Coronakrise: Wie geht es der Pharmaindustrie?

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Es gibt laut vfa derzeit 40 Impfstoffprojekte gegen das Coronavirus. © H_Ko / Adobe Stock

Die Ereignisse überschlagen sich, sowohl draußen auf der Straße, als auch an der Börse. Gestern Abend hat Bundeskanzlerin Angela Merkel einen weitgehenden Shutdown des öffentlichen Lebens verkündet. Der Dax ist im freien Fall. Wie geht es den großen  Pharmaunternehmen und was tun sie?

Nach Recherchen des Verbands der Forschenden Pharmaunternehmen (VFA) gibt es derzeit 40 Impfstoffprojekte gegen das Coronavirus. Aber nicht die unten dargestellten Big Five der Pharmabranche stehen derzeit im Fokus. Das Mainzer Unternehmen Biontech und die Tübinger Firma Curevac scheinen einem passenden Impfstoff näher zu sein.

1. Johnson & Johnson (82 MRD US-Dollar Umsatz)

Quelle: Google (Screenshot)

Den weltweit größten Umsatz mit pharmazeutischen Produkten erwirtschaftet der US-amerikanische Konzern Johnson & Johnson. Bei Mitteln gegen Hepatitis C, HIV/Aids, Arthritis und Verdauungskrankheiten ist Johnson & Johnson marktführend.

Auch nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus wird derzeit bei Johnson & Johnson fieberhaft geforscht, genauer gesagt bei dem  belgischen Ableger des Unternehmens Janssen. Forscher bei Janssen haben gegen das Ebola-Fieber einen Mechanismus entwickelt, der jetzt wieder zum Einsatz kommen soll.  Dabei werden harmlose Viren gentechnisch verändert, sodass sie vom Immunsystem als Coronaviren erkannt werden. Wer mit diesen Corona-Fake-Viren geimpft wird, baut einen Immunschutz auf, der eine echte Infektion abwehren soll. Der Impfstoff ist derzeit in der EU im Zulassungsverfahren.

Wenn er sich als wirksam erweist, könnte der Aktienkurs von Johnson & Johnson nach oben schnellen. Noch ist es aber nicht so weit und so muss der amerikanische Pharmariese einen großen Verlust auf dem Börsenparkett hinnehmen. War die Aktie am 17. Februar noch 139, 50 Euro wert, ist sie innerhalb von vier Wochen auf 117,76 Euro gefallen (- 16 Prozent).

2. Roche (62,85 Mrd. US-Dollar Umsatz)

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Das Schweizer Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche hat einen neuen Coronavirus-Test entwickelt, mit dem Ergebnisse in kürzerer Zeit als bei anderen Tests erzielt werden können. Die US-Gesundheitsbehörde FDA habe die Vermarktung des Tests genehmigt, teilte Roche am Freitag mit. Seitdem geht es wieder nach oben mit dem Aktienkurs des Unternehmens. Allein von Donnerstag bis Montag ist der Kurs um 8 Prozent gestiegen, von 33,05 Euro auf 35,59 Euro.  Insgesamt verlor der Aktienkurs in den vergangenen vier Wochen dennoch 12 Prozent. Am 17. Februar lag er bei 40,60 Euro, gestern war eine Aktie 35,59 Euro wert.

3. Pfizer (51,75 Mrd. US-Dollar Umsatz)

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„Wir bei Pfizer glauben, dass der beste Ansatz zur Bewältigung von COVID-19 darin besteht, die Ressourcen und das Know-how aus der gesamten pharmazeutischen Industrie zusammenzuführen„, so Dr. Anke Kugelstadt, Unternehmenssprecherin des Konzerns. Zusammen mit einem anderen Unternehmen untersucht Pfizer derzeit verschiedene Wirkstoffe gegen den Virus. Man befinde sich aber noch in einem „sehr frühen Stadium“, erste Ergebnisse werden Ende März erwartet.

Der Wert der Aktie verlor in den letzten vier Wochen 17 Prozent. Am 17. Februar lag die Aktie noch bei 33,80 Euro, jetzt ist sie 28.10 Euro wert.

4. Bayer (48,02 Mrd. US-Dollar Umsatz)

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An der Entwicklung eines Impfstoffs gegen den Coronavirus ist die Leverkusener Bayer AG  nicht direkt beteiligt, aber ein anderes Gerücht ließ die Aktie am Freitag einige Prozentpunkte nach oben schnellen: Laut Wall Street Journal steht das Unternehmen kurz vor einer Einigung mit sechs Anwaltskanzleien, die Zahntausende Opfer des Glyphosat-halten Unkrautmittels Roundup vertreten. In den USA klagen insgesamt mehr als 40.000 Menschen gegen den Bayer-Ableger Monsanto, weil sie davon ausgehen, dass das Monsanto-Produkt Roundup krebserregend ist.

Inzwischen ist die Ernüchterung bei den Anlegern wieder eingekehrt. Die Aktie verlor am Montag weiter an Wert. Lag sie am 17. Februar noch bei 76,50 Euro, kostet sie jetzt nur noch 47,60 Euro. Das ist eine Wertminderung von 38 Prozent.

5. Novartis (47, 45 Mrd. US-Dollar Umsatz)

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Novartis hat sich vor einigen Jahren aus der Impfstoff-Entwicklung zurückgezogen, deshalb wird es kein Novartis-Wirkstoff gegen COVID-19 geben. Auf Nachfrage bestätigte eine Unternehmenssprecherin des Konzerns, dass man prüfe, inwiefern Medikamente des Konzerns dabei helfen könnten, Symptome von COVID-19-Infizierten zu lindern.
Auch der Novartis-Aktie entzogen die Anleger ihr Geld. Am 17. Februar war eine Aktie  noch 90 Euro wert, am 16. März waren es nur noch 67,50 Euro (Minus 25 %).

6. Biontech (150,51 Millionen US-Dollar Umsatz)

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Ein Neuling an der Börse, der zu den großen Gewinnern des Jahres 2020 gehören könnte, ist die Mainzer Biotechfirma Biontech. Eigenen Angaben zufolge sei man mit der Entwicklung eines Impfstoffs schon so weit, dass man Ende April in die Testphase am Menschen gehen könne. Nicht nur einen Impfstoff will Biontech entwickeln. „Darüber hinaus arbeiten wir an einem neuartigen therapeutischen Ansatz für die bereits infizierten Patienten“, sagt der Gründer und CEO von Biontech Dr. Ugur Sahin.

Anders als die Big Five der Pharmabranche, die im letzten Monat alle herbe Verluste einfahren mussten, hat die Aktie von Biontech zugelegt. Denn wenn das Mittel wirklich in einigen Monaten zur Verfügung steht, könnte die deutsche Firma gute Geschäfte machen. Lag die Aktie am 17. Februar noch bei 28,65 Euro, ist ihr Wet gestern auf 36,51 Euro angestiegen (+ 27 Prozent).

Die Tübinger Firma Curevac, die zur Biotech-Holding des SAP-Gründers Dietmar Hopp gehört, ist das zweite Biotech-Unternehmen, das bei der Wirkstoffentwicklung gegen den Coronavirus sehr weit vorne mit dabei ist. Curevac ist allerdings nicht an der Börse gelistet. Am Wochenende wurde bekannt, dass Donald Trump das Unternehmen oder zumindest den Wirkstoff von Curevac für den amerikanischen Markt kaufen will. Am Sonntag hat Curevac bekannt gegeben, dass man nicht verkaufen werde.

Diese Entscheidung wurde in Deutschland und Europa sehr positiv aufgenommen. Die EU-Kommission hat am gestrigen Montag zudem mitgeteilt, dass sie Curevac bei der Forschung und Entwicklung des Wirkstoffs mit einem Kredit von bis zu 80 Millionen Euro unterstützen werde.

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