Warum Gesundheitskommunikation nicht beim Arzt aufhören sollte

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Fleishman Gesundheitskommunikation
Gerade in Zeiten von Falschinformationen, Menschen, die ihre gesundheitlichen Probleme mittels einer Suchmaschine und inzwischen sogar einer KI lösen möchten, sind kommunikationsstarke Mediziner:innen noch wichtiger als früher. © Canva
Die Arzt-Patienten-Kommunikation spielt eine entscheidende Rolle in der Gesundheitsversorgung. Missverständnisse und Unklarheiten können weitreichende Folgen haben, unter anderem fehlende Therapieadhärenz. Wie die kommunikative Hürde mit einfachen Mitteln überwunden werden kann, darüber schreibt Julia Bressem von Fleishman Hillard Germany.

Pharmaunternehmen haben eine entscheidende Verantwortung, die richtige Kommunikation in ihre Strategieplanung für neue Produkte und Kampagnen zu integrieren. Dabei berücksichtigen Hersteller nicht immer, dass die Informationskette auch einen Strang zwischen Ärzt:innen und Patient:innen, und in manchen Fällen auch weitere Beteiligte, wie z. B. pflegende Angehörige einschließt – selbstverständlich innerhalb der bestehenden Regularien wie dem Heilmittelwerbegesetz (HWG). Die persönliche Erfahrung, dass Mediziner:innen keine Kommunikationsprofis sind und oft nur im Fachjargon über eine Therapie, ihre Anwendung, Risiken und Nebenwirkungen aufklären konnten, hat aber vermutlich schon jede:r selbst gemacht.

Patient:innen verlieren Vertrauen in Gesundheitsdienstleister

Eine kürzlich veröffentlichte internationale, repräsentative Studie von Atlantic Insights und Omnicom PR Group (OPRG) zum Thema Health Equity untermauert all die oben genannten Erlebnisse. So gaben 56 Prozent der befragten Personen an, dass sie das Vertrauen in einen Gesundheitsdienstleister oder eine medizinische Einrichtung verloren haben, weil sie nicht über alle Behandlungsmöglichkeiten informiert wurden. 59 Prozent antworten auf dieselbe Frage mit „Mein Gesundheitszustand (meine Diagnose, Testergebnisse, Handlungsschritte usw.) wurde mir nicht verständlich erklärt“. Befragt wurden insgesamt rund 6000 Privatpersonen aus Deutschland, Spanien, UK und den USA.

Gerade in Zeiten von Falschinformationen, Menschen, die ihre gesundheitlichen Probleme mittels einer Suchmaschine und inzwischen sogar einer KI lösen möchten, sind kommunikationsstarke und gut informierte Mediziner:innen noch wichtiger als früher. So informieren sich gemäß der oben genannten Studie 59 Prozent der befragten Personen in Bezug auf allgemeine Gesundheitsfragen im Internet, da es ihnen wichtig ist, auf Augenhöhe mit dem medizinischen Personal kommunizieren zu können. Und so bekommt eine im Rahmen des Arzt-Patienten-Gesprächs missverstandene Aussage noch mehr (negatives) Gewicht, wenn sie im Nachgang im Internet „überprüft“ wird. Da Informationen zu verschreibungspflichtigen Produkten dem HWG unterliegen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Patient:innen oft nur auf dubiosen Foren und in unseriösen Quellen fündig werden, sehr hoch.

Gute Kommunikation festigt Vertrauen in Pharmaprodukte

Nicht zuletzt baut eine effektive Kommunikation das Vertrauen der Patient:innen in ein Pharmaunternehmen und seine Produkte auf. Ein vertrauenswürdiges Image ist entscheidend, um in der komplexen Welt der Gesundheitsversorgung erfolgreich zu sein.

Eine Möglichkeit, diesem Problem zu begegnen, könnte sein, dass Pharmaunternehmen Ärzt:innen ergänzendes und erläuterndes Material zur Verfügung zu stellen, das mehr auf die Unterstützung ihrer Kommunikation mit Patient:innen abzielt wie:

  • Kommunikationsbausteine: Textbausteine können Mediziner:innen helfen, mit richtigen Worten die Kernbotschaften zu übermitteln. Grafiken hingegen können visuell und verständlich erläutern, wie das Medikament wirkt oder dessen Anwendung anschaulich darstellen.
  • Training: Der Satz „Übung macht den Meister“ bewahrheitet sich auch hier. Laien über die Wirkung von Medikamenten aufzuklären, ihre Fragen ernst zu nehmen und verständlich darauf zu antworten, kann durch Kommunikationsprofis trainiert werden.
Warum ist die richtige Kommunikation also so wichtig?
  • Patienten-Empowerment: Eine effektive Arzt-Patienten-Kommunikation ermöglicht es den Patient:innen, besser informierte Entscheidungen über ihre Gesundheit zu treffen. Patient:innen, die verstehen, warum ihnen ein bestimmtes Medikament verschrieben wurde oder wie eine Erkrankung ihren Körper beeinflusst, sind eher bereit, aktiv an der Bekämpfung ihrer Erkrankung mitzuarbeiten.
  • Therapieadhärenz: Eine klare und verständliche Kommunikation hilft, die Einhaltung der Medikamentenverordnung zu verbessern. Patient:innen, die ihre Medikamente regelmäßig und korrekt einnehmen, erzielen bessere Behandlungsergebnisse.
  • Vermeidung von Missverständnissen: Missverständnisse können zu schwerwiegenden Konsequenzen führen, wie beispielsweise eine falsche Dosierung oder das Absetzen von Medikamenten.
Über die Autorin
Julia Bressem ist Head of Healthcare der Kommunikationsberatung FleishmanHillard Germany. Sie verfügt über 15 Jahre Erfahrung in der Gesundheitskommunikation, v. a. in den Bereichen Onkologie, Kardiologie, Neurologie und Medizintechnik. Bressem ist die strategische Ansprechpartnerin für nationale sowie internationale Akteure der Branche.
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