Recruiting-Kampagnen von Kliniken: Mitarbeiter sind die beste Werbung

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Bei drei neuen Recruiting-Kampagnen von Krankenhäusern ist Authentizität Trumpf. Ziel ist es, neues Personal zu gewinnen und bestehende Mitarbeiter langfristig ans Unternehmen zu binden.

Helios vergibt den wichtigsten Job der Welt

Das Ziel der Helios Kliniken ist durchaus ambitioniert: Noch innerhalb dieses Jahres will das Unternehmen 1000 neue Pflegekräfte einstellen. Den Erfolg soll unter anderem die Kampagne „Der wichtigste Job der Welt“ bringen. Die Botschaft: „Wir honorieren die starke Leistung der Pflege und sehen sie als wichtigste, große Berufsgruppe im Unternehmen“, sagt Alexander Schröder, Leiter des Zentralen Dienstes Digitale Wissensmedien und Mitarbeitermarketing. Im Mittelpunkt der Kampagne stehen deshalb Helios-Pflegekräfte. „Unsere fähigen und motivierten Mitarbeiter sind unser bestes Aushängeschild“, so Alexander Schröder.

© Helios

Ausgangspunkt für die Kampagnenidee war ein Innovation-Lab mit Pflegenden, Auszubildenden, Personalern, Marketingfachleuten und externen Experten. Die wesentlichen Erkenntnisse: Auf die wertschätzende Haltung kommt es an. „Die Pflegenden möchten in der Kommunikation auf Augenhöhe adressiert und als Experten wahrgenommen werden“, fasst Alexander Schröder zusammen.

Die Schaffung von Service-Strukturen und die konsequente Verschlankung des Bewerbungsprozesses sind bei Helios weitere wichtige Schritte im Recruiting-Prozess. Online fragt der Konzern beispielsweise nur noch Minimalangaben ab, dann gibt es innerhalb einer Stunde den ersten Rückruf vom Serviceteam. Danach übernehmen lokale Personaler und binnen einer Woche haben die Bewerber in der Regel einen Vorschlag für ein Vorstellungsgespräch.

Klinikum Bielefeld präsentiert sich authentisch

Die Idee hinter der Kampagne #teildesganzen für Pflegepersonal: „Wir wollten weg von den Klischees der gängigen Plakate und Stockfotos mit Models, die sich als Pflegerin oder Arzt verkleiden,“ erklärt Axel Dittmar, Sprecher des Klinikum Bielefeld. In Videos erzählen nun echte Pflegekräfte vom Arbeitsalltag in Ostwestfalen-Lippe, loben ihr Team, die Aufgaben, ihren Beruf und promoten gute Zukunftsperspektiven. Dabei geht es auch mal provokant zu. „Wir inszenieren da nichts, das ist hundertprozentig authentisch“, erklärt Axel Dittmar.

Lustig, flapsig, ernsthaft – die mitunter derbere Sprache („Heute schon in Scheiße gegriffen?“) einiger Spots kommt nicht bei jedem an, sorgt aber für Aufmerksamkeit. „Das ist auch eine Generationenfrage: Was bei der jungen Zielgruppe sehr gut ankam, wurde von älteren Kollegen durchaus kontrovers diskutiert“, so Axel Dittmar. Der bisherige Erfolg der Kampagne spreche dafür, eigenes Personal als Testimonials zu nutzen und sei in jedem Fall ein echter Paradigmenwechsel in der Personalakquise der Bielefelder. Ein Konzept, das man dort künftig für alle Berufsfelder nutzen will.

Zentralklinik Bad Berka zeigt Ärzte von ihrer persönlichen Seite

Wie ein Filmplakat eines Heldenepos kommt die aktuelle Kampagne „Nüscht für Luschen – Wir brauchen Helden“ daher. Im Mittelpunkt steht auch hier echtes Klinikpersonal. „Unsere Mitarbeiter leisten jeden Tag außergewöhnliche Arbeit: Sie sind empathisch, kompetent, umsorgen und heilen unsere Patienten und sind natürlich auch großartige Kollegen“, sagt die Kampagnenverantwortliche, Anke Geyer, Pressesprecherin und Leiterin Medien und Kommunikation. Sie versuchte die Mitarbeiter von ihrer persönlichen Seite zu zeigen. Der Schlüssel dazu sind die Hobbys der Angestellten: Ein Pfleger taucht in der Kluft der freiwilligen Feuerwehr auf, ein Arzt musiziert und die Pflegedienstleiterin klettert gerne. „Es gibt ein Leben nach dem Dienst, aber vor allem gibt es auch ein kollegiales, erlebnisreiches Leben während des Dienstes.“

Anke Geyer selbst sammelt regelmäßig Erfahrung in fachfremden Arbeitsbereichen im Haus. Diese Einblicke halfen ihr, die Kampagnenidee zu entwickeln. „Mich hat das Image gestört, das in der Öffentlichkeit über Menschen, die im Krankenhaus arbeiten, kolportiert wird“, sagt sie und suchte nach anderen Ansätzen, junge Menschen für die Arbeit im Krankenhaus begeistern. „Mit diesen Motiven zeigen wir Wertschätzung gegenüber allen, die hier arbeiten. Ich habe nur positive, sogar euphorische Rückmeldungen bekommen.“

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