Digitale Medizin: Diese 6 Healthcare-Start-ups zeigen wie’s geht

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Durch die Möglichkeiten der digitalen Medizin hat sich das Patientenbild geändert. Der Patient wird zum „CEO seiner Gesundheit“. Healthcare-Start-ups entwickeln Anwendungen für ihn und den betreuenden Arzt.

Mehr als 40 Millionen Menschen im deutschsprachigen Raum nutzen das Internet, wenn sie Fragen rund um ihre Gesundheit haben. Und das ist erst der Anfang, sagen Experten. Internetmedizin ist mobil und global – die Entfernung zwischen Arzt/Therapeut und Patient wird bestimmt durch die Entfernung des Patienten zu seinem Smartphone – und zur Verbindung mit dem Internet. Das Spektrum der Internetmedizin ist breit. Hier einige Beispiele, die die Eigenverantwortung des Patienten stärken und den Arzt mehr als bislang in den Alltag des Patienten einbeziehen.

Apps der Start-ups beziehen Arzt und Patient ein

patientus 1. Die Videosprechstunde: „Patientus“ (Patientus GmbH): Arzt und Patient treffen sich im virtuellen Sprechzimmer. Die Website bietet eine Online-Arztsuche und Terminbuchung sowie Videosprechstunden zur Nachkontrolle, Erstberatung und Zweitmeinung. Die Vorteile: große räumliche Distanz kann so überbrückt werden, ohne lange Anfahrtswege für einen Besuch in der Praxis in Kauf nehmen zu müssen, Hemmschwellen beim Erstkontakt werden abgebaut. Und für den Arzt? Kontrolltermine können schneller absolviert werden, als ein Besuch des Patienten beim gleichen Anliegen.

onelife2. Die Begleitung von Schwangeren zur Erkennung und Vermeidung von Risiken, wie zum Beispiel Frühgeburten: „OneLife“ – ein sogenannter Health-Companion (OneLife Health GmbH). Schwangere wählen aus verschiedenen Schwangerschaftssymptomen ihr Befinden aus, sie erhalten medizinische Informationen und Handlungsempfehlungen und die App erstellt einen monatlichen Befundberichts für den Arzt. Fingerabdruck oder ein PIN-Code sorgen für die Datensicherheit.

ayra

3. Die Therapieunterstützung von Patienten mit Depressionen: „ARYA“  (ARYA) ist eine Hoffnung für Patienten, die noch auf einen Therapieplatz warten, und solche, die noch intensiver mit ihrem Therapeuten zusammenarbeiten wollen. Depressive tragen ihre Stimmung und die jeweiligen Situationen in die App ein und schicken die Einträge zu ihren Therapeuten. Künftig soll die App Verhaltensmustern interpretieren und im richtigen Moment eine Aktivität vorschlagen, die den Betroffenen gut tut.

präventicus4. Die Prävention von Herzinfarkt und Schlaganfall: Preventicus“ – Erkennt Herzrhythmusstörungen und misst den Blutdruck über die Kamera des Smartphones („PREVENTICUS GmbH). Mit Hilfe speziell entwickelter Algorithmen und auf Basis von mehr als 25.000 Referenzdaten erfasst das Programm die individuelle Biovariabilität. Durch die regelmäßige Analyse wichtiger Risikofaktoren werden kritische Zustände frühzeitig sichtbar. Das Portal richtet sich gezielt an Hausärzte und Kardiologen.

mysugr5. Das Online-Diabetesmanagement: „mySugr“ – umfassende Onlineplattform mit mehr als 500.000 Nutzern weltweit. Das Wiener Start-up bietet aufeinander abgestimmte Apps, einen Web-Service und eine „Diabetes Academy“, um den Therapie-Alltag zu erleichtern. Ein Großteil des Teams lebt mit Diabetes, viele bereits seit ihrer Kindheit. Und so gibt es auch eine Diabetes-Tagebuch App speziell für Kinder mit Diabetes.

 

caterna6. Digitale Therapien: „Caterna“  (Caterna Vision GmbH) – Behandlung der kindlichen Sehbehinderung – nur über das Internet verfügbar. Bits and Bytes statt Moleküle in Medikamenten. Patienten nehmen via Internet an einer Sehschulung teil, der Augenarzt hat die Möglichkeit, den Therapiefortschritt jederzeit online einzusehen. Das Unternehmen kombiniert erprobte Ansätze aus Praxis und Forschung mit neuen Technologien.

Internetmedizin nicht mit Fitness-Apps verwechseln

„Bislang lässt unser Gesundheitswesen die Patienten im Alltag im Stich.“Dr. Markus Müschenich vom Vorstand des Bundesverbands Internetmedizin bemängelte auf dem DGIM-Kongress 2016 in Mannheim: „Bislang lässt unser Gesundheitswesen die Patienten dort im Stich, wo viele Krankheiten entstehen oder der Großteil der Therapie abläuft: im Alltag.“ Das Erfolgsgeheimnis der Internetmedizin? Sie gibt Patienten eine neue Sicherheit. Mit dem Smartphone hat jeder Patient seinen virtuellen Leibarzt in der Hosentasche. Damit ist die Internetmedizin die erste wirklich passende Antwort auf die großen Volkskrankheiten – vom Diabetes über KHK bis Depression und Demenz.

„Die Internetmedizin verändert die Gesundheitsversorgung in einem Maß, wie es bisher nur die Entdeckung der Röntgenstrahlen, der Antibiotika oder die Analyse des menschlichen Genoms getan haben“, sagt er. Sie demokratisiert die Medizin und macht den Patienten zum „CEO seiner Gesundheit“.

„Der Anspruch ist derselbe, wie an die analoge Medizin.“
Internetmedizin darf nicht verwechselt werden mit Fitness-Apps. „Der Anspruch an die Internetmedizin ist derselbe wie der an die konventionelle/analoge Medizin“, sagt Müschenich. Die Zertifizierung nach dem Medizinproduktegesetz sei ebenso selbstverständlich wie die Einhaltung des Datenschutzes und die Durchführung klinischer Studien. Er ist überzeugt: In Zukunft werden 30 Prozent der Medizin im Internet stattfinden. (sk/se)

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