Roger Stenz: „Die Umfirmierung wirkt wie ein Traubenzucker.“

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Roger Stenz von VMLY&Rx ehemals Sudler&Hennessy
Seit über 23 Jahren bei Sudler&Hennessey, davon 21 Jahre als Geschäftsführer: Roger Stenz. © VMLY&Rx

Aus Sudler&Hennessey wird VMLY&Rx Frankfurt. Damit positioniert sich ein neues globales Agenturnetzwerk am Markt. Eines von vielen? Wir haben mit Roger Stenz, ehemaliger S&H- und neuer Geschäftsführer des VMLY&Rx-Standortes in Neu-Isenburg, über Alleinstellungsmerkmale und strategische Ziele gesprochen.

Die Agenturszene ist durch Konsolidierung geprägt. Neueste Meldung: Aus Sudler&Hennessey wird VMLY&Rx Frankfurt. Die New Yorker Werbeagentur VMLY&R, übrigens auch ein Teil von WPP, hat mit VMLY&Rx ein neues Tochter-Netzwerk mit Pharma-Kompetenz geschaffen. Sudler&Hennessy (S&H) verliert im Rahmen dieser Neuausrichtung ihren Namen, die Geschäfte führt weiterhin Roger Stenz, der seit über 21 Jahren bei S&H die Agenturgeschicke leitet. Seit 2017 hat er zudem die Position des CEO bei der  WPP Health Practice Germany übernommen und ist in diesem Zug auch Geschäftsführer für die greyhealth group in Deutschland. Jetzt kommt also noch das Netzwerk VMLY&Rx dazu. Was verspricht sich Roger Stenz davon? Und was unterscheidet dieses Agenturnetzwerk von anderen? Wir haben nachgefragt.

Health Relations: Sudler&Hennessey verliert seinen Namen. Ist das nicht ein harter Schritt, auch für Sie persönlich? Immerhin sind Sie seit über 20 Jahren Teil der Erfolgsgeschichte von Sudler&Hennessey.

Roger Stenz: Eine Agentur besteht aus ihren Mitarbeitern, aus ihren guten Kundenbeziehungen und den Kompetenzen, die sie sich aufgebaut hat und nichts davon ändert sich in Deutschlands durch die Umfirmierung. Natürlich bin ich trotzdem etwas wehmütig – der Name Sudler&Hennessey stand schließlich für die Tradition einer der ältesten Healthcare-Agenturen der Welt und wir waren immer stolz darauf, dass Ausnahmetalente wie Andy Warhol für S&H gearbeitet haben. Statt rückwärtsgerichtet ist unser neuer Name aber nun ein Versprechen, auch in Zukunft an vorderster Front der Veränderungen in der Healthcare-Branche zu stehen – und somit die Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben.

Health Relations: Sudler&Hennessey ist bereits Teil des Netzwerks WPP Health Practice. Wie verträgt sich das mit dem Netzwerk VMLY& RX?

Roger Stenz: Die WPP Health Practice besteht aus verschiedenen spezialisierten WPP-Agenturen, die sich alle schwerpunktmäßig mit der Kommunikation für Healthcare Professionals beschäftigen. So besteht auch das VMLY&Rx Netzwerk aus echten Spezialisten, die sich mit hochkomplexen Themen wie ethischem Marketing, zum Beispiel für Orphan Drugs, Biosimilars oder onkologische Produkte auskennen und sehr tief in die Wissenschaft einsteigen können.  Übrigens steht unsere internationale CEO Claire Gillis sowohl der WPP Health Practice als auch dem VMLY&Rx Netzwerk vor.

Health Relations: Sie selbst schreiben in der offiziellen Pressemitteilung, die Umfirmierung würde die kreative und digitale Kompetenz von S&H in den Fokus rücken. Ist das Ihre Funktion im neuen Netzwerk? Oder welche  Position besetzen Sie genau?
 
Roger Stenz: Wir haben als Agentur die Corona-Krise bisher sehr gut überstanden und im digitalen Bereich einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht. In der neuen Konstellation werden wir noch mehr digitalen Input von VMLY&R bekommen. Diesen internationalen Austausch für das deutsche Office voranzutreiben, gehört zu meinen Aufgaben. Im kreativen Bereich gehören wir in Deutschland zu den Top-Healthcare-Agenturen – wir sind ja schon seit Gründung von Sudler Frankfurt im Jahr 1972 eine Tochter von Y&R gewesen.

„Ich glaube, die wichtigsten Kriterien sind Flexibilität und Wendigkeit.“

Health Relations: Was genau versprechen Sie sich für Ihre Agentur von diesem Schritt?

Roger Stenz: Auf internationaler Ebene wird die digitale und kreative Expertise enger angebunden – davon profitieren wir auch auf lokaler Ebene, da wir international auf die jeweiligen Spezialisten einfacher zugreifen können. Das internationale VMLY&Rx Netzwerk besteht aus insgesamt acht Agenturen aus verschiedenen Ländern: Deutschland, Italien, UK, Spanien, Frankreich, China, Japan und der Schweiz.

Health Relations: In der bereits angesprochenen Pressemitteilung kommunizieren Sie, der Schritt des Zusammenschlusses bzw. die Bildung eines organisatorischen Netzwerks wäre auch eine Reaktion auf den Wandel der Healthcare-Branche. Ist Größe und internationale Ausrichtung einer Agentur in Zukunft ein ausschlaggebendes Kriterium, um  auf dem Markt zu überleben?

Roger Stenz: Ich glaube, die wichtigsten Kriterien sind Flexibilität und Wendigkeit. Wenn sich die Fragen und Bedürfnisse unserer Kunden verändern, müssen wir Antworten geben können und passende Angebote im Gepäck haben. Die Gesundheitsbranche befindet sich im Umbruch – Digitalisierung, Individualisierung und Vernetzung sind wichtige Themen. Da braucht es Kompetenzen jenseits der klassischen Kommunikation. Ganz viele der neuen Kompetenzen haben wir bereits in Neu-Isenburg, alles andere finden wir bei Bedarf zusätzlich im Netzwerk. Aber auch die internationale Ausrichtung unserer Kunden hat in den über 20 Jahren, in denen ich die Agentur leite, deutlich zugenommen. Und ja, da sind große Netzwerkagenturen deutlich im Vorteil.

„Wer nach Sudler sucht, wird uns auch unter VMLY&Rx finden. Ich bin davon überzeugt, dass sich alle schnell an den neuen Namen gewöhnen werden.“

Health Relations: Nun schließen sich so einige Agenturen zu Netzwerken zusammen oder erschaffen neue Agenturmarken. Der Markt ist geprägt von der Konsolidierung.  Besteht nicht die Gefahr, dass Sie eines von vielen Netzwerken sein werden? Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Roger Stenz: Das globale VMLY&Rx Netzwerk ist ein Zusammenschluss echter Experten. Überspitzt ausgedrückt finden Sie hier die Wissenschafts-Spezialisten, außerdem die erfahrenen Pharma-Marketingprofis sowie eine Reihe genialer Digitalfreaks, erfahrener Customer Experience-Spezialisten und visionäre Kreative.
Unser Alleinstellungsmerkmal in Deutschland ist unsere extrem wissenschaftliche Kompetenz. Ich kenne keine Agentur, die vergleichbar viele „Medicals“ beschäftigt. Außerdem bieten wird das Beste aus zwei Agentur-Welten: Weil ich die Agentur seit über 20 Jahren wie meine eigene führe, sind wir sozusagen wie eine lokal verankerte, inhabergeführte, große Netzwerkagentur: familiäre Strukturen, geringe Fluktuation, langfristiger Know-how Aufbau und dazu die Ressourcen und die globale Ausrichtung eines großen Netzwerks.

Health Relations: Gibt es denn nicht doch das Risiko, durch die Umfirmierung eine jahrzehntelang erarbeitete Brand zu verlieren?

Roger Stenz: Wer nach Sudler sucht, wird uns auch unter VMLY&Rx finden. Ich bin davon überzeugt, dass sich alle schnell an den neuen Namen gewöhnen werden. Das ist wie bei der Namensänderung nach einer Heirat: Zuerst fühlt sich der neue Name völlig fremd an, aber nach einem halben Jahr haben sich alle daran gewöhnt. Und gerade im Pharmabereich hat die häufige Umfirmierung von Firmen durch Fusionen eine große Tradition.

„Neben der Pressearbeit gibt es Eigenanzeigen und viele Aktivitäten in Social Media. Da werden wir auch witzige Sachen machen, um den neuen Namen bekannt zu machen. Wir nehmen uns mit unserem Zungenbrecher also selbst auch auf die Schippe.“

Health Relations: Der neue Name ist aber  vergleichsweise schwer zu merken und hat die Gefahr der Buchstabendreher in sich, oder?

Roger Stenz: Die Buchstabenfolge ist ja eine Kombination aus zwei international bekannten und erfolgreichen Agenturnamen, die ihrerseits Kürzel ihrer Gründer sind. Die  Digitalagentur VML steht für die Gründer Valentine, McCormick  und Ligibel, die Kreativagentur Y&R steht für Young und Rubicam. Beide Agenturen fusionierten 2017 auf internationaler Ebene – so entstand eine der größten Agenturen der Welt. Unsere Aufgabe ist es nun, die große internationale Marke auch in Deutschland bekannt zu machen.

Health Relations:  Wie sehen die nächsten Schritte aus, um sich als neue Agenturmarke zu etablieren?

Roger Stenz: Neben der Pressearbeit gibt es Eigenanzeigen und viele Aktivitäten in Social Media. Da werden wir auch witzige Sachen machen, um den neuen Namen bekannt zu machen. Wir nehmen uns mit unserem Zungenbrecher also selbst auch auf die Schippe.

Health Relations: Wird Ihre Mannschaft im Rahmen der Umfirmierung wachsen oder bleiben alle Mitarbeiter in gewohnter Funktion an Bord?

Roger Stenz: Es gibt keine durch die Umfirmierung ausgelösten personellen Veränderungen, wir sind weiterhin auf Wachstumskurs und suchen eigentlich immer nach neuen Talenten – selbst in Coronazeiten haben wir neues Personal eingestellt.

Health Relations:  Fühlt sich das Ganze für Sie persönlich wie eine Art Neustart an?

Roger Stenz: Nicht wirklich, denn außer dem Namen ändert sich in Deutschland nicht viel, außer dass wir jetzt Zugriff auf mehr Experten haben. Vielleicht könnte man sagen, die Umfirmierung wirkt wie ein Traubenzucker, also als kleiner zusätzlicher Energie-Booster, durch den wir voller Elan den eingeschlagenen Weg weitergehen.

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