Innovationsforum: Strukturen und Prozesse im Krankenhaus neu denken

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Rund 50 Führungskräfte aus Krankenhäusern trafen sich zum Innovationsforum Krankenhaus.

Eine gute Zusammenarbeit, ein gemeinsames Ziel vor Augen und geschlossen im Sinne einer gesteigerten Wertschöpfung agieren – für Führungskräfte im Krankenhaus kein einfaches Unterfangen. Das „Innovationsforum Krankenhaus“ soll Abhilfe schaffen. Rund 50 Führungskräfte aus Krankenhäusern trafen sich in Köln.

Die Ärzte verweigern jegliche Zusammenarbeit und halten sich für etwas Besseres. Die Pflege blockiert Krankenhausprozesse und agiert zu statisch. Und die Verwaltung schaut nur aufs Geld und nicht auf die Qualität. Provokante Thesen, die nicht die Meinung der Teilnehmer wiedergaben, sondern den Auftakt der gemeinsamen Veranstaltung „Innovationsforum Krankenhaus“ des Initiativkreises neue Personalarbeit in Krankenhäusern (InPaK) und des Deutschen Ärzteverlags bildeten.

Solche Klischees aufzubrechen, Konflikte und Barrieren in der täglichen Arbeit aufzuzeigen und berufsgruppenübergreifend Lösungen zu erarbeiten – diese Ziele hatten sich die Workshop-Teilnehmer gesetzt. Mitte Juni trafen sich die rund 50 Entscheider aus Krankenhäusern – von Pflegedirektoren über Management und Geschäftsführung bis hin zu Chefärzten und ärztlichen Direktoren – im Deutschen Ärzteverlag in Köln.

Herausforderungen im Krankenhausalltag

In vier verschiedenen Arbeitsgruppen wurden die Themen „Zielführung und Zusammenarbeit“ sowie „Wertschöpfung und Mitnahme der Mitarbeiter“ heiß diskutiert – von der Suche nach den Hauptschwierigkeiten über die Ursachen bis hin zu Optimierungsideen.

Herausforderungen, die eine gemeinsame Zielorientierung und optimale Wertschöpfung mitunter schwierig gestalten, gibt es einige im Krankenhausalltag. Als solche kristallisierte eine Arbeitsgruppe insbesondere die unterschiedlichen Tagesabläufe der verschiedenen Berufsgruppen heraus, die nicht immer zu gewährleistende Planbarkeit oder die bereichsbezogene Aufbauorganisation. Auch der Umgang untereinander, Partikularinteressen oder Strukturvorgaben seien Einflussfaktoren auf das Miteinander und den Arbeitsprozess.

Strukturen und Abläufe neu denken

Konstruktive, zuweilen auch heterogene Optimierungsansätze für eine gemeinsame Zielorientierung gab es viele. Der Tenor lief auf einen Gedanken hinaus:

Führungsstrukturen und Prozessabläufe in Krankenhäusern sollten überdacht und auf ihre Effizienz hin überprüft werden.

Statt in Systemen zu verharren, tun Kliniken gut daran, sich damit auseinanderzusetzen, wie Verantwortungsbereiche übertragen werden können oder wer sich für welche Zuständigkeit eignet.

Mehr denn je solle der Fokus auf dem Weg zur Lösung liegen und nicht auf den berufsgruppenbezogenen Unterschieden zwischen Pflege, Management und Ärzten. Sprich: In vielen Fällen könne es der Schlüssel sein, Hierarchien aufzulösen und kleine, fachspezifische Teams zu bilden. Teams, die unabhängig von ihrer Profession die beste Qualifikation haben, ein Problem zu lösen, und dafür Verantwortung übernehmen. Es geht also nicht darum, wer den Hut aufhat, sondern wer am besten zur Problemlösung beitragen kann. Die Aufgabe der Führungsebenen sei in diesem Kontext: Für eine solche prozessorientierte Struktur den geeigneten Rahmen zu schaffen.

Herzstück: Optimale Patientenversorgung

Die optimale Patientenversorgung muss im Fokus stehen – so eine zentrale Erkenntnis des Workshops. Kein neues Leitbild, aber doch eines, was oftmals im Alltag der Berufsgruppen untergehe und viel zu wenig Beachtung erfährt. Zurück zur Arbeit am Patienten: Sich dieses Ziel immer wieder aufs Neue zu vergegenwärtigen, sei das Fundament für gemeinschaftliches Arbeiten – von der Reinigungskraft bis zum Direktor.

Wertschöpfung steigern – aber wie?

Auch die Steigerung der Wertschöpfung in Krankenhäusern sieht sich zahlreichen Herausforderungen gegenüber. Faktoren, die dabei eine Rolle spielen, sind demnach die Betriebskultur des Krankenhauses, die Trägerschaft, das Kompetenzverständnis jedes Einzelnen, die Qualität der Klinikprozesse und die Nachhaltigkeit.

Impulse, die Wertschöpfung zu steigern und die Mitarbeiter dabei mit einzubeziehen, gab es viele: So sprachen sich die Teilnehmer für eine stärkere Transparenz und Information über die Auswirkungen von ökonomischen Kennzahlen in Krankenhäusern an die Mitarbeiter aus und für die Entwicklung von Kompetenzprofilen, die über die reine Stellenausschreibung hinaus auch soziale Kompetenzen mit einbeziehen. Auch Leistungsanreize oder Sparrings-Möglichkeiten zwischen Klinikärzten gehörten dazu.

Unterm Strich

Die Workshop-Teilnehmer erachteten insbesondere das Überprüfen bestehender Strukturen und Prozesse im Krankenhaus als wichtig. Unterm Strich äußerten sie den Wunsch nach einer Prozesssteuerung, die sich nicht nach Berufsgruppen ausrichtet, sondern primär daran, den Behandlungsprozess und die Patientenversorgung möglichst effizient zu gestalten und Redundanzen zu vermeiden. Egal, ob es dabei um die Einführung eines größeren, übergreifenden Führungskräftezirkels geht, eine fächerübergreifende Zusammenarbeit, die Delegation der Prozesssteuerung in andere Bereiche oder die Schaffung von Aufbauorganisationen. Wichtig sei es, die Teamarbeit und Wertschätzung untereinander zu fördern und dies von Seiten der Führungsebene auch entsprechend vorzuleben.

Stimmen der Teilnehmer nach dem Innovationsforum

Die Motivation und der Veränderungswille der Mitwirkenden waren über den ganzen Tag hinweg zu spüren. So auch der Eindruck von Dr. Sabine Proksch, Pflegedirektorin Kreiskliniken Reutlingen: „Ein toller Austausch. Ich war überrascht, wie offen auch unangenehme Themen angesprochen wurden. Es sind sehr viele Impulse entstanden, die sich im Nachgang sicherlich an vielen Stellen weiterentwickeln werden. Ein Format, das es schon lange dringend gebraucht hat“.

Auch Thomas Giesemann, Leiter Personalmanagement AMEOS Gruppe und Mitglied im InPaK, war mit der Veranstaltung mehr als zufrieden: „Ein absolut spannendes Experiment. Es ist uns gelungen, uns gemeinschaftlich dieser relevanten Themen aus dem Krankenhausalltag anzunehmen, inhaltlich kontrovers zu diskutieren und uns schlussendlich auf verschiedene Ansätze zu committen.“

Wertvolle Impulse, reger Austausch

Die Auftaktveranstaltung „Innovationsforum Krankenhaus“ lieferte wertvolle Impulse und sorgte für einen regen Austausch, der ein gutes Fundament bietet. Im nächsten Jahr geht die Veranstaltungsreihe in die nächste Runde, dann mit verstärkter interdisziplinärer Teamarbeit, der Integration jüngerer Führungskräfte und mehr Pflege – so der Wunsch des Arbeitskreises.


Beitragsbild und Galeriebilder: © Skupin, Deutscher Ärzteverlag

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