Arzt und Influencer – gegen gefährliches Halbwissen in Social Media

Hunderttausende Follower:innen
Zu den Ärzt:innen, die Social Media erfolgreich nutzen, zählen der Gynäkologe Konstantin Wagner, die Dermatologin Emi Arpa oder die Kinderärzte Florian Babor und Nibras Naami.
Konstantin Wagner, Facharzt für Gynäkologie & Geburtsmedizin © Screenshot Instagram 26.08.2023

Dr. Emi Arpa, Dermatologin © Screenshot Instagram 26.08.2023

Account der Kinderärzte Florian Babor und Nibras Naami © Screenshot TikTok 26.08.2023
Gesundheitsthemen einordnen und aufklären
Mediziner:innen können in Social Media aber auch einen fachlichen Beitrag zu teilweise emotional geführten Diskussionen leisten. Sie können Themen einordnen und vor Fehlinformationen schützen. Ein Beispiel: Unter dem Hashtag #Pilleabsetzen teilen viele Frauen ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Absetzen des Verhütungsmittels und erreichen damit zum Teil beachtliche Reichweiten. Aber nicht jeder Content hält einer medizinischen Prüfung stand. Auf diese Weise können sich Falschinformationen verselbständigen oder individuelle Erlebnisse verallgemeinert werden. Hier kommen die Ärzt:innen ins Spiel. Konstantin Wagner, Facharzt für Gynäkologie und Geburtsmedizin, zum Beispiel drehte ein Video zum Thema „Pille absetzen“, um die Diskussion zu versachlichen. Inzwischen ist es sogar das erste Video zu diesem Thema, das auf YouTube angezeigt wird. Das liege auch am Algorithmus, weiß Kübler. „Während der Corona-Pandemie nahmen Verschwörungsmythen und Falschinformationen zu. YouTube reagierte als eine der ersten Plattformen auf Social Media und schuf einen ganz neuen Bereich für Gesundheitsthemen. Eine der Maßnahmen: Profile von Ärzt:innen, Krankenkassen oder Gesundheitsorganisationen können sich nun als verlässliche Quelle für Gesundheitsinformationen bestätigen lassen“, sagt Sarah Kübler. „Videos von diesen Kanälen werden damit bevorzugt angezeigt, unabhängig von Reichweite, Followerzahl oder aktuellen Trends.“ Ein wichtiger Schritt von YouTube, schließlich würden im Internet massenhaft dubiose und zweifelhafte Informationen verbreitet werden, insbesondere im Gesundheitsbereich. „Dutzende Accounts mit 'Doc' im Namen sind auf allen Plattformen zu finden, obwohl sich hinter diesem Titel keine tatsächliche Ärzt:in verbirgt.“Echte Arzt-Influencer:innen und Mogelpackungen
Umstrittenstes Beispiel in Deutschland ist laut Kübler der mit 1,9 Millionen Abonnent:innen sehr erfolgreiche Gesundheitskanal „Liebscher und Bracht“. Das Ehepaar Roland Liebscher-Bracht und Petra Bracht versprechen mit ihren physiotherapeutischen Behandlungen eine bis zu 90-prozentige Linderung der Beschwerden von schmerzgeplagten Menschen. Roland Liebscher-Bracht, Gesicht des YouTube-Kanals, ist ursprünglich ausgebildeter Maschinenbauer. Eine medizinische Ausbildung hat er nicht. Petra Bracht ist Allgemeinmedizinerin. Sarah Kübler betont: „Studien oder publizierte Daten, die den Erfolg der Methode und der Produkte von Liebscher-Bracht zeigen oder auch nachvollziehbar machen, gibt es aber nicht.“ Das berichtete unter anderem der WDR-Podcast „Quarks: Science-Cops“. Das Beispiel zeigt, dass kompetente und seriöse Ärzt:innen in Social Media eine wichtige Funktion einnehmen können. Wie aber können sie Reichweite generieren, ohne an Seriosität zu verlieren? Kann ein Arzt oder eine Ärztin wie ein:e Influencer:in agieren? Nein. Und ja.Fachgruppen in Social Media
Ärzt:innen müssen selbsternannten Expert:innen und Influencer:innen nicht das Feld auf Instagram und TiKTok überlassen. Wenn sie sich auf die digitalen Schauplätze einlassen, können sie große Reichweiten erzielen und Vertrauen aufbauen. Profile wie das der Dermatologin Dr. Emi Arpa sind dabei auch optisch kaum von dem einer typischen Beauty-Influencerin zu unterscheiden. „Die stilbewusste Medizinerin hat es verstanden, sich auf die Kommunikationsweise einer neuen Generation einzulassen“, sagt Sarah Kübler. Dermatolog:innen sind besonders häufig auf Instagram zu finden. Ebenfalls stark vertreten sind Kinderärzt:innen. Besonders werdende Eltern stehen vor einer Vielzahl von Fragen und Unsicherheiten. Auch Allgemeinmediziner:innen nutzen den Kanal, zum Beispiel Dr. Felix Berndt (doc.felix).
Allgemeinmediziner Felix Berndt © Screenshot Instagram 26.08.2023


