Ärztetag in Hamburg: „Freie Preisfestlegung von Arzneimitteln muss abgeschafft werden“

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250 Ärztinnen und Ärzte aus ganz Deutschland beraten während des 119. Deutschen Ärztetag über wichtige berufspolitische Themen. Ein Schwerpunktthema: Die Nachbesserung des AMNOG-Verfahrens.

Für eine Woche wird Gesundheitspolitik in Hamburg gemacht. Am Dienstag eröffnete der 119. Ärztetag in der Laeiszhalle Hamburg. Die Rede des Präsidenten der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery war der Startschuss für die dreitägige Veranstaltung im CCH Congress Center Hamburg vom 24. bis 27. Mai 2016. Montgomery: „Wertschöpfung in unserem Gesundheitswesen muss immer einhergehen mit der Wertschätzung von Patienten und Ärzten.“ Der Patient hätte immer Vorrang vor Gewinnmaximierung und Renditestreben. In diesem Zusammenhang machte Montgomery auf mögliche negative Folgen von Klinikprivatisierungen und dessen „hire and fire“-Prinzipien aufmerksam. Zudem thematisierte er in seiner Eröffnungsrede auch die Preisgestaltung von Arzneimitteln. Es könne nicht sein, dass nur die Leistungsträger beziehungsweise Ärzte zu sozialgebundenen Tarifen verpflichtet seien, während Pharmaunternehmen ausschließlich marktorientiert handeln würden.

Adäquate medikamentöse Versorgung muss gewährleistet sein

„Die derzeit freie, ausschließlich am Markt orientierte Preisfestlegung für Arzneimittel im ersten Jahr nach der Markteinführung durch den pharmazeutischen Unternehmer muss abgeschafft werden.“Weiterhin ist die Preisbildung von Arzneimitteln eines der Schwerpunktthemen des 119. Deutschen Ärztetages. Die vom Gesetzgeber mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) vor fünf Jahren beschlossenen Regelungen für die Nutzenbewertung und Preisfestlegung von neuen Arzneimitteln hätten nicht zu Einsparungen geführt, sondern zu einer Ausgabensteigerung der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel um etwa fünf Prozent jährlich. „Die derzeit freie, ausschließlich am Markt orientierte Preisfestlegung für Arzneimittel im ersten Jahr nach der Markteinführung durch den pharmazeutischen Unternehmer muss abgeschafft werden“, hieß es im Ärzteparlament. Ärzten sollten die Ergebnisse der Nutzenbewertung schnell und in geeigneter Form zur Verfügung gestellt werden. So werde sichergestellt, dass „der berechtigte Anspruch der Patienten auf eine dem Stand der aktuellen medizinischen Erkenntnisse entsprechende medikamentöse Versorgung“ genüge getan werden könne.

Aktuelle Berichte, Fotos und Informationen zum Deutschen Ärztetag in Hamburg finden Sie unter www.aerzteblatt.de/aerztetag2016.

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