Chatbots für Healthcare

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Chatbots sind Anwendungen, die bestimmte Aufgaben selbstständig und automatisiert ausführen können – auch eine Unterhaltung mit einem Menschen. So kommen diese Programme auch Healthcare zugute.

Einer der ersten Chatbots: Anna von IKEADer erste Chatbot, an den sich wohl die meisten erinnern, war „Anna“ von IKEA. Die blonde Dame (in den USA übrigens brünett) im gelben Shirt konnte man schon vor über zehn Jahren auf der IKEA-Webseite alles mögliche fragen – sogar Proust hatte sie drauf. Dabei war das ursprünglich gar nicht der Plan: „Anna ist kein Chatbot im eigentlichen Sinne gewesen, sondern eher eine Art FAQ in unterhaltsamerer Form“, erklärt Isolde Debus-Spangenberg, PR-Managerin bei IKEA. Mittlerweile gibt es Anna nicht mehr, „wir finden aber die Idee der Chatbots sehr interessant und experimentieren mit der Entwicklung eines solchen Systems.“

Chatbots jetzt auch für Healthcare

Damit liegt das schwedische Möbelhaus voll im Trend, auf den jetzt auch Healthcare aufspringt. Im Herbst 2016 launchte die chinesische Suchmaschine Baidu den Chatbot „Melody“, der auf Basis seiner bestehenden „Doctor“-App Patienten Fragen beantwortet. Die App funktioniert so, dass sie für verschiedene Diagnosen Informationen aus digitalisierten Fachbüchern, Studien und medizinischen Foren zusammenträgt und einem Arzt Textbausteine vorschlägt, der dieser dann bearbeiten kann. Hinter „Melody“ steckt nun eine Künstliche Intelligenz (KI), die auf bestimmte Schlüsselworte in der Frage reagiert, mit jedem neuen Chat hinzulernt und so die Antworten verfeinert.

Einer der medizinischen Chatbots: Melody von Baidu

Andrew Ng, Chief Scientist bei Baidu, erklärt: “‚Melody‘ soll sowohl Ärzte als auch Patienten unterstützen. Wir haben einen Chatbot entwickelt, der angepasste und situationsabhängige Antworten auf Patientenfragen geben kann. Und Das ist erst der Anfang einer KI-getriebenen Transformation der Healthcare-Branche.das ist erst der Anfang einer viel größeren, KI-getriebenen Transformation der Healthcare-Branche.“

Nutzen von Chatbots im medizinischen Bereich

Dabei muss es nicht immer gleich eine allwissende Entität sein, die der User mit Fragen bombardieren kann. Es geht auch eine Nummer kleiner: Chatbots können auch nur zur Terminvereinbarung oder für Anleitungen genutzt werden – der Online-Assistent könnte zum Beispiel durch die Bedienung eines neuen medizinischen Geräts leiten, und der Produktreferent muss für die Einweisung nicht mehr in die Praxis oder Klinik kommen.

So oder so stoßen Chatbots in eine Lücke, die Healthcare schon immer Probleme bereitet hat: Sie bedienen den Wunsch nach einem Ansprechpartner bei 24/7-Erreichbarkeit. Immerhin jeder vierte Bundesbürger kann sich vorstellen, Chatbots zu nutzen, wie eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom kürzlich ergeben hat. Zwar können solche Anwendungen den persönlichen Kontakt nicht ganz ersetzen, sind aber vielleicht die nächstbeste Alternative – denn sie entlasten auch den Arzt und sind ein Schritt weiter in Richtung Telemedizin.


Bild von Anna: © Inter IKEA Systems B.V.
Bild von Melody: © Baidu, Inc.
Titelbild: © Disney | ABC Television Group

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