - und bleibt. Das gilt auch für Arbeitgebermarken im Gesundheitswesen.
Es ist die natürliche Schönheit, die ankommt – und bleibt. Das gilt auch für Arbeitgebermarken im Gesundheitswesen. © istock.com/visualspace

Wie lauten also die Attribute, die Ihr Unternehmen auszeichnen? Sind Sie familienfreundlich? Haben Sie ein besonders gutes Betriebsklima und eine leistungsgerechte Vergütung? Das ehrt Sie – wirklich. Aber genau das erwartet der Bewerber allemal. Und ganz nebenbei, etliche Mitbewerber versprechen genau das Gleiche. Werden Sie sich bewusst, was Ihr Unternehmen tatsächlich von anderen unterscheidet.

Denn Ihre Marke wackelt, wenn Sie Ihre interne Zielgruppe direkt zu Anfang verlieren. Noch mehr, Sie büßen quasi Ihr Fundament ein. Mitarbeiter wissen genau, wie Unternehmen funktionieren und wo es gegebenenfalls hapert. Kreieren Sie ein unstimmiges Selbstbildnis, werden Ihre Mitarbeiter Sie schnell auf den Boden der Tatsachen zurückholen – mit dem wirkungsvollsten aller Mittel: der Wahrheit.

Bleiben Sie ehrlich

Die Arbeit ein Ponyhof? Dass das nirgendwo so ist, wissen auch Ihre Bewerber. Bleiben Sie also ehrlich!
Die Arbeit ein Ponyhof? Dass das nirgendwo so ist, wissen auch Ihre Bewerber. Bleiben Sie also ehrlich!  © grafikplusfoto/fotolia.com

Jedes Unternehmen hat an der einen oder anderen Stelle Schwachpunkte. Es gibt einfach Gegebenheiten, die nicht immer optimal sind oder permanent rundlaufen. Es gibt allerdings diverse Möglichkeiten, damit umzugehen. Schönreden und erzwungenermaßen ins Positive verkehren oder offen kommunizieren. Meine Überzeugung: Ehrlichkeit währt am längsten.

Die Belegschaft weiß sowieso um etwaige Defizite und neue Mitarbeiter werden diese schnell ausfindig machen. Und letztlich belegt Ihre Offenheit eines: Sie sind ehrlich gegenüber Ihren (zukünftigen) Mitarbeitern. Das stärkt das Vertrauen in Personalverantwortliche sowie in das Unternehmen gleichermaßen.

Bringen Sie es auf den Punkt

Stellen Sie eine emotionale Bindung her, durch die sich sowohl potenzielle Mitarbeiter als auch die Belegschaft angesprochen, verstanden fühlen und sich in der Marke wiederfinden. Denn wie erfolgreiche Unternehmens- und Produktmarken bieten genauso Arbeitgebermarken idealerweise Identifikationspotenzial: Wofür steht das Unternehmen? Was macht es als Arbeitgeber besonders attraktiv?

Das Leben ist kein Ponyhof und Ihr Unternehmen wahrscheinlich keine Traumfabrik – das ist einfach so. Damit sollte aber genauso ehrlich umgegangen werden. Nicht jede Institution aus dem Gesundheitswesen kann das gleiche attraktive Angebot zur Verfügung stellen wie etwaige Mitbewerber. Dafür gibt es aber sicherlich andere Besonderheiten, die das Arbeiten in Ihrer Einrichtung eben außergewöhnlich (gut) machen.

Knüpfen wir abschließend nochmal gedanklich an die Versprechen von Produktmarken an und versetzen uns in die Rolle des Konsumenten: Geben Sie sich lieber der Markenillusion für das gute Gefühl im Augenblick hin? Oder vertrauen Sie auf die solide Variante, die durch ihre Qualität auf Dauer Bestand hat? Sicherlich neigen wir dazu, je nach Stimmung und Überzeugung auf beide Produktgruppen zurückzugreifen.

Für welchen Weg Sie und Ihr Unternehmen sich letztendlich entscheiden, bleibt natürlich ganz Ihnen überlassen.

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Unsere Gastautorin Tina Schwarze berichtet für Health Relations über die neuesten Trends in Personalmarketing, E-Recruiting und Employer Branding. Schwarze ist als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit für die Agentur Westpress tätig.

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